31.03.2021

Hasenmama auf Zeit

Foto: Silke Bromm-Krieger

Birte Heckel-Neubert kümmert sich für ein Wildtierheim ehrenamtlich um die Aufzucht von Feldhasen und Wildkaninchen. Aktuell versorgt sie sieben Feldhasen und drei Wildkaninchen. Wir haben die Hasenmama und ihre wilden Flaschenkinder besucht.

Birte Heckel-Neubert steht in der Küche und bereitet konzentriert ein Fläschchen zu. Dafür vermischt sie warmen Fenchel-Anis-Kümmeltee mit laktosearmem Milchpulver, heilenden Zusätzen und Schmerztropfen. Ihr kleiner Patient sitzt derweil warm und trocken in seinem Käfig. Vorsichtig nimmt sie den Hasen nun heraus und schon wenig später saugt er gierig die Flüssigkeit ins Mäulchen. Währenddessen massiert die 57-Jährige für eine bessere Verdauung seinen Bauch. „Dieser Notfallhase wurde im Alter von vier Wochen mit einem gebrochenen Hinterlauf aufgefunden. Er kam zunächst in eine Kleintierklinik, wo sein Bruch genagelt wurde. Von einem Tierarzt erhielt ich vor sechs Tagen einen Anruf mit der Bitte, mich weiter um ihn zu kümmern“, erzählt Birte Heckel-Neubert und setzt den Kleinen nach der Fütterung wieder behutsam zurück. „Seine Genesung macht Fortschritte. Das sehe ich daran, dass er sich putzt, gut trinkt und keinen Durchfall hat“, freut sich die gelernte medizinisch-technische Assistentin.

Tierliebe Landwirtstochter

Als Landwirtstochter kam Birte Heckel-Neubert schon früh mit Haus- und Wildtieren in Kontakt, zog selbst unzählige Flaschenlämmer groß. Ihre Eltern bewirtschafteten einen Milchvieh- und Ackerbaubetrieb mit Schafhaltung, ihr Vater war Jäger. Seit zwölf Jahren hat sich die dreifache Mutter und vierfache Großmutter der Handaufzucht von Feldhasen und Wildkaninchen verschrieben. Alles begann im Sommer 2009. „Da rief mein Bruder an und meinte, dass seine Katze zwei kleine Feldhasen angeschleppt hätte. Er fragte, ob ich sie aufziehen möchte“, blickt sie zurück. Mit Elan machte sie sich ans Werk und recherchierte im Internet nach Pflegeanleitungen. „Leider überlebte einer der Hasen nicht. Seine Bissverletzung war zu groß. Deshalb setzte ich meine ganze Fürsorge in den anderen. Glücklicherweise kam er durch, und ich konnte ihn zurück in die Natur bringen“, erzählt sie. Da ihr die Aufzucht viel Spaß bereitet hatte, wollte sie nun jedes Jahr junge Feldhasen und Wildkaninchen aufpäppeln. Den Winter über erweiterte sie kontinuierlich ihr Fachwissen und tauschte sich mit verschiedenen Aufzuchtstationen aus. Im darauffolgenden Frühjahr bot sie bei einem Wildtierheim in der Nähe ihre Unterstützung an. Hier erhalten verletzte, verwaiste und entkräftete Wildtiere und ihre Finder bei einem ehrenamtlichen Team schnelle Hilfe.

Mehr in LZ 13-2021 ab S. 58


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