21.09.2022

„Der schönste Beruf der Welt“

Foto: Petra Jacob

Im Ahrntal in Südtirol verbinden sich alte Traditionen mit neuen Ideen. Das funktioniert: Ein alter Graukäse ist wieder beliebt und junge Menschen sehen eine Zukunft in der Landwirtschaft.

Das Mühlwaldertal ist ein Seitental des Ahrntals und eng, links und rechts fallen die Berge steil ab. Die Winter hier sind lang und die kleinen Höfe im unteren Teil des Tales sehen monatelang keine Sonne. Einer der kleinen Höfe ist der Mittermairhof: einfaches Haus, Scheune, Hofkäserei, vier Kühe, 15 weitere auf einer Alm bei Lappach, ein paar Kilometer entfernt, wie Bäuerin Agnes Laner erzählt. Dort arbeiten ihr Mann Klaus und Sohn Markus, auf dem Mittermairhof ist die 55-Jährige mit Sohn Manuel für die Käseproduktion zuständig. Eigentlich ist sie Kindergärtnerin, doch sie „kast mit Leidenschaft und Liebe“, wie sie sagt. Seit dem Jahr 2000 werden neben Butter noch verschiedene Bergkäse hergestellt. Darunter der Ahrntaler Graukäse, für den sie bekannt und der heiß begehrt ist. Verkauft wird er ab Hof, manchmal bringt sie ihn zu Kunden, wenn sie in die Stadt kommt, und mit etwas Glück, wie sie erzählt, sei er im Lebensmittelgeschäft Despar in Sand in Taufers zu finden.

Fast wäre der Ahrntaler Graukäse in Vergessenheit geraten und das Wissen um die Herstellung verloren gegangen. „Er wurde nur noch von wenigen kleinen Betrieben hergestellt und dann nur für den Eigenverbrauch“, erzählt Martin Pircher. Er ist der Geschäftsführer von Despar und ausgebildeter Käse-Sommelier. Käse ist seine große Leidenschaft: Er organisiert das alle zwei Jahre stattfindende Käsefestival in Sand in Taufers, wo sich knapp hundert Produzenten aus ganz Europa mit rund tausend Sorten präsentieren, da-runter auch der Ahrntaler Graukäse. Seit vier Jahren ist ihm nun sein eigenes Fest gewidmet. Immer im September finden die Ahrntaler Graukäsetage statt.

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