25.01.2023

Große Sprünge geschafft

Foto: privat

Carolyn Krellmann ist die beste Pferdewirtschaftsmeisterin ihres Jahrgangs in NRW und wurde dafür mit dem Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet.

Wenn ihr vor 15 Jahren jemand gesagt hätte, dass sie später auf internationalen Springturnieren in der höchsten Klasse antreten wird, hätte Carolyn Krellmann denjenigen für verrückt erklärt. Ihre Leidenschaft für Pferde wurde zwar schon früh geweckt, als ihre Oma sie im Alter von drei Jahren zum ersten Mal auf ein Pony gesetzt hat, aber das erste eigene Pferd gab es erst deutlich später. „Ich komme nicht aus einer Reiterfamilie, habe aber als Kind angefangen zu reiten und hatte verschiedene Reitbeteiligungen. Mein erstes eigenes Pferd habe ich mit 15 bekommen und dann auch erst angefangen, regelmäßig Turniere zu reiten“, erzählt sie.

Berufswunsch trifft auf Skepsis

Mittlerweile betreibt die erfolgreiche Springreiterin eine eigene Reitanlage in Kleve, auf der sie Pferde und Reiter ausbildet und trainiert. Die Ausbildung zur Pferdewirtin in der Fachrichtung Klassische Reitausbildung hat Carolyn Krellmann zuvor ebenfalls am Niederrhein in Goch bei Holger Hetzel absolviert. Allerdings waren ihre Eltern zunächst nicht begeistert, als ihre Tochter 2012 nach Abschluss ihres Abiturs diesen Berufswunsch hatte. „Sie waren dann unter der Bedingung einverstanden, dass ich im Anschluss noch studiere“, berichtet die 30-Jährige. Also ist sie nach der Ausbildung wieder in ihre Heimatstadt Hamm gezogen, um an der Fachhochschule in Soest Agrarwirtschaft zu studieren. Parallel zu dem dreijährigen Studium hat Carolyn Krellmann weiterhin als Bereiterin gearbeitet.

Um noch mehr Berufserfahrung zu sammeln, ist sie nach dem Bachelor-abschluss für anderthalb Jahre nach Goch auf den Betrieb ihres ehemaligen Ausbilders zurückgekehrt. „In der Zeit habe ich angefangen, halbtags selbstständig zu arbeiten, habe dann drei Monate lang in Ostdeutschland als Bereiterin gearbeitet und mich nach meiner Rückkehr komplett selbstständig gemacht“, berichtet die junge Frau. Zu Beginn ihrer Selbstständigkeit hatte sie noch keine eigene Reitanlage. „Im Herbst 2020 ist mit dem Umzug auf die eigene Anlage für mich dann schon ein Traum in Erfüllung gegangen“, gesteht Carolyn Krellmann.

Ein halbes Jahr vorher hat sie die Fortbildung zur Pferdewirtschaftsmeisterin begonnen. „Der Meister besteht aus drei Teilen, die ich auf zwei Jahre aufgeteilt habe, um besser parallel arbeiten zu können. Man kann aber auch alles in einem Jahr machen“, erläutert die Springreiterin. Im Frühjahr 2022 hat sie ihren Meister dann mit einer Durchschnitts-note von 1,7 und damit als jahrgangsbeste Pferdewirtschaftsmeisterin in NRW abgeschlossen. Dafür wurde die 30-Jährige von der Landwirtschaftskammer mit dem Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet. Zu diesem Erfolg hat ihrer Ansicht nach eine Kombination aus Engagement und ihrem Vorwissen aus dem Studium geführt: „Ich glaube, wenn man viel Einsatz zeigt und sich reinkniet, kommt man am Ende auch ans Ziel.“ Außerdem konnte Carolyn Krellmann aus ihrer Arbeit mit vielen verschiedenen erfolgreichen Trainern und Reitern einiges mitnehmen.

Das Pferd als Partner

Den Beruf macht für sie vor allem die partnerschaftliche Arbeit mit dem Pferd aus: „Es ist einfach toll, wenn man es schafft, ein Lebewesen auf seine Seite zu kriegen. Wenn die Pferde dann im Sport laufen, ist das schön zu sehen, nachdem man da so viel Arbeit und Herzblut reingesteckt hat.“ Außerdem schätzt die Pferdewirtschaftsmeisterin die Abwechslung an ihrem Beruf. Neben dem Trainieren von Pferden und Reitern sowie den Starts auf Turnieren gehört dazu auch die weniger beliebte Büroarbeit. Ihr Rat an Berufseinsteiger lautet, dass man sich allerdings auch darüber im Klaren sein sollte, dass es etwas anderes ist, beruflich statt hobbymäßig zu reiten. „Es ist schon ein harter Job, aber wenn man Einsatz zeigt, schafft man das“, meint Carolyn Krellmann.

Auch wenn sie schon viel erreicht hat, möchte die Springreiterin in Zukunft nicht auf der Stelle stehen bleiben und sich reiterlich immer noch weiter verbessern. „Dieses Jahr möchte ich mehr internationale Turniere reiten und meine jungen Pferde weiter ausbilden bis zur schweren Klasse“, plant sie. Seit September vergangenen Jahres betreut die Pferdewirtschaftsmeisterin einen Auszubildenden auf ihrer Reitanlage und will auch in Zukunft ausbilden. „Mir macht es Spaß, die jungen Leute zu fördern, wenn sie engagiert sind und Einsatz zeigen“, führt sie aus.

kj

Pferdewirtschaftsmeisterin

Auch die Meisterprüfung für Pferdewirtinnen und Pferdewirte ist in die fünf Fachrichtungen Klassische Reitausbildung, Pferdehaltung und Service, Pferdezucht, Pferderennen sowie Spezialreitweisen unterteilt. Die geforderten Prüfungsleistungen werden in drei Teile unterteilt. Der Titel des Ersten lautet: „Pferdehaltung, Pferdeeinsatz, Pferdezucht und Dienstleistungen“ und setzt sich aus einem einjährigen Arbeitsprojekt und einer schriftlichen Prüfung zusammen. Der zweite Prüfungsteil „Betriebs- und Unternehmensführung“ besteht aus einem sechsmonatigen Arbeitsprojekt und einer schriftlichen Prüfung. Der dritte Prüfungsteil „Berufsausbildung und Mitarbeiterführung“ gliedert sich in die Abschnitte Berufsaus­bildung und Mitarbeiterführung. Weitere Informationen ­finden Sie unter www.landwirtschaftskammer.de in der Rubrik Berufsbildung.