22.11.2022

Vier-Länder-Treffen der Landfrauen

Foto: dlv

Die deutschsprachigen Bäuerinnen- und Landfrauenverbände waren sich beim jährlichen Vier-Länder-Treffen in Bad Salzuflen einig: Angesichts vieler Betriebe ohne Nachfolge und zunehmenden Fachkräftemangels muss auf EU-Ebene alles dafür getan werden, das große Potenzial von gut ausgebildeten Frauen für die Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Räume besser zu nutzen. Ein gutes Einkommen, eine ausreichende soziale Absicherung, die partnerschaftliche Aufteilung der Care-Arbeit und maßgeschneiderte Unterstützungsangebote sind wichtige Anliegen.

Einzelne Länderstudien würden übereinstimmend zeigen, dass der Arbeits- und Lebensort Bauernhof von den dort lebenden Frauen sehr geschätzt wird. Die unternehmerischen Entfaltungs- und Diversifizierungsmöglichkeiten seien vielfältig, viele Frauen verantworteten eigene Betriebszweige. Deren wirtschaftliche und soziale Bedeutung für die Landwirtschaft sei dagegen oftmals nicht ausreichend sichtbar.

Am Treffen nahmen die Präsidentinnen der deutschsprachigen Bäuerinnen- und Landfrauenverbände teil. Das sind Petra Bentkämper, Präsidentin Deutscher LandFrauenverband (dlv), Irene Neumann-Hartberger, Vorsitzende der ARGE Österreichische Bäuerinnen, Anne Challandes, Präsidentin Schweizerischer Bäuerinnen- und Landfrauenverband, und Antonia Egger, Landesbäuerin Südtiroler Bäuerinnenorganisation. Gemeinsam mit den Geschäftsführerinnen forderten sie, regelmäßig Daten zur Lebens- und Arbeitssituation der Frauen in der Landwirtschaft in einer europaweiten Studie zu erheben. Mit einer solchen Grundlage könne die gemeinsame Agrarpolitik der EU zielgerichteter an den Bedarfen der Frauen ausgerichtet und ihre Beiträge sichtbarer gemacht werden. Überdies wäre eine regelmäßige Konferenz für den Austausch und die Vernetzung unter den europäischen Bäuerinnen und Landfrauen wichtig.

Die Care-Arbeit sei nach wie vor eine Frauendomäne. Die anwesenden Teilnehmerinnen diskutierten Wege zu einer partnerschaftlicheren Aufteilung der Arbeit im Betrieb, in Haushalt und Familie. Jede Familie müsse dafür ihre individuelle Lösung finden. Aber es solle sich auch keine Frau zwischen Kuh und Kind entscheiden müssen. Nur so lasse sich der vorsichtige Trend zu mehr Betriebsleiterinnen verstetigen.

Um mehr Frauen zu einer Hofübernahme zu ermutigen, müssten europaweit noch mehr Vorbilder für junge Frauen vor den Vorhang geholt werden. Eine diversere Bildauswahl und Sprache gehören laut den Teilnehmerinnen des Treffens ebenso zum Empowerment zukünftiger Betriebsleiterinnen dazu wie zielgruppengerechte Weiterbildungsangebote. Ebenso brauche es eine größere Anzahl und ausreichende Finanzierung von Modellprojekten, welche innerfamiliäre Hofnachfolgen wie auch landwirtschaftliche Existenzgründungen von Frauen unterstützen.

Neben der Politik seien auch die Bauernorganisationen in den einzelnen Ländern am Zug. Neben einer qualifizierten Willkommenskultur braucht es eine glaubhafte Veränderungsbereitschaft hin zu einer „Kultur der Gleichberechtigung“. Nur dann würden Frauen sich mehr engagieren, um die Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft zukünftig geschlechtergerechter zu gestalten, waren sich die Verantwortlichen sicher.

dlv