10.03.2021

Jeder hat seine Rollen

Foto: Elena Peters

Nun stand folgendes Thema für meine Bachelorarbeit: „Rollenkonflikte im Genera­tions­wechsel bei Familienunternehmen – Chancen und ­Risiken“. Dass sich in einem Familien­unternehmen die unterschiedlichen Bereiche Familie und Unternehmen zwangsläufig überschneiden und damit Vor- und Nachteile zugleich einhergehen, habe ich schon in der letzten Kolumne angedeutet. Probleme liegen häufig darin begründet, dass in diesen zwei Bereichen unterschiedliche Werte von Bedeutung sind. So sind etwa in der Familie die Beziehungen lebenslänglich, die unternehmerische Beziehung kann jedoch jederzeit aufgekündigt werden. Schließlich bleiben meine Eltern auf ewig meine Eltern, mein Chef bleibt aber nicht unbedingt lebenslang mein Chef.

Noch genauer wird der Unterschied im Folgenden deutlich: Innerhalb der Familie spielen Soft Facts wie Liebe, Zusammengehörigkeit und Fürsorge eine wichtige Rolle, im Unternehmen eher Hard Facts wie Gewinne, Umsatzzahlen und Kosten. Und so können Sie, liebe Leserinnen und Leser, es sich sicherlich vorstellen oder haben es eventuell sogar schon selbst erlebt: Die Werte beider Bereiche im gleichen Maße zu erfüllen, erscheint fast unmöglich.

Besonders haarig wird es dann, wenn zu den oben beschriebenen Problematiken der sogenannte Inter-Rollenkonflikt hinzukommt. Dabei entsteht ein Konflikt, indem ich als Tochter und Juniorunternehmerin zwei unterschiedliche Nachrichten empfange. In der Rolle der Eltern senden diese folgende Nachricht: „Mach das, was dir Freude bereitet und dich glücklich macht.“ In der Rolle der Unternehmer wird jedoch Folgendes übermittelt: „Du bist die am besten Ausgebildete und damit prädestiniert, unseren größten Wunsch zu erfüllen und den Hof in die nächste Generation zu führen.“ Somit bin ich als Person zwei unterschiedlichen Meinungen ausgesetzt und bin – natürlich – überfordert, welche die wichtigere ist und zuerst erfüllt werden sollte. Sofern dies überhaupt möglich ist.

Wichtig ist mir an dieser Stelle aber, Folgendes anzufügen: Ich war als Tochter und Nachfolgerin dem Rollenkonflikt in dieser Art nicht ausgesetzt. Denn meine Eltern haben mir nie das Gefühl gegeben, unseren Betrieb in die nächste Generation führen zu müssen. Ganz im Gegenteil: Sie haben mich meinen Weg so gehen lassen, wie ich es für richtig hielt. So habe ich vielmehr die Erfahrung des Rollenkonfliktes in Situationen gemacht, in welchen ich mit meiner Mutter und gleichzeitig Chefin zusammengearbeitet habe. Dabei kommt das gleiche Phänomen zum Tragen, das ich nicht einschätzen konnte, aus welcher Rolle sie gerade agiert. Als Chefin und ich muss als Angestellte reagieren oder als Mutter und ich darf als Tochter antworten. Sie sehen – eine sehr undurchschaubare und fast unumgängliche Situation.

Christina Ingenrieth


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