16.09.2020

ASP breitet sich aus

Foto: imago images/Reiner Bernhardt

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich in Deutschland allem Anschein nach weiter aus. Nachdem in der vergangenen Woche der erste bundesweite Fall in Brandenburg bekannt wurde, sind nun offenbar weitere Tiere betroffen: Es handle sich laut der Brandenburgischen Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) um vier tot aufgefundene Wildschweine und ein krank erlegtes Tier.

Bereits das erstmalige Auftreten der Tierseuche bei einem Wildschwein hatte in Deutschland und in den Nachbarstaaten für große Marktunsicherheit gesorgt. Die maßgebliche Notierung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) musste wegen des Verlustes der Exportmärkte in Drittstaaten am vergangenen Freitag um 20 Cent auf 1,27 Euro/kg Schlachtgewicht (SG) gesenkt werden. Im ersten Halbjahr 2020 hat Deutschland der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) zufolge rund 543 600 t Schweinefleisch einschließlich Nebenerzeugnissen in Drittländer verkauft, die nun nahezu vollständig in der Europäischen Union Abnehmer finden müssen.

Marktexperten erwarten aufgrund des großen Fleischangebotes aus Deutschland Preisverwerfungen am Binnenmarkt. Zwar können Anbieter aus anderen EU-Ländern mit einem besseren Chinageschäft rechnen, doch der meist größere Absatz in der Gemeinschaft wäre negativ betroffen. Danish Crown senkte deshalb seinen Ankaufspreis für Schlachtschweine am vergangenen Freitag um umgerechnet 6,7 Cent auf 1,37 Euro/kg SG. In den Niederlanden gab die nationale Notierung für diese Woche um 5 Cent auf 1,34 Euro/kg SG nach; Vion bezahlt mit 1,44 Euro/kg SG einschließlich Mehrwertsteuer 8 Cent weniger als in der Vorwoche. In Frankreich kam wegen befürchteter Verwerfungen am EU-Schweinefleischmarkt der Notierungsanstieg der vergangenen vier Wochen von kumuliert 9 Cent zum Stillstand; am Marché du Porc Breton ging es gestern um 0,4 Cent auf 1,382 Euro/kg SG zurück.

Ganz anders sieht es bei den potentiellen Ersatzlieferanten von Schweinefleisch nach China, Brasilien und USA aus. Die Schlachtschweinenotierung im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina befindet sich seit Anfang Juli wegen boomender Exporte in die Volksrepublik im Höhenflug und hat bis zum 10. September von umgerechnet 0,74 Euro/kg Lebendgewicht (LG) auf 1,24 Euro/kg LG und damit um 72 % zugelegt. In den USA haussieren die Schlachtschweinefutures an der Chicago Mercantile Exchange (CME) ebenfalls seit Wochen. Die Nachricht des ASP-Falles in Deutschland und eine geringere Produktionsschätzung des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) für 2020 ließen den Dezember-Future am Freitag mit umgerechnet 1,23 Euro/kg SG auf das höchste Niveau seit Mitte Februar und damit noch von vor der Corona-Krise steigen. AgE/ke


 

 

 

 

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