04.11.2020

Ganz schnell auflösen

Wenn es um die Schweinehaltung geht, dann hört oder liest man derzeit immer ein Wort – Schweinestau. Vermarktungsbeschränkungen und volle Ställe machen den Schweinehaltern schwer zu schaffen. Der Stau muss möglichst schnell ein Ende haben. Hier sind viele gefordert.

Dr. Elisabeth Legge

Normale Zeiten, wer wünscht sie sich nicht zurück? Gerade jetzt in Corona-Zeiten im derzeitigen Teil-Lockdown geht es wohl jedem so. Wir wünschen uns wieder normale Zeiten ohne Abstandsregeln, ohne Maskenpflicht und ohne Einschränkungen. Und normale Zeiten, danach sehnen sich derzeit vor allem die Schweinehalter. Der Schweinestau macht Sauenhaltern und Schweinemästern schwer zu schaffen. Die Lage ist dramatisch und viele Schweinehalter haben Angst um ihre Existenz.

Die derzeitige Lage der Schweinehalter kommt nicht von ungefähr. Es sind zwei Viren, die ihnen zusetzen. Das Corona-
virus und das Virus, das die Afrikanische Schweinepest (ASP) auslöst. Dabei sah zu Beginn dieses Jahres für die Schweinemäster die Welt noch gut aus. Die Schweinepreise stimmten. Der Export nach China, wo seit vielen Jahren die ASP grassiert, lief gut. Aber Corona-Erkrankungen bei Mitarbeitern in den Schlachthöfen und der erste ASP-Fall bei einem Wildschwein in Deutschland haben alles durchei­nan­dergebracht. Die Marktlage hat sich dramatisch verschlechtert. Deutsches Schweinefleisch ist wegen ASP für mindestens zwei Jahre vom Weltmarkt gesperrt.

Kein Wunder, dass es da zum Schweinestau gekommen ist. Nach Angaben der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) belief sich der Schweinestau zuletzt auf 540 000 Tiere und er nimmt wöchentlich zwischen 50 000 und 80 000 Tieren zu. Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen nach Angaben des Düsseldorfer Landwirtschaftsministeriums derzeit 10 % der Schlachtkapazitäten.

Während die Schweinehalter – beziehungsweise die Landwirte überhaupt – zu Beginn der Corona-Krise noch als systemrelevant hingestellt wurden, wird ihnen heute vielfach vorgeworfen, angesichts voller Ställe ihre Tierzahlen nicht schon früher zurückgefahren zu haben. Ein heftiger Vorwurf gegenüber den Schweinehaltern. Dass der eine oder andere von ihnen und hier vor allen Dingen Sauenhalter überlegen, das Handtuch zu werfen und aufzugeben, ist derzeit verständlich.

Die Lage ist ernst und jetzt sind viele gefordert, alles daranzusetzen, den Schweinestau aufzulösen. Zugegeben, keine leichte Aufgabe, aber eine Aufgabe, die man angehen muss,  und zwar schnell. Die Schlachtkapazitäten in den Betrieben müssen wieder hochgefahren werden. Und dafür müssen Bürokratie und der behördliche Formalismus so weit zurückgedrängt werden, dass die Schlachter jetzt auch tatsächlich deutlich mehr Kapazitäten nutzen können – zumindest so lange, bis der Schweinestau abgebaut ist. Mit entsprechender politischer Unterstützung und speziellen Notstandsregelungen dürfte dies machbar sein.

Aber nicht nur die gesamte Branche und die Politik sind hier gefordert, auch der Verbraucher ist gefordert. Immerhin geht es um den Erhalt der heimischen Nutztierhaltung und der regionalen Produktion. Und der Verbraucher will ja angeblich regionale Produkte. Dafür muss er aber auch bereit sein, etwas zu tun und Kompromisse einzugehen. Wer das Ende der betäubungslosen Kastration oder das Ende der Kastenstandhaltung fordert, muss dafür auch bereit sein, mehr Geld für regionales Schweinefleisch zu bezahlen. Mehr Tierschutz gibt es nicht zum Nulltarif.

Apropos Tierschutz: Auch die Tierschützer können etwas tun in Sachen Abbau des Schweinestaus. Zumindest die Gruppe der Tierschützer, die vergangene Woche vor den Toren des Schlachthofes in Kellinghusen in Schleswig-Holstein protestiert hat und damit verhindert hat, dass Schlachtschweine abgeliefert werden konnten. Die ohnehin angespannte Situation der Schweinehalter haben die sogenannten Tierschützer damit noch verschärft und mit ihrer Aktion nur dafür gesorgt, dass noch mehr Tiere in den ohnehin schon vollen Ställen stehen. Die Aktivisten haben so dem Tierschutz nicht geholfen, sondern einen Bärendienst erwiesen. Normal sollte das nicht sein.

Kommen wir zurück zur Normalität: Das ist das, was die Schweinehalter jetzt brauchen. Wann dies endlich so weit ist und der Schweinestau abgebaut ist, ist schwer zu sagen. Es erfordert Durchhaltevermögen. Auch die Corona-Pandemie erfordert Durchhaltevermögen. Wenn wir uns jetzt im November verstärkt an die Regeln halten, dann sieht es im Dezember vielleicht schon wieder normaler für uns aus. Hoffentlich!


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