25.02.2016

08/2016 - Statistik die nachdenklich macht

Die Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel erlebt, der viele Höfe zum Aufgeben gezwungen hat. Bei aller Notwendigkeit einer Strukturanpassung sollte man nicht vergessen, dass die Aufgabe eines Hofes nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine menschliche Seite hat.

Eine rein ökonomische Betrachtung des Strukturwandels hilft nicht weiter, weil sie die Menschen und ihre Probleme auf den Höfen nicht berücksichtigt.

Vieles lässt sich in Zahlen fassen. So zum Beispiel der Strukturwandel in der Landwirtschaft, den Agrarstatistiker in regelmäßigen Abständen zu berechnen wissen. Diese „historischen“ Zahlen zur Landwirtschaft sind auch von besonderem Interesse. Sie dienen dazu, künftige Entwicklungen zu erkennen und können dabei helfen, das aktuelle Geschehen in den landwirtschaftlichen Teilbereichen zu interpretieren. Dabei haben die vergangenen Jahre eindringlich gezeigt, dass es unmöglich ist, genau zu bestimmen, wohin beispielsweise die Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen steuert. Gleichwohl gibt es jenseits konjunktureller Schwankungen Tendenzen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die Entwicklung der Landwirtschaft in den kommenden Jahren prägen werden. Genau das trifft den Nerv vieler Landwirte, die in einer schwierigen Phase die Weichen für die Zukunft stellen müssen

Schon allein die „Ist-Analyse“ muss nachdenklich stimmen. Nach den aktuellsten Strukturerhebungen für unser Bundesland gab es 2013 noch rund 34 000 Betriebe in Nordrhein-Westfalen. 1991 waren es noch fast 61 000. Das entspricht einer Abnahmerate von 43,7 %, beziehungsweise von 2,1 % pro Jahr. Wer glaubt, der Strukturwandel würde sich verlangsamen, sieht sich getäuscht. In den vergangenen zehn Jahren (2003 bis 2013) schieden mehr als 10 000 Betriebe aus. Anhand dieser Zahlen ist es unschwer zu prognostizieren, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Nordrhein-Westfalen sich bis zum Jahr 2020 der magischen Zahl 30 000 nähern oder diese sogar unterschreiten wird. Andersherum: Rund die Hälfte aller Betriebe werden dann 50 ha oder mehr bewirtschaften.

Ist dies eine gute oder eine schlechte Nachricht? Man sollte dies zunächst einmal nüchtern betrachten. Es macht wenig Sinn, sich nicht mit diesen Fakten und Zahlen ausei­nan­derzusetzen und den Strukturwandel aus dem Denken und Handeln zu verbannen. Mehr als bisher bestimmen die Märkte über das Wohl und Wehe der Betriebe und der Markt kann „grausam“ sein, wie wir es jetzt auf fast allen Ebenen erleben. Er kann aber auch ungeahnte Chancen bieten. Oder sind die Höhenflüge von vor zwei Jahren schon vergessen?

Tatsache bleibt: Für jeden einzelnen Betrieb, für jeden Betriebszweig muss eine passende Lösung gefunden werden. Es gibt gewiss Regeln, die für alle gelten, doch schematisches Vorgehen hilft genauso wenig wie Schwarzmalen oder Schönfärberei. Die Zukunft eines Betriebes hängt zuallererst von den handelnden Personen und von den Fähigkeiten der Betriebsleiterfamilie ab. Erst dann kommen Hektar- oder Tierzahlen, Standort und Ausrichtung.

Entsprechend individuell wird man bei der Beratung vorgehen müssen. Gewiss darf und muss es Beratungsziel bleiben, möglichst vielen Betrieben die Chance zur Weiterentwicklung zu eröffnen. Wo es aber wenig Sinn macht oder gar der Hofnachfolger absehbar fehlt, sollten Vermögenserhaltung und Einkommenssicherung im Hintergrund stehen. Auch der organisatorisch vorbereitete Übergang zum Nebenerwerb und der planvoll angelegte Ausstieg aus der Landwirtschaft können für landwirtschaftliche Familien sinnvolle Strategien sein. Es gehört in die Köpfe vieler Bauern: Auch der Ausstieg kann ein guter Anfang sein.

Allerdings hilft eine rein ökonomische Betrachtung des Strukturwandels nicht weiter, weil sie die Menschen und ihre Probleme auf den Höfen nicht berücksichtigt. Schließlich haben dort Menschen gelebt und gearbeitet, vielleicht in der Hoffnung, „es wird schon weitergehen“. Ihnen haben Betriebswirtschaftler vorgerechnet, dass sie zu wenig Land beackern, zu wenig Tiere halten und dass das Verdiente nicht ausreicht, um in Zukunft Landwirtschaft betreiben zu können. Aber für viele dieser Bäuerinnen und Bauern war und ist der Bauernhof mehr als nur Einkommensquelle, insbesondere dann, wenn der Hof schon seit Generationen im Familienbesitz ist.

Die Agrarpolitik, aber auch Beratung und Berufsstand müssen deshalb auch denjenigen zur Seite stehen, für die es keine Zukunft in der Landwirtschaft gibt. Gewiss wird das nicht immer eine dankbare Aufgabe sein, die zudem kaum Geld einbringen wird. Denn Umlagen und Beitragszahlungen wird man von diesen Bäuerinnen und Bauern auf Dauer nicht mehr erwarten können.


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