21.01.2016

03/2016 - Das "Zuckerdilemma"

Nach dem 30. September 2017 werden Quoten und Rübenmindestpreise als zentrale Elemente nicht mehr zu den zuckermarktpolitischen Instrumenten der EU gehören. Von Branchenvereinbarungen zwischen Rübenanbauern und den Unternehmen der Zuckerindustrie wird es abhängen, ob der Rübenanbau eine Zukunft hat.

Was die rheinische Zuckerwirtschaft bis heute ausgezeichnet

Auf der Grünen Woche in Berlin war sie in aller Munde: die schwierige, wenn nicht sogar katastrophale Lage auf den landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland. Patentrezepte, wie die Misere behoben werden kann, gibt es nicht. Während die einen mehr oder weniger auf eine aktive Exportpolitik setzen, sehen die anderen in dieser Strategie das Grundübel der augenblicklichen Lage. Bitter ist, dass es für die arg gebeutelten Milcherzeuger und Schweinehalter auch für die nächsten Monate kaum einen Hoffnungsschimmer am Horizont gibt. Die Hochrechnungen der Landwirtschaftskammer (siehe Bericht ab S. 22) lassen Schlimmes befürchten. Einziger Lichtblick: Rheinische Ackerbauern könnten – plus/minus null gegenüber dem Vorjahr – mit einem blauen Auge davonkommen.

Trotzdem sind die Sorgen auf diesen Höfen in den vergangenen Monaten nicht kleiner geworden. Die Einkommen sind auch in Ackerbaubetrieben eingebrochen und längst nicht mehr ausreichend. Und jetzt droht mit dem Wegfall der Zuckermarktordnung auch das letzte kalkulierbare Standbein an Attraktivität zu verlieren.

Quoten und Rübenmindestpreise wird es nach dem 30. September 2017 nicht mehr geben. Branchenvereinbarungen zwischen den Rübenanbauern und den Unternehmen der Zuckerindustrie werden das ersetzen müssen, was bislang politisch geregelt wurde: ein vernünftiges Mengenmanagement und für alle Beteiligten zufriedenstellende Preise.

Das birgt durchaus Konfliktpotenziale, wie vergangene Woche auf der Mitgliederversammlung des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes deutlich geworden ist (siehe Bericht ab S. 14). Für die bislang bekannt gewordenen Angebote der Zuckerindustrie für die Zeit nach 2017 haben viele Rübenbauern wenig „Lust“, weiterhin auf die Zuckerrübe zu setzen. Von ihrem Verband verlangen sie deshalb, hart zu verhandeln, und vom heimischen Rübenverarbeiter ein großzügigeres Entgegenkommen.

Dazu vielleicht ein Blick in die Geschichte des rheinischen Rübenanbaus: Wenn die „süßen Knollen“ nicht mehr aus der Fruchtfolge rheinischer Ackerbaubetriebe wegzudenken sind, dann auch, weil vom Beginn an Landwirte und Verarbeiter die Entwicklung gemeinsam gestaltet haben. Auch wenn Konfrontationen zwischen Rübenbauern-Verband und Zuckerindustrie in der Vergangenheit nicht ausgeblieben und unterschiedliche Interessen geschäftsgegeben sind, haben Ehrlichkeit und Fairness die Zusammenarbeit geprägt. Kurzum: Was die rheinische Zuckerwirtschaft bis heute ausgezeichnet hat, ist die Fähigkeit, einen gelungenen Kompromiss zu finden, bei dem keiner das Gefühl haben musste, über den Tisch gezogen worden zu sein.

Wird das jetzt mit dem Ende der Marktordnung anders? Keine Frage, es wird von beiden Seiten mit härteren Bandagen verhandelt werden. Dabei stecken sowohl die Unternehmen als auch die Rübenanbauer in einem Dilemma. Die Fabriken brauchen mehr Rüben, um ihre Standorte auslasten und konkurrenzfähig bleiben zu können, zugleich müssen sie nach Jahren der vergleichsweise üppigen Vergütung die Rohstoffpreise wettbewerbsfähig gestalten. Vergessen sollte man auch nicht, dass die früher unschlagbare, zu Recht als „Königin der Ackerfrüchte“ bezeichnete Feldfrucht zunehmend mit anderen Ackerfrüchten im Wettbewerb steht. Zur Erzielung eines optimalen Deckungsbeitrags in der Gesamtfruchtfolge scheint es künftig nicht mehr ganz so genau darauf anzukommen, möglichst viele Hektare mit Rüben anzubauen.

Andersherum gilt aber auch: Wenn wegen fehlender Rüben Fabriken ihre Tore schließen, dann bleiben sie mit hoher Wahrscheinlichkeit für immer geschlossen. In der betroffenen Region wäre dann auch der Anbau von Rüben passé. Wer weiter „Knollen“ anbauen will, muss auch bei den Preisen zu Zugeständnissen bereit sein, sofern sie wirtschaftlich vertretbar sind.

Zuckerunternehmen und Rübenanbauer müssen deshalb umso mehr den engen Schulterschluss suchen, um langfristig die Rohstoffbasis für Zuckerverarbeitung nicht zu verlieren und zusammen im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Dieser Schulterschluss hat im Rheinland eine gute Tradition, er muss aber auch weitergelebt werden, soll der Rübenanbau Zukunft haben.


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