12.01.2022

Die Tiere des Jahres

Foto: pixabay

Nachdem letzte Woche die Pflanzen des Jahres vorgestellt wurden, sind nun die Tiere an der Reihe. Hier einige Arten, die 2022 im Fokus stehen.

Vogel: Wiedehopf

In einer vom NABU organisierten, öffentlichen Wahl wurde der Wiedehopf zum Vogel des Jahres 2022 gekürt. Er ist mit seinem orangeroten Gefieder und seiner markanten Federhaube einer der auffälligsten heimischen Vögel und wurde auch wegen seiner spektakulären Erscheinung gewählt. Upupa epops benötigt halboffene bis offene insektenreiche Landschaften, da er sich von größeren Insekten und ihren Larven ernährt. Der Wiedehopf kommt nur in einigen Regionen Deutschlands vor, wie zum Beispiel dem Kaiserstuhl in Baden-Württemberg, in Rheinhessen oder den Bergbaufolgelandschaften der Lausitz in Brandenburg und Sachsen. Dort ist das Klima für den wärmeliebenden Vogel geeignet. Als Zugvogel verbringt er den Winter in Afrika. Die Population des Wiedehopfes gilt in Deutschland als gefährdet, da es aufgrund fehlender Lebensräume wenige Brutpaare gibt – zurzeit sind es 800 bis 950. Mancher kennt vielleicht auch die Redewendung „Du stinkst wie ein Wiedehopf“. Sie kommt daher, weil Weibchen und Jungvögel mit einem stark riechenden Sekret Feinde vom Nest vertreiben.

Schmetterling: Kaisermantel

Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. haben den Kaisermantel zum Schmetterling des Jahres 2022 gekürt. Der größte mitteleuropäische Perlmuttfalter ist zwar noch ungefährdet, doch seine Lebensräume werden immer kleiner. Für den auffälligen Falter ist naturnaher lichter Mischwald der ideale Lebensraum. Vielerorts wird jedoch ein Rückgang der Falterpopulationen beobachtet. Triste Fichtenmonokulturen sind ungeeignete Lebensräume für Argynnis paphia. Im Sommer bewohnt der Kaisermantel Waldränder und Lichtungen, wo er häufig an Disteln, Flockenblumen oder Skabiosen saugt. Anders als die etwas blasser gefärbten Weibchen haben die satt orangefarbenen Männchen breite Striche auf den Vorderflügeln, die Duftschuppen. Damit locken sie die Weibchen an. Diese legen nach der Paarung ihre Eier in geringer Höhe an Baumrinden ab, aber nur an Bäumen, die in der Nähe von Veilchen wachsen.

Wildtier: Schweinswal

Der Schweinswal wurde von der Deutschen Wildtier Stiftung zum Wildtier des Jahres ernannt, um auf die Probleme des heimischen Meeressäugers aufmerksam zu machen. Er lebt überwiegend in flachen, küstennahen Meeren und Flussmündungen und ist als einzige Walart ganzjährig in Nord- und Ostsee zu finden. Schweinswale werden 45 bis 75 kg schwer und bis zu 2 m lang. Phocoena phocoena ist der nächste Verwandte der Delfine. Auf Deutschlands roter Liste wird der auch Kleiner Tümmler genannte Wal als „stark gefährdet“ geführt. In der zen-tralen Ostsee leben nur noch weniger als 500 Exemplare. Immer wieder verenden Tiere als Beifang in den engmaschigen Stellnetzen der Fischer. Davor rettet sie auch leider nicht ihr siebter Sinn. Wie alle Zahnwale nutzen sie ein spezielles Biosonar, um sich ein akustisches Bild von ihrer Umgebung zu machen.

