25.01.2023

„Lebenssaft“ fürs neue Erntejahr

Foto: Petra Jacob

Im Januar gibt es im südwestenglischen Somerset die Tradition, die Apfelbäume für das neue Jahr „aufzuwecken“. In der Region Somerset sind das vor allem Äpfel für die Produktion von Cider – ein Getränk, dem Apfelwein ähnlich, das die Briten mehr trinken als jedes andere Volk auf der Welt. Das „Wassailing“ wird seit dem 17. Jahrhundert praktiziert: Bauern und Bürger kommen zusammen, begießen die Baumwurzeln mit Cider – damit der „Lebenssaft“ von Jahr zu Jahr weitergegeben wird – und machen viel Lärm und Krach, um böse Geister zu vertreiben. Sie trinken – natürlich mit Cider – auf das Wohl des Baums und ein neues gutes Apfelanbaujahr.

Noch bis weit in den Dezember wurden die Äpfel eingebracht. Das geschieht maschinell mit einem speziellen Gerät, das von einem Traktor durch die Apfelplantagen gezogen wird und die Äpfel, die so spät im Jahr natürlich inzwischen am Boden liegen, aufsammelt. Cider-Äpfel unterscheiden sich nicht nur rein geschmacklich von Tafeläpfeln: Ihr Fruchtfleisch besitzt eine faserige, holzige Struktur, was die Saftpressung erleichtert. Zudem haben sie meist einen hohen Gehalt an Tannin, das verleiht dem Cider seine typisch goldene Farbe und einen etwas bitteren Geschmack. Im Vergleich schmeckt deutscher Most oder Apfelwein meist sehr viel saurer, da britische Cider-Äpfel einen geringeren Säureanteil haben.

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