Zuckerrüben Journal Nr. 03/2018
LZ 29 · 2018 Zuckerrübenjournal | 19 | Z U C K E R | T E C H N I K A N B A U B E T R I E B S W I R T S C H A F T | M A R K T | P O L I T I K | A K T U E L L E S | fungsverfahren sind erforderlich, um die Nachhaltigkeit landwirtschaftli- cher Systeme zu verbessern und das Potenzial schädlicher Nebenwirkun- gen von Insektiziden für die Umwelt weiter zu verringern. Alternative Maßnahmen Zusätzlich müssen vielleicht manch- mal vernachlässigte, nichtsdestotrotz wichtige Instrumente, wie das Kultur- management, der Erhalt und die För- derung natürlich vorkommender Nütz- linge, und insbesondere die intensive Nutzung kulturtechnischer Maßnah- men, wie Sortenwahl, Bestandsarchi- tektur, Saattermin, wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. Standorte mit be- kanntem Auftreten von Drahtwurm müssen strikt vermieden werden. Vi- russchäden und Blattlausbesiedelung lassen sich auch durch Mulchsaaten und Belassung anderer Pflanzen im Be- stand verringern, aber nicht komplett vermeiden. Höchsterträge der konkur- renzschwachen, jungen Rüben sind dann aber nicht mehr zu erwarten. Fazit Durch den Wegfall vieler Insektizide und zukünftig auch wichtiger Herbizi- de wird der Rübenanbau weiter in Frage gestellt. Auch die gerade viel diskutierten Zulassungen für Notfall- situationen können, wenn überhaupt realisierbar, das Problem nur kurzfris- tig lindern. Zusätzlich beeinträchtigen niedrige Zuckerpreise die Wirtschaft- lichkeit der Kultur. Wandert der Rü- benanbau durch bessere Bedingungen in andere Regionen ab, wird unsere Kulturlandschaft, dominiert von Raps, Weizen und Mais, um ein Glied in der Fruchtfolge ärmer – mit allen daraus resultierenden Folgen. Wedad Alyouness Dr. Ellen Richter Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen Die genannten Wirkstoffe sind ei- nerseits weniger wirksam als Neoniko- tinoide, andererseits steigt durch die geringe Anzahl an Wirkstoffen die Ge- fahr einer Resistenzbildung. Einige Schädlingspopulationen sind bereits resistent gegen Carbamate und Pyre- throide. Somit ist mit höheren Kosten bei geringerer Effizienz der Behand- lungsmaßnahmen zu rechnen. Zukünftige Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln Eine erneute Genehmigung der Wirk- stoffe Pirimicarb und Dimethoat auf EU-Ebene ist nicht wahrscheinlich. Der Wirkstoff lambda-Cyhalothrin ge- hört ebenso zu den Substitutionskandi- daten wie Pirimicarb und Dimethoat. Pflanzenschutzmittel mit neuen, modernen Wirkstoffen sind in naher Zukunft nicht zu erwarten. Eine Zulas- sungserweiterung des Insektizids Tep- peki (Wirkstoff Flonicamid) zur Spritz- behandlung gegen Blattläuse kommt wahrscheinlich schon im nächsten Jahr. Da Floni- camid einer der weni- gen Wirkstoffe ist, der derzeit nicht diskutiert wird, wird er als Alter- native für Blattlauspro- bleme in fast je- der Kultur ge- handelt, mit allen möglichen Folgen für die Resistenzent- wicklung. Monitoring notwendig Sind wir wieder bei regelmäßigen An- wendungen von Pflanzenschutzmit- teln im Feld angelangt? Nach mehr als 20 Jahren mit Neonikotinoiden zur Saatgutbehandlung in Rüben scheint altes Wissen zu Schwellenwerten in Vergessenheit geraten zu sein. Für ei- ne zielgenaue und erfolgreiche Appli- kation muss das Monitoring der Kultur, wie früher üblich, wieder an Bedeu- tung gewinnen. Überwachungssys- teme und -modelle müssen (weiter-) entwickelt werden, um Regionen mit einem hohen Risiko für stark ertrags- depressiv wirkende Schädlinge zu identifizieren und somit gezielt Ent- scheidungen über den Einsatz von Insektiziden treffen zu können. Situa- tionsbezogene und exakte Bekämp- Tefluthrin-Beize z. B. Pirimor Granulat z. B. Perfekthion Top z. B. Kaiso Sorbie 31 – 39 18 16 14 12 9 – 10 8 0 Wirkstoffwechsel beachten Beispiel für Terminierung des Insektizideinsatzes gegen Schädlinge an Zuckerrüben 2019 Hinweis zur Aussaat 2019 Die Beize Force 20 CS, die den Landwirten ab 2019 zur Verfügung steht, weist bis zum 4-Blatt-Stadium der Rübe einen sehr guten Schutz gegen bodenbürtige Schädlinge wie Moosknopfkäfer, Drahtwurm, Tausendfüßler und Collembolen auf. Bei der Ausbringung des mit Force 20 CS behandelten Saatgutes ist darauf zu achten, dass die Aussaat nur mit mechanischen Sägeräten erfolgen darf. Lediglich bei der Aussaat von Saatgut für Sortenversuche auf Kleinparzellen können pneumatische Sägeräte ver- wendet werden (BVL: Auflage NH685 -1). Wenn Landwir- te sich mit dem Gedanken beschäftigen, in eine neue Sä- technik zu investieren, ist bei der Rübe auf ein mechani- sches Verfahren zu achten. Pfeifer & Langen/LIZ-Koordinationsstelle Die Rübenfliege könnte ebenfalls in Zukunft größe- re Bedeutung erlangen.
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