18.11.2021

Zucker: Versorgung bleibt knapp

Foto: Detlef Steinert

Mehr als 33 Mio. € hat der Zuckerhersteller Pfeifer & Langen am Standort Jülich in Produktions- und Verpackungsanlagen investiert. Damit hat das Unternehmen das dortige Werk eigenen Angaben zufolge zum größten und modernsten Betrieb für Zucker im Rheinland ausgebaut. Das erklärten Vertreter des Unternehmens anlässlich eines Pressetermins im Jülicher Werk.

Jülich packt selbst ab

Der Neubau in Jülich umfasst knapp     13 000 m2 und wurde vergangene Woche offiziell in Betrieb genommen. Die Anlage soll helfen, Abläufe zu optimieren. Dabei setzt Pfeifer & Langen auch auf Robotertechnologie. In dem neuen Veredelungs- und Verpackungsgebäude laufen unter anderem drei 1-kg-Verpackungslinien, zwei Würfelzuckerlinien, eine Schlauchbeutellinie einschließlich zugehöriger Mischanlage, eine Kandisverpackungslinie, eine Zuckerhutlinie sowie eine Blockpackmaschine zur flexiblen Verpackung von 0,5 kg bis 2 kg Kristallzucker.

Mit der Inbetriebnahme kann der im Werk hergestellte Rübenzucker nun direkt vor Ort abgepackt werden. Früher musste dieser noch in das etwa 20 km entfernte Werk in Elsdorf transportiert werden. Damit lassen sich jetzt Transportkosten senken und gleichzeitig der CO2-Ausstoß vermindern. Aspekte der Nachhaltigkeit spielen auch bei der Neu-Positionierung der Marke Diamant für Haushaltszucker eine zentrale Rolle. So stellt Pfeifer & Langen nun deutlich die Herkunft des Zuckers aus dem Rübenanbau heraus.

Rübenfläche in der EU geht zurück

Dass Pfeifer & Langen auch weiter an der heimischen Rübe festhält, machte Dr. Hermann Schmitz, Leiter Landwirtschaft deutlich. Dr. Schmitz zufolge blickt das Unternehmen zuversichtlich auf die laufende Kampagne. In Deutschland sowie den Benelux-Staaten werde die Ernte über dem Durchschnitt liegen, prognostizierte er. Im Rest von Europa sei hingegen eine durchschnittliche Ernte zu erwarten, und das bei schwächeren Zuckergehalten. Insgesamt lägen die Zuckererträge auf dem Niveau des fünfjährigen Durchschnitts. Die Rübenanbaufläche ist laut Schmitz von den Landwirten EU-weit gegenüber dem vergangenen Jahr um rund 16 000 ha oder 1,1 % verkleinert worden. Während die Ackerbauern in Frankreich den Anbau erneut deutlich zurückgefahren hätten, sei das Rüben-areal in Deutschland wieder leicht ausgedehnt worden. In Polen habe es hingegen keine nennenswerte Veränderung gegeben.

Für die aktuelle Kampagne erwartet Pfeifer & Langen nach den dürrebedingten Rückgängen in den Vorjahren eine höhere Zuckerproduktion in der EU-27. Das Gesamtaufkommen werde einschließlich Isoglucose voraussichtlich bei 16,7 Mio. t liegen, nach 15,1 Mio. t im Vorjahr. Bei einem anvisierten Gesamtverbrauch von 17 Mio. t dürfte die Versorgung mit Zucker allerdings weiter knapp und die Gemeinschaft damit Nettoimporteur bleiben. Aufgrund einer zu erwartenden Normalisierung des öffentlichen Lebens im Rahmen der Covid-Pandemie und einer generellen Verbesserung der wirtschaftlichen Situation rechnet Schmitz für 2021/22 mit einer Stabilisierung der Nachfrage.

Perspektiven beim Preis

Angesichts der eher knappen Versorgung sieht das Unternehmen die Marktpreise für Zucker im Aufwind. Im August dieses Jahres habe der Preis – nach einer längeren Seitwärtsbewegung – im EU-Durchschnitt erstmals wieder die Schwelle von 400 €/t überschritten, und für September seien 408 €/t gemeldet worden. Im Vergleich zum Jahresbeginn 2019 habe der Preis für Zucker damit um fast 100 €/t zugelegt. In den Kernerzeugerländern Frankreich, Deutschland und Benelux habe dieser im September mit 399 €/t leicht unter dem EU-Durchschnitt gelegen. Mit Blick auf die Erntesituation und die Marktlage machte Schmitz den Landwirten Hoffnung. „Der Rübenpreis für 2021 wird besser als 2020“, so die Einschätzung von Schmitz.

AgE/ds