18.11.2020

Mitarbeiter!

Foto: Elena Peters

Nachdem wir nun als Familie zusammengesessen hatten und die Antworten des jeweilig anderen kennen- und verstehen lernen konnten, ging es nun da­ran, das Ganze in die Praxis umzusetzen. Gleichzeitig musste ich mir aber auch Gedanken über die besondere Rolle machen, die ich während meines Traineeships gegenüber den Mitarbeitern meiner Eltern beziehungsweise meiner Kollegen einnehmen wollte. Denn mit dem stolzen Betriebsalter von 20 Jahren geht eben auch einher, dass viele von ihnen mich haben aufwachsen sehen und an verschiedensten Lebensphasen teilgenommen haben. So waren sie stets dabei, wenn ich Klausuren erfolgreich (oder auch weniger erfolgreich) bewältigt habe oder meinen ersten Liebeskummer durchleben musste. Wie sollten diese sich nun mir gegenüber verhalten, ohne mir sofort das Gefühl des Nachfolgers zu geben? Denn das wollte ich auf keinen Fall! Und die viel wichtigere Frage: Wie sollte und durfte ICH ihnen gegenüber reagieren?

Die Antwort lautete für mich erst mal: Nicht anders als sonst auch. Erschien es mir nämlich auch nicht allzu einfach, einer Gruppe von Mitarbeitern zu erläutern, dass ich „nur“ ein halbes Jahr bei meinen Eltern arbeitete, einfach um einmal „auszuprobieren, ob das Ganze etwas für mich ist“. Und ich damit keineswegs eine Übergabe einläuten oder gar den vorzeitigen Abbruch meines Studiums verkünden wollte. Es ging mir im weitesten Sinne darum, die wichtigste Zeit auf unserem Betrieb einmal noch näher als ohnehin schon mitzuerleben. Sollte es eine Zukunft mit dem Genholter Hof und mir geben, setzt dies schließlich Spargel und Erdbeeren und damit auch eine enge Zusammenarbeit mit vielen dieser Kollegen voraus, oder? Ich wollte also meine Fragezeichen im Kopf ausschalten – auch wenn dafür vielleicht bei den Mitarbeitern welche angegangen sind.

Tatsächlich entschloss ich mich dazu, unsere Mitarbeiter erst NACH der gemeinsam erfolgreich bewältigten Spargelsaison darüber aufzuklären, dass dieses Traineeship ein Baustein auf meinem Weg zur Entscheidungsfindung war. Ich berichtete ihnen von meinem bisherigen Weg – Studium – Seminar – Vision – bääääääm. Sie waren völlig begeistert davon und stellten viele Fragen, ganz ohne mir das Gefühl zu geben, ich MÜSSTE sofort eine Entscheidung treffen. Besonders überrascht war ich davon, wie viel Respekt sie mir gegenüber aussprachen, dass ich diesen Weg mit einer solchen Zielstrebigkeit gegangen bin und erst einmal für mich persönlich abklären wollte, wie sich eine Vollzeitmitarbeit anfühlt. Denn letztlich wollte und möchte ich meinen Eltern immer noch eine fundierte Antwort auf die Nachfolgefrage geben können, die im besten Fall natürlich auch unseren Mitarbeitern zugutekommt.

Christina Ingenrieth


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