16.09.2021

Schlagabtausch über Klöckners Waldstrategie

Foto: BMEL

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ihre „Waldstrategie 2050“ vorgelegt, die sie zuvor nicht mit anderen Fachressorts im Bundeskabinett abgestimmt hat. Bei der Vorstellung der Strategie am Dienstag vergangener Woche in der Bundespressekonferenz konterte Klöckner Vorwürfe von Umwelt- und Klimaschützern, ihre nationale Waldstrategie sei zu stark an kurzfristigen Interessen der heimischen Forstwirtschaft orientiert. „Das, was wir in dieser Legislaturperiode mit dem ökologischen Waldumbauprogramm auf den Weg gebracht haben, wollen wir mit der Strategie 2050 verstetigen“, hob die Ressortchefin hervor. Wenn es um den Wald gehe, dürfe man sich nicht auf den Zeithorizont von Legislaturperioden beschränken, sondern müsse mindestens in Jahrzehnten denken und planen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze warf ihrer Kabinettskollegin indes vor, nicht einmal den Versuch einer Abstimmung unternommen zu haben. Der Alleingang stelle einen Verstoß gegen den Koalitionsvertrag dar, so die SPD-Politikerin. Schulze kündigte zugleich eine Änderung der Forstpolitik nach der Wahl an.

Mit Blick auf die CO2-Senkenfunktion des Waldes erinnerte Klöckner daran, bereits ein eigenes Konzept für die Ökosystemleistungen des Waldes auf den Tisch gelegt zu haben. „Wer CO2 emittiert, der muss bezahlen. Und wer eine Senkenleistung erbringt, muss dafür honoriert werden“, stellte die Ministerin klar. Für den Leiter des Instituts für Waldökosysteme am Thünen-Institut, Prof. Andreas Bolte, sind Wiederbewaldung und Waldanpassung Schlüsselaktivitäten im Kampf für einen Klimaschutz mit Wald. Entscheidend für einen erfolgreichen Waldumbau sei es, alle Akteure gleichermaßen mitzunehmen. Für Bolte zeigt die „Waldstrategie 2050“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums den Weg dahin.

Die Familienbetriebe Land und Forst begrüßten den von Klöckner geplanten Einstieg in die Honorierung von Ökosystemleistungen des Waldes. Dem Signal aus der Politik müssten nun aber „konkrete Handlungen“ folgen, erklärte der Verbandsvorsitzende Max von Elverfeldt in einer ersten Reaktion. Beifall erhielt Klöckner für die von ihr vorgelegte „Waldstrategie 2050“ auch vom Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR). Kritischer zeigte sich die „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) – Die Waldeigentümer“. Der AGDW-Präsident Hans-Georg von der Marwitz monierte, dass die rund 2 Mio. Waldeigentümer, die fast die Hälfte des Waldes bewirtschafteten und pflegten, unberücksichtigt blieben. Derweil bezeichnete der Naturschutzbund Deutschland (NABU) das Papier als „reine Forstwirtschaftsstrategie“ ohne ganzheitliche Betrachtung der Ökosystemleistungen des Waldes.

Auch der Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Josef Ziegler, warnte am Mittwoch vergangener Woche am Rande des diesjährigen Bundeskongresses für Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse vor zu hohen Hürden für die rund 1,8 Mio. Kleinwaldbesitzer in Deutschland bei der Beantragung einer Klimaprämie. „Keep it simple“, so der Appell Zieglers an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, wo derzeit an den Details eines solchen Honorierungsmodells für Klimaschutzleistungen des Waldes gefeilt wird.

AgE


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