06.11.2019

Traditioneller Landwirteempfang auf Schloss Bedburg

Foto: Dr. Elisabeth Legge

Es funktioniert – das Miteinander zwischen der Landwirtschaft und der Kreisverwaltung im Rhein-Erft-Kreis. Dies jedenfalls wurde beim traditionellen Infogespräch des Landrats des Rhein-Erft-Kreises mit Vertreterinnen und Vertretern der Land- und Forstwirtschaft sowie des Gartenbaus am Montag dieser Woche auf Schloss Bedburg deutlich. Sowohl Landrat Michael Kreuzberg als auch Kreislandwirt Willy Winkelhag wiesen in ihren Grußworten auf die gute Zusammenarbeit hin.

Gemeinsam Dinge anpacken

„Wir packen hier gemeinsam an. Wir reagieren nicht nur, wir planen und kooperieren“, betonte der Landrat. Bei aller Aufgeregtheit der öffentlichen Debatte in Sachen Natur-, Umwelt- und Klimaschutz sei es ihm wichtig zu betonen, dass er die pragmatische Arbeit hier vor Ort sehr schätze, hielt Kreuzberg fest. Er zeigte auch Verständnis für die Situation der Landwirtschaft. Trotz des trockenen Frühjahrs und Sommers seien die Erträge zwar unerwartet positiv, aber gleichzeitig hätten die Landwirte auch wiederholt Ernteausfälle zu verzeichnen.

„Ich unterstütze daher Ihren Kampf um angemessene Preise für die von Ihnen produzierten Waren. Den Menschen hier im Kreis und in der ganzen Republik muss bewusst sein, dass gute Produkte nicht unter maximalem Preisdruck zu erzeugen sind“, betonte der Landrat. Und er lobte die Landwirte, die trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sich an wichtigen Projekten des Umwelt- und Naturschutzes beteiligten.

In diesem Bereich ist es der Landwirtschaft wichtig, gemeinsam die Dinge anzupacken. „Wir sind immer wieder in Gesprächen am runden Tisch mit dem Naturschutz, der Biologischen Station und dem Rhein-Erft-Kreis, um praxisorientierte Lösungen kooperativ für den Naturschutz und die Landwirtschaft zu finden“, hob Kreislandwirt Winkelhag hervor.

In der Landwirtschaft tut sich viel in Sachen Artenvielfalt und hier ist auch viel möglich. Dies zeigte Elisabeth Verhaag von der Landwirtschaftskammer NRW in ihrem Fachvortrag auf. Die Landwirte könnten aus verschiedenen Maßnahmenpaketen wählen. Dazu gehörten Agrarumweltmaßnahmen, der Vertragsnaturschutz, aber auch Greeningmaßnahmen sowie freiwillige Maßnahmen. „Sie als Landwirt müssen allerdings entscheiden, welche Maßnahmen zu Ihrem Betrieb und zu Ihrer Person passen“, erläuterte die Fachfrau. Hilfestellung hierzu sowie Unterstützung bei der Antragstellung für Fördergelder bietet die Biodiversitätsberatung der Landwirtschaftskammer NRW, die seit etwa drei Jahren angeboten wird. Und diese Beratung zeigt Erfolg. Elisabeth Verhaag wies in diesem Zusammenhang auf das Projekt „Stabilisierung der Population wertgebender Arten in der Zülpicher Börde“ hin, das kürzlich auch als UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt ausgezeichnet wurde. Das Projektgebiet umfasse Teile der Kreise Düren, Euskirchen und Rhein-Erft. In den letzten drei Jahren seien von Kammerberater Stefan Milz insgesamt 140 Betriebe zu den Themen Natur- und Artenschutz betreut worden. In dieser Zeit sei die landwirtschaftliche Fläche im Rahmen von freiwilligen Agrar- und Umweltvertragsmaßnahmen um 600 ha angewachsen, davon entfielen 450 ha auf den Vertragsnaturschutz. So sei es gelungen, die Population gefährdeter Vogel- und Insektenarten zu fördern. Elisabeth Verhaag rief die Landwirte auf, ruhig mutig zu sein und beispielsweise einfach mal eine Getreideecke stehen zu lassen: „Dies kostet nicht viel Fläche und somit nicht viel Geld. Der Effekt für den Artenschutz ist aber groß.“ Auch ein bisschen mehr Unordnung auf dem Hof trage dazu bei, dass sich hier wieder mehr Vögel oder Insekten einstellten.

Dialog ist wichtig

Natürlich waren auch die jüngsten Bauernproteste Thema beim Landwirteempfang auf Schloss Bedburg. Elisabeth Neisse, Vorsitzende der Landfrauen Rhein-Erft-Kreis/Stadt Köln, wies in ihrem Grußwort unter anderem darauf hin, dass die Proteste Tausender Landwirtinnen und Landwirte in Bonn und anderen Städten gezeigt hätten, wie wichtig der Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft sei. „Es geht um die Zukunft der Landwirtschaft, unserer Betriebe und die unserer Familien. Deshalb brauchen wir jetzt dringend eine gemeinsame Vision für die heimische Landwirtschaft“, betonte die Landfrau. Der Deutsche LandFrauenverband fordere daher die Bundesregierung auf, sofort einen konstruktiven und zielorientierten Dialog zu initiieren, und erwarte als berufsständische Vertretung der Bäuerinnen, aktiv darin eingebunden zu werden. Willy Winkelhag wünschte sich mehr Zusammenhalt innerhalb des Berufsstandes, und zwar nach dem Motto des bekannten Liedes „Echte Fründe stonn zusamme“. el