20.05.2020

Nicht in einen Topf werfen

Dr. Elisabeth Legge

Händeringend warten die Sonderkulturbetriebe auf weitere ausländische Erntehelfer. Aber das ist nur ein Problem, mit dem diese Betriebe zurzeit zu kämpfen haben. Schwer macht ihnen auch die Hexenjagd in den Medien zu schaffen. Immer wieder wird über angebliche Missstände bei der Unterbringung der Erntehelfer und der Einhaltung der Corona-Auflagen berichtet.

Kommt die Verlängerung der Einreiseregelung für Saisonarbeitskräfte oder kommt sie nicht? Stehen den Betrieben im Juni genügend Erntehelfer zur Verfügung? Diese Fragen brennen derzeit den Obst- und Gemüsebauern unter den Nägeln. Jedenfalls fordern die Berufsverbände massiv eine Einreiseregelung für Juni. Konkret steht dazu noch nichts fest, obwohl die Zeit drängt. Aber es gibt erste Signale vonseiten der Politik. Bundesinnenminister Horst Seehofer hat durchblicken lassen, dass er einer Nachfolgeregelung positiv gegenübersteht.

Und an dieser Verlängerung der Einreiseregelung geht kein Weg vorbei. Die heimischen Obst- und Gemüsebauern sind nun einmal auf die ausländischen Erntehelfer angewiesen. Das Bundesinnenministerium und das Bundeslandwirtschaftsministerium hatten sich bekanntlich Anfang April auf ein Konzept für die Einreise von jeweils 40 000 Erntehelfern in den Monaten April und Mai verständigt. Im Vordergrund standen dabei strenge Hygiene- und Infektionsmaßnahmen als Voraussetzung dafür, dass ausländische Saisonarbeitskräfte auch in der Pandemie hier arbeiten dürfen. Dieses Konzept hat zumindest nach der Einschätzung der beiden Bundesressorts funktioniert. Fakt ist aber auch, dass wesentlich weniger Erntehelfer gekommen sind, als tatsächlich geplant. Viele Erntehelfer blieben einfach aus Angst vor den Konsequenzen der Corona-Pandemie in ihren Heimatländern.

Viele Obst- und Gemüsebetriebe stehen nach wie vor mit dem Rücken an der Wand. In Spargelbetrieben beispielsweise wird wegen fehlender Erntehelfer und auch wegen des lange Zeit weggefallenen Absatzes an die Gastronomie häufig kein Spargel mehr geerntet – ob nun geplant oder nicht. Das ist die eine Seite der Medaille, die den Betrieben zu schaffen macht. Und dazu kommt noch eine andere Seite, die die Betriebe ebenfalls belastet. Sie sind mit einer regelrechten Hexenjagd in den Medien konfrontiert. Immer wieder wird von schlechter Unterbringung der ausländischen Erntehelfer und von Nichteinhaltung der Corona-Hygieneauflagen berichtet. Klar, schwarze Schafe gibt es in jeder Branche, aber an den meisten Vorwürfen ist nichts dran.

Im Gegenteil: Insbesondere die Darstellung über das angebliche Corona-Infektionsgeschehen in den Betrieben ist maßlos übertrieben. Nach Aussagen des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauer ist es jedenfalls in unserer Region bislang nicht zu einer Corona-Erkrankung bei Saisonarbeitskräften gekommen. Ob es so bleibt, ist fraglich. Denn viele Kreise planen bereits flächendeckend Corona-Tests in Saisonarbeitsbetrieben. Es laufen Kontrollen der Ämter für Arbeitsschutz und teilweise auch der Ordnungsämter. Dass bei solchen flächendeckenden Corona-Tests Infizierte gefunden werden, die bis jetzt keine Symptome der Krankheit Corona gezeigt haben, ist mehr als sicher. Dies hat sich auch bei den flächendeckenden Tests in anderen Bereichen gezeigt.

Von Corona-Hotspots wie in der Fleischbranche kann jedenfalls bei den Sonderkulturbetrieben keine Rede sein. Sie darf man in diesem Zusammenhang nicht in einen Topf werfen mit der Fleischbranche. Die Verhältnisse sind nicht vergleichbar. In der Fleischbranche sind es nicht die Unternehmen selber, sondern Subunternehmen, bei denen die zahlreichen osteuropäischen Beschäftigten angestellt sind. Und sie sind es auch, die für die Unterbringung verantwortlich sind. Hier legt Corona offen, was schon lange ein Missstand ist. Wenn jetzt reagiert wird, dann ist es richtig. Allerdings jetzt landwirtschaftliche Betriebe zunehmend in Misskredit zu bringen, ist nicht angebracht. Hier sind die Landwirte und ihre Familien direkt verantwortlich für die Saisonarbeitskräfte und auch für ihre Unterbringung. Und die Einstellung der Familienbetriebe dürfte sicherlich verantwortungsbewusster sein als von Subunternehmen. Auch NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser zeigte sich überzeugt, dass die Mehrzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Nordrhein-Westfalen sehr sauber arbeitet und alles dafür tut, die Verbreitung des Coronavirus mit geeigneten Maßnahmen zu verhindern. Der Schutz der Gesundheit der Erntehelfer wie auch des Betriebsinhabers und seiner ganzen Familie hat oberste Priorität. Auch weiterhin sollten die Betriebe alles daransetzen, dass sie die Corona-Auflagen einhalten. Eine wichtige Voraussetzung für die Einreise weiterer Erntehelfer wäre damit jedenfalls erfüllt. 


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