18.05.2022

Zweijähriges

Foto: Elena Peters

Nachdem Sie nun im Rahmen der letzten Kolumne Ihr Wissen um den Begriff „Masterclass“ erweitert haben, freue ich mich, mit meiner heutigen 27. Kolumne ein kleines Jubiläum zu feiern. Denn ich nehme Sie, liebe Leserinnen und Leser, bereits zwei Jahre auf meinem Weg des Generationenwechsels auf dem Genholter Hof mit.

Zwei Jahre, 700 Tage und mehr als 17 000 Stunden, sind es her, als ich den ersten Beitrag für „Hofübernahme – hautnah“ geschrieben habe. Ich erinnere mich noch, dass ich mich über den damaligen Anruf aus der LZ-Redaktion sehr freute, jedoch nicht so recht wusste, wie eine Kolumne für eine solch vielschichtige Leserschaft der LZ Rheinland aussehen sollte. Mir war und ist es wichtig, „frei von der Leber“ weg über mein Erleben auf dem Hof zu berichten und scheine damit einen Nerv getroffen zu haben.

Diese aufregenden letzten zwei Jahre, die eigentlich auch schon ohne Widrigkeiten für uns als Familie und Betrieb spannend genug gewesen wären, wurden durch Corona und damit beispielsweise das Einfliegen von Erntehelfern und das Aushalten der Schließungen in der Gastronomie sowie zuletzt die unplanbare Preislage durch die dramatische Situation in der Ukraine bestimmt. Die letzten „Höhepunkte“ bestanden darin, dass man unsere Strohmiete für unsere Erdbeerfelder in Brand gesetzt hat und unsere Köchin im Saisonrestaurant krankheitsbedingt ausgefallen ist.

Diese Geschehnisse lassen mich die am 1. Juli 2020 gefallene Entscheidung, den Hof in die nächste Generation zu führen, zwar nicht bereuen, bringen mich dennoch zum Nachdenken. Dass wir als Familie diese manchmal schier ausweglosen Situationen gemeinsam mit unserem Team und meinem Freund Philipp und seiner Familie an der Seite schaffen, stelle ich nicht infrage. Viel mehr sind es Gedanken, wie der Hof und wir als Persönlichkeiten aus dieser Zeit hinausgehen.

Ich bin zuversichtlich, dass wir gestärkt hinausgehen. Als Einzelperson, Familie oder Betrieb zu wachsen, tut sicherlich manchmal weh, ohne Wachstumsschmerz geht es nicht. Aber am Ende steht immer eine Erfahrung. Und sollten wir mal den Kopf in die sandigen Böden unserer Felder stecken wollen, erhalten wir immer wieder einen ordentlichen Motivationsschub durch Sie, liebe Leserinnen und Leser. Für Ihre Rückmeldungen ein herzliches Dankeschön.

Und wie sagen die Rheinländer so schön? Et kütt wie et kütt un et hätt noch immer jot jejange!

Ihre Christina Ingenrieth