Insekt: Schwarzhalsige Kamelhalsfliege

Die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz das Insekt des Jahres 2022. Das Kuratorium Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg wählte Venustoraphidia nigricollis aus einer Reihe von Vorschlägen. Kamelhalsfliegen gelten heute als die artenärmste Ordnung von Insekten mit vollständiger Verwandlung – also mit einem Puppenstadium. Weltweit sind nur etwa 250 Kamelhalsfliegen-Arten bekannt. Aus vielen fossilen Funden lässt sich aber ableiten, dass die Insekten zu Lebzeiten der Dinosaurier in viel größerer Vielfalt auf der Erde vertreten waren. Ein auffallend langer Hals, glasklare Flügel und eine Größe von 6 bis 15 mm kennzeichnen alle Kamelhalsfliegen. Die geschlechtsreifen Insekten sind tagaktiv und ernähren sich häufig von Blatt- und Schildläusen. Bei einer ausreichenden Populationsdichte können rindenlebende Kamelhalsfliegen-Larven als Gegenspieler von Schadinsekten, wie beispielsweise den Borkenkäfern, nützlich sein. Trotz ihrer gut entwickelten Flügel sind die Tiere keine guten Flieger.

Lurch: Wechselkröte

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT e.V.) hat die Wechselkröte zum Lurch des Jahres ernannt. Aufgrund von Lebensraumverlusten sind die Bestände drastisch zurückgegangen, daher gehört Bufotes viridis zu den am stärksten bedrohten Amphibienarten Deutschlands. Die 6 bis 8 cm lange Kröte ist an ihrem beige-grün gefleckten Tarnmuster mit rötlichen Knubbeln und grünlichen Augen zu erkennen. Ihr Name rührt vermutlich von der wechselhaften Fleckung oder der Fähigkeit her, die Grundfärbung je nach Untergrund abzudunkeln oder aufzuhellen. Vielleicht hat er aber auch mit dem wechselhaften Lebensraum der wärmeliebenden Art in Kiesgruben, Tagebauen und Steinbrüchen zu tun.

Gefährdete Nutztierrasse: Walachenschaf

Das vom Aussterben bedrohte Walachenschaf wurde von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2022 ernannt. Die genügsamen Walachenschafe stammen aus dem Karpatenbogen, wo sie noch im vergangenen Jahrhundert von den walachischen Hirten als Dreinutzungsschaf gehalten wurden. Durch Einkreuzungen leistungsfähigerer Rassen fand eine Umzüchtung zum modernen Walachenschaf (Valaska) statt und der ursprüngliche Typ wurde fast vollständig verdrängt. Gemeinsam haben tschechische Züchter, die GEH und die schweizerische Stiftung Pro Specie Rara eine Restpopulation erhalten, die den Grundstock des heutigen Bestandes bildet. Optisch bestechen Walachenschafe durch unterschiedliche Erscheinungsbilder, die mächtigen Hörner der Böcke und auch durch die lang abwachsende Wolle, die zumeist weiß ist, seltener kommen schwarze Schafe vor. Bundesweit ist die GEH mit rund 30 Züchtern vernetzt, die insgesamt etwa 500 Walachenschafe halten, gut die Hälfte der Tiere wird im Herdbuch gezüchtet. Die seltene Schafsrasse wird vor allem in der Landschaftspflege eingesetzt. Trotz ihres eher scheuen Wesens und der Hörner kommen die charakterstarken Walachenschafe auch in der tiergestützten Intervention zum Einsatz.

Haustier: Esel

Der Esel wurde von der Stiftung Bündnis Mensch & Tier zum Haustier des Jahres gewählt. Früher wurden Equus asinus asinus häufig als Reit- und Lasttiere genutzt. Heute kommen Esel als Begleittier auf Almen, bei Eselwanderungen, in der tiergestützten Arbeit und in der Landschaftspflege zum Einsatz. Wegen ihres Abwehrverhaltens werden Esel auch von Schäfern zum Schutz ihrer Herden eingesetzt. Anders als beim Hauspferd sind die Hufe des Esels einem trockenen Untergrund angepasst und widerstandsfähiger gegen Abrieb.

kj