13.01.2021

Schneetouris zerstören Äcker

Foto: privat

„Zum Glück sind die Schneemassen in der Eifel jetzt so hoch, dass nicht mehr alle Wege befahrbar sind“, sagt Bio-Landwirt und Limousin-Züchter Willi Gerhards aus Dreiborn. Am ersten Januarwochenende wurden die „rheinischen Schneegebiete“ Eifel und Bergisches Land von Schneetouristen überlaufen.

Am Samstag nach Neujahr ging es los. „Viele Besucher parkten auf unseren Feldern mit Winterroggen und Erbsen. Der Acker ist nur leicht abschüssig. In den Augen der Eifler wäre das niemals ein Abhang zum Rodeln, aber viele Städter sahen das anders“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Der Landwirt fotografierte die parkenden Autos. „Anstatt dass die Leute sich entschuldigten, dass sie unerlaubt dort parkten, machten sie mir Vorwürfe, dass ich keine Schilder aufstelle, dass dies ein Acker sei“, ärgert er sich. „Aber auf jedem Schlag ein Schild aufzustellen, das ist nicht machbar!“, sagt der Bewirtschafter von 150 ha landwirtschaftlicher Fläche.

Das war am Samstag. Um einen stärkeren Ansturm am Sonntag zu verhindern, stellte er auf dem bereits benutzten Feld sowie auf einem anderen Feld mit Winterrogen und Erbsen ein Hinweisschild auf und zäunte die Flächen mit Elektrozaun ein. „Aber die Leute sind einfach unter dem Zaun hindurchgeklettert“, berichtet er. „Das Problem ist, dass der Boden unter dem Schnee nicht gefroren war. Die Spuren der Autos beschädigen den Boden sehr“, hat er festgestellt. Daher ist er nun dankbar, dass so viel Schnee gefallen ist, dass nun kein Besucher mehr die nichtgeräumten Feldwege nutzen kann.

Auch auf Facebook machte er auf den Schaden seines Bio-Winterrogens und der Erbsen durch die Falschparker aufmerksam und erntete viele Reaktionen. Mehrere Hundert Menschen pflichteten ihm bei. „Mit dem Facebook-Post wollte ich die Menschen sensibilisieren, Schlimmeres am Folgetag verhindern und eine Schadensbegrenzung erreichen“, erklärt er schulterzuckend.

Die gesamte Eifel wurde als Rodelbahn genutzt. Auch auf Naturschutzflächen wurde widerrechtlich geparkt. Die Untere Naturschutzbehörde hat dies zum Anlass genommen, Anzeige gegen die Falschparker zu erstatten. „Selber hätte ich diesen Aufwand nicht betrieben, aber ich bin sehr froh, dass die Behörde dies übernommen hat. Vielleicht bekomme ich so einen Teil des Schadens erstattet“, hofft Willi Gerhards.

Auch die Flächen der Landwirtsfamilie Kirch aus Nettersheim wurden als Rodelbahn genutzt. „Zuerst war noch alles gut. Die Leute parkten am Feldrand. Doch schon einen Tag später waren es so viele, dass die Menschen auf unsere Felder ausgewichen sind“, berichtet Luzia Kirch. Manche fuhren sich fest. „Auf einem Feld wuchs Weizen. Die Schäden kann man ja erst im Frühjahr genau erkennen, aber es waren einfach zu viele Personen, die auf unseren Feldern geparkt haben. Manche Leute haben einfach hingenommen, dass das Futter für unsere Tiere kaputt gefahren wurde“, so die Bewirtschafterin des Familienbetriebs mit 120 Milchkühen und Futterbau. Sie schätzt, dass zu Stoßzeiten bis zu rund 200 Besuchern auf zwei Schlägen waren.

„Ich habe Verständnis dafür, dass die Leute sich in der tristen Corona-Zeit ablenken möchten und hier wurde auch immer schon gerodelt – nur eben nicht auf Weizenfeldern. Und geparkt schon mal gar nicht“, betont sie. Manche hätten auch freundlich gefragt, ob sie am Hof parken könnten. Das habe sie gerne erlaubt. Am Abend hätte ihr Sohn dann allerdings gesehen, dass sie über ein Futtersilo geklettert seien. „Da sind die Spätfolgen noch nicht absehbar! Ob aus Unwissenheit oder mutwillig, es ist schade, dass einige Leute keinen Respekt vor fremdem Eigentum haben“, so Luzia Kirch traurig. „Am vergangenen Sonntag wurde sogar auf einer Parzelle mit Autos gedriftet. Hierbei wurde die Grasnarbe beschädigt“, sagt sie.

Was kann ein Landwirt in so einer Situation tun? Der Rheinische Landwirtschafts-Verband empfiehlt Landwirten, rechtliche Schritte gegen die Schadensverursacher einzuleiten: In Form der Geltendmachung eines vorbeugenden Unterlassungsanspruchs. Weitere Infos gibt es dazu bei der jeweiligen Kreisbauernschaft vor Ort.

„Die Kreisbauernschaft Euskirchen hat uns gut beraten. Um ein Anrecht auf Schadensersatz zu haben, müssen wir in einem solchen Fall sofort die Polizei anrufen, damit diese dann den Schaden zuordnen kann. Aber welcher Landwirt hat Zeit, sich den ganzen Tag dahinzustellen?“, hinterfragt Luzia Kirch abschließend.            Ah


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