13.04.2022

Masterclass

Foto: Elena Peters

Wie in meiner letzten Kolumne angedeutet, möchte ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in dieser Woche gerne mehr von meiner Masterclass-Teilnahme der CoWorkLand-Genossenschaft zum Thema „Hoftransformation“ berichten. Vorab aber zu den Fragezeichen, die ich gerade schon bildlich in Ihren Gesichtern sehe: „Was ist denn diese ominöse Masterclass?“ Diese Fragezeichen hatten nämlich auch meine Eltern Anfang 2021 in ihren Gesichtern, als ich erneut am Frühstückstisch eher beiläufig erzählte, dass ich in ein paar Wochen an so etwas teilnehmen und daher einige Abende vor dem Laptop verbringen würde. Der Begriff der „Masterclass“ kommt aus der Kunst, genauer gesagt der Musik, und beschreibt einen Kurs, in dem jemand, der „Meister“, mit einem bestimmten Instrument, einer Gruppe von disziplinierten Schülern Nachhilfe oder Ratschläge gibt (https://neo-seo.de/masterclass/).

 

Die CoWorkLand-Genossenschaft nutzte also dieses Konzept, um sich folgenden Fragen zu widmen: „Was können wir alles mit alten Höfen auf dem Land tun? Welche Geschäftsmodelle gibt es und wie passt Co-Working da hi­nein?“ Gemeinsam mit fünf anderen innovativ denkenden Menschen aus ganz Deutschland näherten wir uns diesen Fragen. Da gab es beispielsweise Julia, beheimatet im Münsterland, mit einem Hof in der Familie, auf dem noch ihre Mutter lebte, mehr Aktivitäten aber nicht mehr stattfanden, schon gar keine landwirtschaftlichen. Mit der Masterclass-Teilnahme erhoffte sie sich Klarheit darüber, was mit dem Hof überhaupt möglich ist und ob sie diejenige der vier Geschwister sein wollte, die den Hof in die nächste Generation bringt. Neben Julia gab es aber auch Lars, der gemeinsam mit einigen anderen Bekannten einen Hof kaufen konnte und darauf ein Mehrgenerationenhaus und einen Makers-Space errichten wollte. In Gänze verband uns alle, dass jeder mit dem Gedanken spielte, auf dem jeweiligen (zukünftigen) Hof einen Co-Working-Space zu etablieren.

 

Ich nutzte die Masterclass dazu, mich noch einmal genau mit dem Gedanken der Vision von GeHo 2.0 zu beschäftigen: „Wo will ich hin? Was kann ich mir persönlich vorstellen? Was macht auch in der Umgebung hier Sinn? Rentiert sich die Erweiterung des Betriebs um den Bereich des Co-Workings oder ist es reine Mehrarbeit?“ Neben Fachvorträgen über Themen wie Förderungen und Bauen im Außenbereich stand während der sechs Monate der kollegiale Austausch untereinander im Fokus. Denn auch wenn wir uns vorher nicht kannten, entstand über diesen Zeitraum ein tolles Netzwerk, aus dem ich noch heute einen Nutzen ziehe. Sei es nur, indem ich mit großem Re-spekt ins Münsterland schaue, wo Julia den elterlichen Hof (der liebevolle „Hof Frida“) nun übernommen hat und darauf Glamping – eine Mischung aus Glamour und Camping – anbietet.              Ihre Christina Ingenrieth