13.07.2022

Zukunftskonzept

Foto: Elena Peters

Da stand ich also mit der Zielsetzung für unser Zukunftskonzept (nochmal zur Erinnerung: Im Jahr 2019 erarbeiteten wir gemeinsam mit dem Unternehmensberater Thomas Folgendes: „Zielsetzung der Beratung ist, gemeinsam ein sinnvolles Zukunftskonzept für den Genholter Hof zu entwickeln, welches wirtschaftlich und konzeptionell sinnvoll ist und zu den Vorstellungen von allen Familienmitgliedern, insbesondere von Christina, und dem Standort passt.“) und bekam leichtes Herzrasen: Hielt ich nun erstmalig etwas in den Händen, was meiner Vision vom GeHo 2.0 im besten Fall ganz schön nahekommen würde. Ich beriet mich mit meinen Eltern und traf auf Verständnis, Offenheit und vielleicht sogar ein kleines bisschen Vorfreude. Und diese Reaktion, sich auf dieses Projekt – fast ganz ohne mit der Wimper zu zucken – einzulassen, rechne ich meinen Eltern noch heute ganz, ganz hoch an.

Denn im blödesten Fall hätte als Ergebnis rauskommen können, dass der GeHo keine Zukunft haben wird und die Entscheidungen aus den vergangenen 20 Jahren nicht immer richtig waren. Diesem Risiko haben sich meine Eltern aber – zum jetzigen Zeitpunkt: völlig unbegründet – gestellt und eher gefragt „Was haben wir zu verlieren? Selbst wenn dieses Szenario kommen sollte, wissen wir, wo wir dran sind und können reagieren.“

So hatten wir dann im Dezember 2019 Besuch von Thomas, der sich zwei Tage unseren Hof, die Umgebung, unsere Zahlen, Daten, Fakten und wahrscheinlich insgeheim auch uns als Unternehmerfamilie einmal genauer angeschaut hat. Während der ganzen Beratung war ihm stets wichtig, dass wir uns wohlfühlten und sagen konnten, wenn etwas eine Richtung einschlägt, die überhaupt nicht umzusetzen sein würde. Besonders schön fand ich, dass wir eine sogenannte Traumreise ins Jahr 2024 gemacht haben, bei der jeder von uns (auch meine Schwester Kathrin) beschreiben sollte, wie der GeHo zukünftig aufgestellt sein wird. Es hat also jeder seine eigene Vision vom GeHo 2.0 entwickelt, die sich tatsächlich in weiten Teilen gar nicht großartig voneinander unterschieden.

Im weiteren Verlauf der Beratung hat Thomas auch die Umgebung analysiert und etwas für uns völlig Neues, aber eigentlich total Banales herausgefunden: In einem Umkreis von circa 150 km sind wir der einzige Betrieb, dessen Aktivitäten Landwirtschaft, Gästezimmer, Hof­laden und Hofcafé beziehungsweise Saisonrestaurant umfasst. Puh – das mussten wir erstmal sacken lassen. Denn das bedeutete wiederum, dass wir jahrelang ein Alleinstellungsmerkmal komplett außer Acht gelassen hatten, dass uns vielleicht auch psychisch in manchen Talfahrten wieder auf die Beine geholfen hätte. Aber gut, nicht über Vergangenes grübeln, sondern das Ganze als tolle neue Information sehen, die es in Zukunft klug einzusetzen gilt.

Christina Ingenrieth