20.01.2022

Simon Hügens: Gefiederte Leidenschaft

Foto: privat

Mit Legehennen, Masthähnchen und Puten kennt er sich bestens aus. Denn Simon Hügens ist ausgebildeter Tierwirt in der Fachrichtung Geflügelhaltung, daher gehört die tägliche Betreuung der Tiere zu seinen Hauptaufgaben. Seine Eltern bewirtschaften einen landwirtschaftlichen Betrieb in Willich-Anrath mit 4 500 Legehennen und Masthähnchen. „Wir machen nur Direktvermarktung. Vor Weihnachten mästen und verkaufen wir dann auch Puten, Gänse und Enten“, berichtet der 19-Jährige. Die Vermarktung läuft über einen Hofladen und über mehrere Verkaufswagen. „Selber bewirtschaften wir nur 11 ha Acker und bauen Erdbeeren, Kartoffeln, Hafer und Weizen an“, sagt er. Daher wird das Futter für die Tiere größtenteils zugekauft.

Für die Ausbildung zum Tierwirt hat sich Simon Hügens entschieden, weil er gerne mit Tieren arbeitet und später den elterlichen Betrieb übernehmen möchte. Das erste Ausbildungsjahr hat er bei der Baumeister Frischei GmbH & Co. KG im nordrhein-westfälischen Breckerfeld absolviert. Auf dem Betrieb werden 120 000 Legehennen gehalten und es gibt etwa 40 000 Legehennenaufzuchtplätze. „Ich habe dort auch in der Weiterverarbeitung der Eier mitgearbeitet, da der Betrieb selber Eier sortiert, färbt, kocht und schält“, erzählt der Tierwirt.

Ab nach Bayern

Auf dem bayerischen Staatsgut in Kitzingen hat er das zweite Jahr seiner Ausbildung verbracht. „Dort gibt es die ganze Bandbreite an Geflügel. Da es ein Versuchsgut ist, haben wir dort auch selber geschlachtet und für die Auswertung der Versuche Schlachtgewichte erfasst und die Schlachtkörper beurteilt“, berichtet der junge Mann.

Der Sachkundelehrgang zur ordnungsgemäßen Schlachtung von Geflügel ist Bestandteil der überbetrieblichen Ausbildung. Ebenfalls dazu gehören die Pflichtmodule Legehennenhaltung und Haltung von Masthähnchen und Puten sowie ein Wahlmodul. „Wir konnten zwischen Brut, Produktverarbeitung und Wassergeflügel wählen. Ich habe mich für die Brut entschieden, weil wir auf dem Versuchsgut in Kitzingen in einem Brutraum auch selber Küken ausgebrütet haben und mir das gut gefallen hat“, erzählt der 19-Jährige. Den schulischen Teil seiner Ausbildung hat er in Bayern am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Ansbach-Triesdorf absolviert. Der Unterricht fand blockweise acht Wochen pro Jahr statt.

Zukunftspläne

Für das letzte Ausbildungsjahr ging es zurück nach NRW. Um genau zu sein, auf den Legehennenbetrieb von Wilhelm Püllen in Nörvenich. „Auf dem Betrieb habe ich neben der Arbeit im Stall auch im Ackerbau mitgearbeitet“, erzählt Simon Hügens. Nach dem Abschluss hat er angefangen, auf dem elterlichen Betrieb zu arbeiten, und plant nun, sich zum Tierwirtschaftsmeister in Fachrichtung Geflügelhaltung weiterzubilden, ebenfalls am Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügelhaltung in Kitzingen. „Der Meisterkurs beginnt nur jedes zweite Jahr, daher kann ich erst 2024 anfangen“, sagt er über seine Pläne für die Zukunft.

Simon Hügens‘ Vater ist Tierwirtschaftsmeister und hat daher die Eignung, Tierwirte in der Fachrichtung Geflügelhaltung auszubilden. „Allerdings ist unser Betrieb nicht als Ausbildungsbetrieb anerkannt. Außerdem wollte ich sehen, wie andere Betriebe arbeiten, da ich zu Hause die Abläufe schon kenne“, begründet Simon Hügens die Wahl seiner Ausbildungsbetriebe. Über seinen erfolgreichen Abschluss als jahrgangsbester Tierwirt in NRW sagt der 19-Jährige: „Das Ausbildungsjahr auf dem Versuchsgut hat dazu beigetragen, weil ich da viel gelernt habe.“ Außerdem habe er Spaß an seinem Beruf und wollte Wissen sammeln, um es später auf dem elterlichen Betrieb anzuwenden.

kj

 

Tierwirt

Nutztiere spielen in der Landwirtschaft eine große Rolle und an ihre Erzeugnisse werden hohe Erwartungen gestellt. Entsprechend verantwortungsvoll ist die Arbeit der Tierwirtinnen und Tierwirte, die aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen in den fünf Fachrichtungen Imkerei, Schäferei, Geflügelhaltung, Schweinehaltung und Rinderhaltung ausgebildet werden. Tierwirte in der Fachrichtung Geflügelhaltung halten, züchten und vermarkten Geflügel. Nach der Ausbildung besteht die Möglichkeit, sich zum Tierwirtschaftsmeister oder zum Staatlich geprüften ­Agrarbetriebswirt fortzubilden. Weitere Infos unter www.landwirtschaftskammer.de in der Rubrik Berufsbildung.