11.11.2020

Schmaler Grat

Die schwarzen Schafe sind einfach nicht zu zähmen. Dabei wird seit Jahrzehnten gefordert, sie in den Griff zu bekommen. Obwohl unter ihrem Fehlverhalten alle ehrbaren und redlichen Landwirtinnen und Landwirte leiden, tut sich die Branche schwer damit.

LZ-Chefredakteur Detlef Steinert

Können Sie sich an Zeiten erinnern, in denen mal nicht die Forderung aufgestellt worden ist, dass sich die Landwirtschaft viel mehr um die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen kümmern muss? Schließlich seien es wenige Einzelfälle, die dafür sorgen, dass ein gesamter Berufsstand in Misskredit gebracht wird. Mit all seinen Folgen. Gesetzliche, mit denen bis ins Detail geregelt werden soll, wie Landwirtinnen und Landwirte ihre Felder zu bestellen haben. Beispiel: Düngeverordnung oder Insektenschutzpaket. Und solche, die nicht als Gesetz daherkommen, sondern als gesellschaftliche Anforderung, weil echte oder gemutmaßte Mehrheiten es angeblich so wollen. Beispiel: Nachhaltigkeitszertifikate und Tierwohllabel. Auch ganz krasse Folgen sollen hier nicht verschwiegen werden. Dabei sind Übergriffe auf Besitz und Eigentum fast noch die harmlosere Spielart. Unentschuldbar, aber leider auch Realität sind dagegen Übergriffe auf Leib und Leben von Landwirten und ihren Angehörigen. Beispiele: Mobbing in der Schule, Sabotage bei Erntearbeiten oder Tätlichkeiten im Zusammenhang mit dem Eindringen Unbefugter in Ställe, Haus und Hof.

Zurück zur Eingangsfrage. Ich kann sie nur verneinen: Nein, ich kann mich an kein Jahr erinnern, in dem nicht aus den Reihen der Landwirtschaft, von vorgeblich landwirtschaftsfreundlichen Politikern oder offen landwirtschaftskritischen Kreisen diese Aufforderung zu hören war. An Mahnungen und Appellen, zu unterlassen, was schlechte Stimmung gegen die Landwirtschaft heraufbeschwören könnte, hat es demnach seit Jahren nicht gefehlt. Trotzdem erlebt man immer wieder aufs Neue Erntemaschinen, die ohne Vorwarnung zu nachtschlafender Zeit am Rand von Wohngebieten ihre Arbeit verrichten, Traktoren, die bei Silierarbeiten Feldwege und Straßen mit dem Nürburgring verwechseln, Pflüger, die eben mal die Furche ein klein wenig in Richtung Feldweg verschieben, Güllefässer, die noch nach Beginn der Sperrzeit tierische Hinterlassenschaften auf Äckern oder Wiesen ausbringen. Solche Begebenheiten sind zwar Einzelfälle. Aber selbst bei allerbestem Wohlwollen sind sie nicht mehr als unbedachte Nachlässigkeiten einzustufen.

Zwei andere Vorkommnisse, die sich in den vergangenen Wochen in der Region zugetragen haben, sind es erst recht nicht. Fall 1: In einem Naturschutzgebiet in Friesheim nahe Erftstadt wurde eine große Menge Müll abgekippt. Dabei handelte es sich offensichtlich um gebrauchte Silofolien. Fall 2: Vor wenigen Tagen stießen Spaziergänger in der Nähe von Nettersheim im Wald auf einen Haufen mit Kuhmist und Paletten, dazwischen drei tote Kälbchen (siehe S. 12). Ich weiß nicht, wie es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dabei geht, wenn Sie von solchen Vorkommnissen erfahren. Mir stockt erst einmal der Atem, bevor ich anfange nachzudenken, was sich die Verursacher wohl gedacht haben mögen. Dabei finde ich nur eine Antwort: An ihre Berufskolleginnen und -kollegen haben sie jedenfalls nicht gedacht! Während sich die allermeisten unter ihnen ständig mühen, beanstandungslos zu wirtschaften, und viele mit großem Einsatz die Mitbevölkerung von der Redlichkeit und dem Verantwortungsbewusstsein ihres Berufsstandes überzeugen, scheren sich solche Zeitgenossen nicht das Mindeste darum, was sie so bewirken. Während sie selbst billig davonkommen, weil sie teure Entsorgungskosten sparen, kommt ihr Handeln die Kolleginnen und Kollegen teuer zu stehen. Sie zahlen mit dem guten Ruf aller.

Wie geht man nun mit solchen Zeitgenossen um? Ich gebe zu, ich habe keine abschließende Antwort. Überzeugt bin ich aber davon, dass die Leidtragenden, also Landwirtinnen und Landwirte und alle, die täglich mit ihnen zu tun haben, aktiv gegen die Verantwortungslosigkeit in den eigenen Reihen vorgehen müssen. So wie etwa ein Kölner Landwirt, der die Spur des Unrats im Friesheimer Naturschutzgebiet verfolgt hat, woraufhin der Müll wenig später wieder verschwunden war. Der Grat zwischen notwendiger Intervention und Denunziation ist oft dabei jedoch sehr schmal, und aus Mutmaßungen und Verdachtsmomenten kann schnell Rufmord werden. Andererseits bringt anhaltendes Klagen über die schwarzen Schafe auch nicht viel. Was der richtige Weg ist, darüber braucht es einen Konsens, mit dem Mutwillige in die Schranken gewiesen werden können, bevor die Gesellschaft deren Verstöße als symptomatisch für den ganzen Berufsstand brandmarken kann.         


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