20.01.2022

Matthias Woltering: Traumjob geangelt

Foto: Katrin John

Eine Doku auf Youtube hat den 34-Jährigen auf die Idee gebracht, dass Fischwirt der richtige Beruf für ihn sein könnte. Mittlerweile hat Matthias Woltering aus Overath die Ausbildung zum Fischwirt in Fachrichtung Aquakultur und Binnenfischerei erfolgreich abgeschlossen. Die dauert in der Regel drei Jahre, aufgrund seines Abiturs konnte er die Ausbildung allerdings auf zwei Jahre verkürzen. Vorher hat der junge Mann Sozialpädagogik studiert und im sozialen Bereich gearbeitet. Doch er wollte sich beruflich neu orientieren. Früher hat Matthias Woltering gelegentlich zusammen mit seinem Opa geangelt. Durch die Doku wurde er auf den Beruf des Fischwirts aufmerksam und sein Interesse war geweckt. „Ich hab dann mal gegoogelt, wo man die Ausbildung machen kann, und gesehen, dass es ganz in der Nähe einen Ausbildungsbetrieb gibt“, sagt der Overather. Kurz darauf hat er im Sommer 2019 seine Ausbildung in Lohmar bei der Fischzucht Pilgram begonnen.

Dienstleistungen und Fischzucht

„Unser Betrieb ist ein bisschen besonders, weil mein Chef Gutachter für fischereiliche Fragen ist und wir daher viel im Dienstleistungsbereich tätig sind“, erklärt der Fischwirt. Beispielsweise waren sie während des Hochwassers im Juli an der Steinbachtalsperre in Euskirchen im Einsatz. Weil dort der Damm zu brechen drohte, musste das Wasser schnell abgelassen werden. „Wir haben dann die Fische aus der Talsperre gerettet“, berichtet der 34-Jährige. Die Zucht von Forellen und Karpfen gehört ebenfalls zu seinem Beruf. „Pro Jahr vermarkten wir etwa 30 t Forellen und ungefähr 6 t Karpfen“, sagt er. Im Herbst ist Hochsaison, weil dann die Teiche abgefischt werden. „Die ganzen Angelvereine wollen im Herbst Besatzfische für ihre Teiche haben, weil die Temperaturen für den Transport der Fische dann optimal sind“, erklärt er. Außerdem werden vor Weihnachten viele Fische im eigenen Hofladen der Pilgrams verkauft.

Zu den täglichen Aufgaben von Matthias Woltering gehört das Füttern der Fische. Außerdem werden die Fische regelmäßig sortiert und entsprechend ihrer Größe in unterschiedliche Teiche gesetzt. „Die Karpfenteiche sind im 14. Jahrhundert angelegt worden, daher stehen dort immer wieder Reparaturmaßnahmen an“, berichtet er. Freitags und samstags hat der Hofladen geöffnet. Die Fische werden dann geschlachtet und frisch verkauft. Auch das gehört zu den Aufgaben des Fischwirts genauso wie das Räuchern der Fische. Die Vermarktung und Schlachtung ist ein wichtiger Teil der Ausbildung und der Abschlussprüfung. Wasserchemie, Veredlungsmethoden und Fischtransport sind ebenfalls Bestandteile der Ausbildung zum Fischwirt.

Der schulische Teil der Ausbildung findet an der Justus-von-Liebig-Schule in Hannover statt. „Wir hatten immer ein oder zwei Wochen Blockunterricht. Das waren etwa zehn Wochen pro Jahr“, sagt Matthias Woltering. Außerdem findet insgesamt viermal eine überbetriebliche Ausbildung beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen in Kirchhundem-Albaum statt.

Pläne für die Zukunft

Für den erfolgreichen Abschluss seiner Ausbildung hat der Fischwirt eine einfache Erklärung: „Wenn man Spaß an seinem Beruf hat, ist man auch gut da­rin.“ Nach der Ausbildung ist er von ­seinem Chef übernommen worden und hat auch bereits Pläne für die Zukunft. Der 34-Jährige möchte sich zum Fischwirtschaftsmeister weiterbilden. Dafür muss er allerdings noch zwei Jahre Berufserfahrung sammeln und dann eine weite Anfahrt auf sich nehmen, denn die einzige Meisterschule ist im bayerischen Starnberg. „Mittel- bis langfristig ist geplant, dass ich den Betrieb von meinem Chef übernehme“, berichtet der Fischwirt von seinen weiteren Zukunftsplänen. Was schätzt Matthias Woltering an seinem Beruf? „Das selbstständige Arbeiten an der frischen Luft und die sehr abwechslungsreichen Aufgaben“, antwortet er.

kj

 

Fischwirt

Fische, aber auch Krebstiere und Muscheln – das sind die Nutztiere, mit denen Fischwirtinnen und Fischwirte zu tun haben. Sie lernen die Ökologie der Lebensräume kennen und wissen, welche Ansprüche Fische an ihre Nahrung stellen. Für den Fischfang müssen Fischwirte einiges über Fangmethoden und Fangplätze wissen, aber auch, welche Fanggeräte es gibt, wie man sie herstellt und anwendet. Tierschutz und Tiergesundheit haben in diesem Beruf einen hohen Stellenwert. Auch Verarbeitung, Veredlung und Vermarktung von Fischen sind Teil der Ausbildung. Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen können Auszubildende zwischen zwei Fachrichtungen wählen: Aquakultur und Binnenfischerei sowie die Fachrichtung Küstenfischerei und Kleine Hochseefischerei. Weitere Infos unter www.landwirtschaftskammer.de in der Rubrik Berufsbildung.