12.02.2020

AgrarForum der Volksbank Rhein-Lippe und Kreisbauernschaft Wesel

Foto: Christiane Närmann-Bockholt

An der Seite der Landwirte: Unter diesem Motto stand das 8. AgrarForum, zu dem die Volksbank Rhein-Lippe und die Kreisbauernschaft Wesel am Freitag letzter Woche gemeinsam nach Wesel eingeladen hatten. Das Programm der Veranstaltung, die alle zwei Jahre stattfindet, wartete mit prominenten Rednern auf, allen voran die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser.

In der Begrüßung warf Ulf Lange, Vorstandsmitglied der Volksbank Rhein-Lippe, ein Schlaglicht auf die Gemeinsamkeiten von Banken und Landwirtschaft. Beide Branchen hätten mit einem Imagepro­blem in der öffentlichen Wahrnehmung zu kämpfen und nicht zuletzt laste ein wachsender wirtschaftlicher Druck auf den Unternehmen. Mit der zentralen Frage, ob die Landwirtschaft am Niederrhein noch eine positive Zukunftsperspektive habe, reichte Bankmanager Lange das Mikrofon an die Ministerin weiter.

Schlüssel für die Zukunft

Eine ganze Fülle von Themen, die den Landwirten auf den Nägeln brennen, hatte Ministerin Ursula Heinen-Esser mit nach Wesel gebracht. In den Vordergrund stellte sie die Reform der EU-Agrarpolitik, die maßgeblichen Einfluss auf die Zukunft unserer Landwirtschaft habe. „Ich hätte mir gewünscht, die Entscheidung darüber wäre schon vor der EU-Wahl im letzten Mai gefallen“, bekannte Heinen-Esser. Jetzt müsse sich die GAP-Reform „in das neue Megathema Green Deal einsortieren“. Es gelte, alles daranzusetzen, die Förderung über die erste Säule als Basisabsicherung zu halten.

Als die weiteren Topthemen auf der politischen Agenda nannte die Ministerin Düngeverordnung und Insektenschutzprogramm. Sie wies da­rauf hin, dass in NRW alle Grundwassermessstellen überprüft würden. „Wir wissen, dass 10 % der Messstellen nicht in Ordnung und zu sanieren sind. Zudem wollen wir 200 zusätzliche Messstellen einrichten“, erklärte Heinen-Esser. Außerdem werde eine Binnendifferenzierung auf den Weg gebracht, die mit der Landes-Düngeverordnung in der zweiten Jahreshälfte in Kraft treten könne. Eingehend auf die von Bundesministerin Klöckner Ende letzten Jahres vorgelegte Ackerbaustrategie zeigte die NRW-Ministerin auf, dass die gesetzten Ziele nur zu erreichen seien, wenn „wir in der Landwirtschaft noch digitaler werden“. Den „Schlüssel für die Zukunft“ sieht sie in mehr digitaler Technik; weniger Pflanzenschutzmitteleinsatz bei gleichen Erträgen laute das Ziel.

Keine Verbote ohne Entschädigung

Damit zog die Ministerin den Bogen zu den Themen Insektenschwund und Biodiversität, nicht ohne einen Seitenhieb auf die Unsitte von Schottergärten und die Verantwortung der Verbraucher. Mit Blick auf den Aktionsplan Insektenschutz machte Heinen-Esser deutlich, dass sie Verbote strikt ablehne. Sollte die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Natur- und Vogelschutzgebieten mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen untersagt werden, werde Nordrhein-Westfalen das nicht mitmachen. „Verbote ohne die Möglichkeit einer Entschädigung kommen einer Enteignung gleich“, erklärte Heinen-Esser und machte deutlich, dass Agrarumweltmaßnahmen und Vertragsnaturschutz der bessere Weg seien.

In der Diskussion konnten die niederrheinischen Landwirte der Ministerin einiges mit auf den Weg geben. Johannes Leuchtenberg, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Wesel, wies auf den enormen Flächenverbrauch durch die Auskiesung hin und forderte, die Nutzung recycelter Baustoffe voranzubringen. In seinem Grußwort ging er auf die hohen Flächenverluste ein und forderte hier dringend politisch gegenzusteuern. Er warnte vor zu großer Euphorie in Sachen Digitalisierung, der Mehrarbeit durch die Datenerfassung stehe nicht immer ein entsprechender Nutzen gegenüber. „Was passiert mit den gesammelten Daten? Die Politik ist gefordert, hier sichere Rahmenbedingungen zu schaffen“, machte Leuchtenberg deutlich.

Digitale Präzisionslandwirtschaft

Die Chancen und Risiken der digitalen Landwirtschaft nahmen die beiden Referenten Stephan Vormbrock und Karl-Heinz Krudewig in den Fokus. Vormbrock ist Geschäftsführer der CLAAS ­E-Systems, die die Entwicklung der elektronischen Systeme in den CLAAS-Maschinen verantwortet. Krudewig ist Produktmanager bei dem CLAAS-Tochterunternehmen 365FarmNet Group, das sich als Partner für digitale Landwirtschaft versteht und an der Vernetzung der an unterschiedlichen Stellen gesammelten Daten arbeitet. „Digitalisierung ist der Schlüssel für ein zukunftsfähiges Management landwirtschaftlicher Betriebe und für eine nachhaltige und gesellschaftskonforme Landbewirtschaftung“, lautete das Credo der beiden Manager. Die Präzisionslandwirtschaft biete bei gesteigerter Effizienz und Nachhaltigkeit mehr Möglichkeiten, ob bei Bodenbearbeitung, Düngung, Pflanzenschutz oder Ernte. Auch die Vernetzung zwischen Ackerbau und Tierhaltung biete neue Chancen. „Allerdings ist die Digitalisierung kein Selbstzweck, sondern sie muss dem Landwirt einen Mehrwert bringen“, so die beiden Experten.

Bodenständiger wurde es in der anschließenden Podiumsdiskussion, an der unter Moderation von LZ-Chefredakteur Detlef Steinert neben den beiden Digitalexperten die Landwirte Johannes Leuchtenberg und Arnd Cappell-Höpken teilnahmen. Im Vordergrund standen die Sorgen um den vielfach fehlenden Nachwuchs auf den Höfen, um die mangelnden Perspektiven, um die zunehmende Regulierung durch immer mehr behördliche Auflagen und um den wachsenden wirtschaftlichen Druck. „Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen“, brachte Leuchtenberg die belastende Situation auf den Höfen auf den Punkt. Denn anders als in der Präsentation der Digitalexperten gezeigt, bleibt die Vorstellung von den vielen kleinen Helferlein, die digital gesteuert und automatisiert die Arbeit in Hof und Flur von allein erledigen, während der Bauer bequem mit kühlem Getränk im Liegestuhl ruht, ein unerfüllter Traum. cnb


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