03.03.2016

09/2016 - Da bewegt sich was

Der Verlust der Artenvielfalt wurde lange Zeit allein der intensiven Landwirtschaft angehängt. Jetzt wird deutlich, dass es ein multifaktorielles Geschehen ist und die ganze Gesellschaft gefragt ist. Die Landwirte sehen ihre Verantwortung für den Artenschutz und wollen ihren Beitrag leisten.

Man sollte keinen theoretisch wohl fein ausgedachten Zielen, die am grünen Tisch entstanden sind, hinterherrennen, sondern immer auf die Qualität der Natur- und Artenschutz-

Man sieht sie kaum noch: blaue Kornblumen, feuerroter Klatschmohn oder Rebhühner – typische Marker der Agrarlandschaft. Noch vor 20 Jahren war es kein Problem, am Feldrand einen Strauß mit bunten Wildblumen zu pflücken. Jetzt müssen die Ackerwildkräuter und andere ehemals typische Pflanzen mühsam gesammelt und vermehrt werden sowie einst typische Tiere der Offenlandschaft besonders geschützt werden. Das hat wohl keiner so gewollt.

Umso positiver ist es, dass Landwirte ihre Aufgabe, die Artenvielfalt zu erhalten, ernst nehmen und auch schon längst in Angriff genommen haben. Sei es mit dem Ackerwildkrautprojekt oder dem Projekt Summendes Rheinland der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft und vielem mehr, mit blühenden Zwischenfrüchten, Puffer- oder Randstreifen inmitten der Bördelandschaften.

Ein Pionier, der Naturschutz und Landwirtschaft zusammengebracht hat, ist Professor Dr. Wolfgang Schumacher von der Uni Bonn. Während er noch aufklären musste, dass Naturschützer nicht so „öko“ sind, wie Landwirte denken, und Landwirte nicht so „spritzbegeistert“, wie vielleicht mancher Naturschützer unterstellt, sind die Gräben inzwischen geschlossen. Von einseitigen Schuldzuweisungen war jedenfalls auf einer Fachtagung zur Artenvielfalt (siehe Bericht S. 10) nichts zu spüren.

Ganz im Gegenteil: Der Erhalt und die Förderung der Biodiversität wird heute als eine Angelegenheit aller angesehen – sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Es heißt nicht mehr, die Landwirtschaft ist schuld, sondern man hat auf allen Seiten erkannt, dass es mehrere Ursachen gibt, und dass sich auch so mancher Städter oder Dorfbewohner an die eigene Nase fassen muss. Denn die Landschaft und die Artenvielfalt haben sich durch unser aller Verhalten – noch mehr Straßen, noch mehr Baumärkte und Neubaugebiete und andere Versiegelungen für unseren bequemen Wohlstand und bestens ausgebaute Strukturen – verändert. Vor vielen Häusern findet man heute keine bunten Vorgärten mehr, sondern nur noch Steingärten, weil sie einfach zu pflegen sind. Prädatoren, natürliche Feinde der schützenswerten Arten, konnten sich in dieser Landschaft rasant entwickeln – oft werden sie sogar zur Plage, wie Krähen oder Marder.

Auch der Naturschutz hat sich verändert: einfach eine Fläche stilllegen oder nur eine Streuobstwiese anlegen, die nicht gepflegt wird – das will heute keiner mehr. Überall doppelte Saatreihen? Nein, Danke! Denn Landwirte und Naturschützer wissen, dass jeder Feldvogel und jede Pflanzenart höchst komplexe und vor allem immer andere Ansprüche hat. So brütet der Kiebitz in einem dichten Bestand (mehr zum Kiebitz ab S. 13), die Feldlerche am Rande eines Fensters im Acker oder eben in breiteren Saatreihen. Daher sind die Vielfalt der Landschaft sowie der Maßnahmen so wichtig.

Wenn man meint, man müsste nur der Landwirtschaft Naturschutzmaßnahmen aufdrücken, wird sich nicht viel ändern. Denn die ganze Gesellschaft ist gefragt! Man sollte auch keinen theoretisch wohl fein ausgedachten Zielen, die am grünen Tisch entstanden sind, hinterherrennen, sondern immer auf die Qualität der Natur- und Artenschutzmaßnahme achten. Die Maßnahmen sollten gezielt, intelligent und flächenschonend umgesetzt werden. Schließlich sollte man immer mit den Landwirten sprechen, wie man eine Arten- und Naturschutzmaßnahme am besten umsetzen kann. Wenn sie sich problemlos in den betrieblichen Ablauf integrieren lässt, wird kein Landwirt Nein sagen.


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