13.02.2020

Auf dem Land kann man was lernen

Foto: Lea-Kathrin Piepel

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, besuchte am vergangenen Freitag Ausbildungsbetriebe für Gärtner und Landwirte in Westerkappeln im Kreis Steinfurt. Dort informierte sie sich über die Ausbildung in den Grünen Berufen und die Herausforderungen, denen sich die Ausbilder in den nächsten Jahren gegenübersehen. Eingeladen hatte der Verband der Landwirtschaftskammern.

Erste Station des Besuchs war die Baumschule Fels. Christiane und Georg Fels haben in den letzten 13 Jahren elf angehende Gärtnerinnen und Gärtner ausgebildet. „Unser Herz hängt an der Ausbildung“, betonte Christiane Fels direkt zu Beginn des Besuchs der Ministerin. Die Eheleute Fels bilden häufig junge Menschen aus, die es auf dem Arbeitsmarkt sonst schwerhätten. Zurzeit ist einer ihrer Azubis ein Geflüchteter aus Afghanistan. Allerdings sei die Bürokratie dabei nicht immer leicht zu bewerkstelligen. Das Ehepaar Fels wünscht sich daher einen zentralen Ansprechpartner bei den Behörden, der sie – nicht nur bei der Ausbildung von Geflüchteten – an die entsprechenden Stellen weitervermittelt. Sollte es bei den Behörden zu Problemen kommen, empfiehlt die Ministerin, sich mit einem Brief an seinen Abgeordneten oder auch an die Minister zu wenden. Die könnten häufig auch weiterhelfen.

Der Milchviehbetrieb Leyschulte-Steer GbR in Seeste hat in den vergangenen 20 Jahren regelmäßig Landwirte ausgebildet. „Die Ausbildung zum Landwirt ist ziemlich breit gefächert“, meint GbR-Partner Jürgen Steer. Es sei allerdings schwerer geworden, neue Auszubildende zu finden, stellt Ausbilder Hajo Leyschulte fest. „Wir können unsere Azubis nicht nur mit Geld locken. Daher versuchen wir es mit Flexibilität und einem familiären Umfeld“, so der Landwirt. In der Regel wohnen die Auszubildenden auf dem Betrieb Leyschulte. Das ist für Hajo Leyschulte besonders wichtig. So machen die angehenden Landwirte neben der Berufsausbildung auch eine mentale Ausbildung, wie Leyschulte es nennt, da sie in einer fremden Familie leben.

Beim Betriebsrundgang diskutierten Gerhard Schwetje, Präsident des Verbandes der Landwirtschaftskammern, Karl Werring, Präsident der Landwirtschaftskammer NRW, Dr. Martin Berges, Direktor der Landwirtschaftskammer NRW, zusammen mit Anja Karliczek und den Betriebsleitern über die Chancen, die eine Berufsausbildung bietet. „Damit junge Menschen erst einmal die Praxis kennenlernen, ist eine Ausbildung eine gute Basis für den Start in das Berufsleben“, meinte Dr. Martin Berges. „Ein Studium können die jungen Leute auch anschließend noch beginnen.“

Insgesamt sei die Ausbildung in den Grünen Berufen nachgefragt, berichtete Dr. Barbara Laubrock von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Die Zahlen der Neuanfänger seien kon­stant auf einem guten Niveau.  2019 hätten sich 550 junge Menschen für eine Ausbildung zum Landwirt entschieden. Das seien 4 % mehr als im Vorjahr. Der beliebteste Ausbildungsberuf im Agrarbereich sei Gärtner. Hier seien 2019 insgesamt 1 699 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden.

Lea-Kathrin Piepel, Landwirtschaftskammer NRW