22.05.2020

Der Wald ist gefragter denn je

Foto: Dr. Elisabeth Legge

Untersuchung zeigt: Besucherzahlen in Bonner Wäldern haben sich in Corona-Zeiten mehr als verdoppelt

Raus aus der engen Wohnung, rein in die stadtnahen Wälder. Das ist derzeit die Devise vieler Bürgerinnen und Bürger. Dass es sie zu Corona-Zeiten verstärkt in die Wälder führt, liegt auf der Hand. Aber wie groß ist der Besucherzuwachs seit Beginn der Corona-Pandemie? Eine Untersuchung des European Forest Institute Bonn (EFI) hat hierzu Zahlen ermittelt, die das Institut zusammen mit Vertretern des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft am Mittwoch vergangener Woche der Presse im Bonner Kottenforst vorstellte.

Beispielloser Boom

„Unter Covid-19 haben die Besucherzahlen einen beispiellosen Boom erlebt. Der Kottenforst war vorher schon ein beliebtes Waldgebiet, über das Jahr haben wir durchschnittlich 290 Passanten am Tag gezählt. Aber die Zahl hat sich im März und April in diesem Jahr um den Faktor 2,4 gesteigert“, erläuterte Jakob Derks, der die EFI-Studie geleitet hat. Untersucht hat das Institut die Besucherzahlen im Rahmen des europäischen „LIFE+“-Naturschutzprojekts „Villewälder – Wald- und Wasserwelten“, eines Kooperationsprojekts des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft und der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft. Ziel der Untersuchung sei es, wie Derks erläuterte, anhand von rund 300 Befragungen Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Menschen bei ihrem Waldbesuch zu erhalten. Um die Besucherzahlen im Jahresverlauf und Tageszeit und Wochentag zu erfassen, hatten Projektmitarbeiter im März vergangenen Jahres eine automatische Zählstelle an einem zentralen Punkt im Wegenetz des Kottenforstes eingerichtet.

Und eigentlich hätte die Untersuchung Ende Februar abgeschlossen sein sollen. Aber ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt kam dann die Corona-Pandemie und seither werden die Waldbesucher weiter gezählt. „Dabei haben wir interessante Ergebnisse erhalten“, betonte Georg Winkel, Chef der Bonner Dependance des EFI. „Diese Daten unterstreichen die Bedeutung von stadtnahen Wäldern für das Wohlbefinden der Menschen. Nicht erst seit Corona ist das bekannt.“

Durch die Corona-Pandemie haben sich aber nicht nur die Besucherzahlen im Bonner Kottenforst verdoppelt, sondern auch die Verteilung der Besucher über den Tag. Nach Aussagen von Derks waren in der Auswertung der Zählstelle vor der Coroan-Zeit klare Besucherspitzen morgens und abends zu erkennen, die unter anderem auch auf viele Rad-Pendler zurückzuführen waren. In Zeiten von Corona dominierten dagegen die Waldbesucher an den Nachmittagen. Vor dem Corona-Lockdown seien darüber hi­naus 80 % der Besucher über 40 Jahre alt gewesen. Jetzt kämen deutlich mehr junge Leute und Familien in die Wälder. 60 % der Besucher seien vor Corona insbesondere direkt aus der Nähe des Kottenforsts gekommen, inzwischen gebe es auch viele Besucher aus anderen Regionen des Rheinlands, insbesondere aus den Städten. „Vor Corona lag der Rekord bei 550 Besuchern pro Tag und in Zeiten der Corona-Pandemie sind es 1 250 Besucher pro Tag“, so Derks. Außerdem sei beim Besuche­randrang kein Unterschied mehr zwischen den Besucherzahlen an den Wochentagen und am Wochenende zu erkennen.

Forstleute gefordert

Die Forstleute im Kottenforst stellt der rege Besuche­randrang allerdings vor neue Herausforderungen. Immerhin gelte es, inmitten vieler Waldbesucher verschiedene Maßnahmen zur Begrenzung der Borkenkäferschäden, die Holzabfuhr, die Neupflanzung, aber auch die Jagd und die Wegeunterhaltung umzusetzen, erläuterte Wolfgang Bongardt, Leiter des Forstreviers Kottenforst. Außerdem bringe ein Mehr an Besuchern auch eine Reihe an Problemen mit sich, unter anderem durch das höhere Radaufkommen. Zudem käme es zur Störung des Ökosystems in der Setz- und Brutzeit durch Menschen, die die Wege verlassen, und frei laufende Hunde. Auch beklagte der Förster ein verstärktes Müllaufkommen an den Parkplätzen, das von seinen Mitarbeitern entfernt werden müsse.

Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft, appellierte in diesem Zusammenhang an die Rücksicht der Besucher: „Zeigen Sie Umsicht. Respektieren Sie die Arbeiten für die Wälder, nehmen Sie Ihren Müll mit und nehmen Sie Rücksicht auf andere.“ Gleichzeitig freute er sich über die höhere Wertschätzung, die der Wald jetzt in den Zeiten der Corona-Pandemie erfährt. Vielleicht schaffe dies auch mehr Verständnis für den Wald, in den noch mehr investiert werden müsse. Da sei auch die Politik gefordert, so Schölmerich. el


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