08.02.2020

Verein Ernährung-NRW lädt zur „Langen Nacht der Ernährung 2020“ in Essen

Christiane Närmann-Bockholt

Der Megatrend im alten Jahr bleibt Megatrend im neuen Jahr. „Klimawandel und Nachhaltigkeit sind die beherrschenden Themen in der öffentlichen Diskussion, das gilt auch für die Erzeugung von Lebensmitteln“, erklärte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser in ihrem Grußwort zur Eröffnung der „Langen Nacht der Ernährung 2020“, die am Freitag letzter Woche in Essen und damit mitten im Herzen des Ruhrgebiets stattfand. Eingeladen zu der Abendveranstaltung hatte der Verein Ernährung-NRW, der es sich als Netzwerkpartner der

Agrar- und Ernährungswirtschaft zur Aufgabe gemacht hat, Unternehmen aus Anbau, Ernte, Handwerk, Verarbeitung bis hin zum Handel zusammenzubringen.

Nachhaltig erzeugte Lebensmittel stehen heute nicht mehr in der Nische, sondern sind längst Mainstreamthema. „Mich ärgert aber, dass bei den Verbrauchern die Bereitschaft fehlt, die Produkte angemessen zu bezahlen“, machte Ministerin Heinen-Esser mit Hinweis auf notwendige faire Preisgestaltung deutlich. Es gelte, die regionale Erzeugung zu stärken, auf hohe Lebensmittelqualität zu setzen und damit die 18 Mio. Einwohner in NRW zu erreichen, forderte sie das Netzwerk Ernährung-NRW auf.

Stall der Zukunft

Fünf Fachvorträge standen auf dem Programm der langen Nacht der Ernährung. Den Auftakt machte Prof. Dr. Friedhelm Jaeger, der als Leiter der Projektgruppe Nutztierstrategie aus dem Landwirtschaftsministerium das Thema Tierwohl und den Stall der Zukunft in den Fokus nahm. „Der Stall der Zukunft muss dem Tierwohl und dem Umweltschutz gerecht werden“, so Jaeger, der anmahnte, dass der Umstellungsprozess für die Landwirte gleichermaßen verlässlich wie finanzierbar sein müsse. Das wenige Tage zuvor auf Haus Düsse vorgestellte Stallmodell solle die Stufen 2 und 3 des Tierwohlkennzeichens erfüllen und werde auf Praxistauglichkeit getestet. Dabei sei ein einheitliches Kennzeichnungssystem notwendig, forderte Jaeger. Um die höheren Haltungsstandards in der Schweinehaltung in NRW umzusetzen, veranschlagte Jaeger eine Summe von 350 bis 450 Mio. € pro Jahr. Dafür sei eine Anschubfinanzierung aus öffentlichen Mitteln notwendig, langfristig solle diese Differenz über den Markt gedeckt werden.

„Mehr Tierwohl? Aber wer zahlt dafür?“ Dieser Frage ging Dr. Christian Dürnberger von der Universität Wien in seinem Vortrag zur Ethik des Essens nach. Der promovierte Philosoph machte in seinen Ausführungen deutlich, dass die Aussagen und das Verhalten der Verbraucher nicht übereinstimmen. „Der durchschnittliche Deutsche braucht zwei Formen der Landwirtschaft, eine fürs Gemüt und eine für die Geldbörse“, brachte er die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit auf den Punkt. Allerdings gebe es eine wachsende Konsumentengruppe, die tatsächlich bereit sei, mehr Geld für bestimmte Werte auszugeben. Den Landwirten empfahl Dürnberger, die Themen Tierwohl und Klima ernst zu nehmen und offen zu kommunizieren. „Die Debatte um mehr Umwelt, Klima und Tierschutz ist keine Wohlstandsdebatte“, forderte der Referent Bauern und Bürger zu mehr Kommunikation auf.

Düstere Perspektiven

Einen Blick auf die Landwirtschaft und die Anforderungen der Gesellschaft warf Landwirt Bernd Schmitz-Lothmann aus Bedburg. Er zeigte in seinen Anpassungs-Szenarien drastische Veränderungen für die Landwirtschaft auf und wies auf einen tiefgreifenden Strukturwandel, die Abwanderung von Produktion und den Ausstieg ertragsschwacher Standorte hin. Die Entwicklungen im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und die Konsequenzen für Lieferanten und Konsumenten nahm Prof. Dr. Dr. Thomas Roeb vom Campus Rheinbach in den Fokus. Der Experte für Handelsbetriebslehre geht davon aus, dass weiter mit einer Intensivierung des Wettbewerbs im LEH zu rechnen sei und der Druck auf die Lieferanten noch zunehme. „Auf dieser Ebene wird es zu einem massiven Konzentrationsprozess kommen und zu einem Sterben mittelständischer Hersteller“, hielt er fest. Die Konsumenten dagegen profitierten von großer Auswahl zu noch günstigeren Preisen.

Wie Regionalität in Zeiten der Globalisierung gelebt werden kann, das zeigte Hanno Rieger auf, Vorsitzende der Geschäftsleitung von Rewe West. Die Rewe Group West, zu der 574 Märkte gehören, ist eine von bundesweit sechs Rewe-Geschäftseinheiten. Auch der Handel bekomme die Megatrends, wie Nachhaltigkeit, Urbanisierung und Individualisierung zu spüren und stelle sich diesen Herausforderungen. Ein Weg sei die Rewe Lokal-Partnerschaft, eine freiwillige Zusammenarbeit zwischen Rewe – und hier insbesondere den selbstständigen Kaufleuten – und lokalen Erzeugern und Lieferanten. Neu in diesem Jahr sei das Angebot von Fleisch aus dem handelseigenen Programm „Strohwohl“, das ausschließlich über die Rewe-Bedientheken verkauft werde. Das neue Angebot, das auch das von Ernährung-NRW vergebene Siegel „geprüfte Qualität NRW“ trage, komme bei der Kundschaft gut an. Wie der Rewe-Manager ausführte, werde jetzt nach weiteren Lieferanten für das Strohwohl-Programm gesucht. cnb


 

 

 

 

Die LZ Rheinland ist Medienpartner für die Landesgartenschau in Kamp-Lintfort. Wir laden unsere Leser und Besucher unserer Website ein, sich den Internetauftritt unter www.kamp-lintfort2020.de anzuschauen. Dort finden Sie auch die Informationen rund um die Veranstaltungen auf dem Forum Landwirtschaft des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV). Hier gibt es „Landwirtschaft für jeden Geschmack“.

 

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