Zuckerrüben Journal Nr. 03/2018

4 | Zuckerrübenjournal LZ 29 · 2018 A K T U E L L E S P O L I T I K | M A R K T | B E T R I E B S W I R T S C H A F T | A N B A U | T E C H N I K | Z U C K E R | vollen Phase der Konsolidierung. Pfei- fer & Langen produziert in den Gunst- regionen für den Rübenanbau in Euro- pa. Zudem liegen unsere Fabriken in Regionen mit einer hohen Bevölke- rungsdichte und das heißt in der Nähe der Kunden mit entsprechenden logis- tischen Vorteilen. Die Zuckererträge in unseren Ein- zugsgebieten liegen seit Jahren auf einem hohen Niveau, sodass der Rübenanbau wirtschaftlich betrieben werden kann. Ein Fortschritt, der von keiner anderen Kultur auch nur annä- hernd erzielt wurde. Im Wettbewerb zu bestehen, heißt aber auch, dass wir nicht nachlassen dürfen, Effizienzverbesserungen zu su- chen. Dies umfasst die landwirtschaft- liche Seite genauso wie Aktivitäten in der Zuckererzeugung sowie der Rü- ben- und Zuckerlogistik. Zurzeit verhindern die gekoppelten Zahlungen in vielen Rüben produzie- renden Ländern einen fairen Wettbe- werb. Ohne diese Stützungen verlieren vor allem die südosteuropäischen und nordeuropäischen Länder diesen Wett- bewerbsvorteil. Es ist dann nicht aus- zuschließen, dass einige Länder auch ganz aus der Zuckererzeugung ausstei- gen müssen. Conzen: Auf der Anbauerseite sind hier ganz klar die Gunstregionen wie das Rheinland vorne. Wer bei Boden, Klima und Wasserversorgung an der Spitze liegt, kann die hohen Erträge, die für einen wirtschaftlichen Rü- benanbau notwendig sind, ernten. Lei- der wird die Wirtschaftlichkeit durch andere Dinge negativ beeinflusst. Der Wegfall der Neonikotinoidbeizen wird den Anbau teurer machen, ebenso wie ein drohendes Verbot wichtiger Herbi- zidwirkstoffe. Auf Fabrikseite braucht man hoch- moderne Fabriken, die den Zucker möglichst günstig erzeugen. Was können Pfeifer & Langen und die rheinischen Rübenanbauer tun? Walser: Pfeifer & Langen hat sich mit umfangreichen Maßnahmen auf den zunehmenden Wettbewerb eingestellt und arbeitet an Kostensenkungsmaß- nahmen in der ganzen Prozesskette. Vielfältige Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und im Perso- nalbereich haben wir bereits umge- setzt. Um unsere Marktposition in Eu- ropa zu stärken, haben wir unsere Strategie auf die neuen Rahmenbedin- gungen ausgerichtet. Wir setzen auf die Zuckerrübe, ersetzen konsequent Rohzucker durch Rübenzucker, inves- tieren umfangreich in weitere Effizi- enzmaßnahmen in den Standorten und etablieren moderne Logistiklösun- gen für Zucker und Agrarprodukte. Die eigene Lagerhaltung bildet hierbei ei- nen besonderen Schwerpunkt, um mit mehr Flexibilität am Markt agieren zu können. Gleichzeitig holen wir Produk- tion und Verpackungsaktivitäten aus Südosteuropa an unsere wettbewerbs- starken Standorte – so auch ins Rhein- land – zurück. Insgesamt fühlen wir uns sehr gut gerüstet, um den Wettbe- werb langfristig mitzugestalten. Auch auf der landwirtschaftlichen Seite ist eine kontinuierliche Weiter- entwicklung nötig. Es ist wichtig, dass die rheinischen Rübenanbauer alles daransetzen, das hohe Ertragsniveau weiter zu steigern und gleichzeitig alle Kostenpositionen im Rübenanbau im- mer wieder auf den Prüfstand stellen. Auch müssen wir gemeinsam an Lö- sungen arbeiten, um Einschränkun- gen, die im Bereich des Pflanzenschut- zes drohen, zu meistern. Zur Unterstüt- zung werden wir unsere Beratungs- leistungen sowohl digital als auch im persönlichen Kontakt weiter ausbauen. Als Pfeifer & Langen wollen, schätzen und brauchen wir die persönliche Nä- he zu den Rübenanbauern. Conzen: Im Pflanzenschutz ist die Beratung gefordert, also wir als Rüben- bauer-Verband, aber auch die Land- wirtschaftskammer, denn wir brau- chen Warndienste vor allem bei den virusübertragenden Blattläusen. Jeder Anbauer muss sein Anbausys- tem auf den Prüfstand stellen und kon- trollieren, ob es noch Möglichkeiten der Kostensenkung gibt. Ich weiß, dass das nicht einfach ist. Die Maschinen- ringe beispielsweise roden heute schon sehr günstig. Aber bei den Investitio- nen in Bodenbearbeitung und Saat- technik kann sicher das eine oder an- dere aufgeschoben werden. Ob die me- chanische Unkrautbekämpfung eine Lösung sein kann, wird sich zeigen. Je- der Betrieb muss gucken, ob seine Fruchtfolge noch passt und ob das Ein- kommen je Hektar stimmt. Das ist am Ende ausschlaggebend und wird darü- ber entscheiden, ob die Rübe überlebt. Wenn man Rüben anbaut, muss man das professionell machen. Welche Botschaft haben Sie an die Rübenanbauer? Conzen: Jeder Betriebsleiter muss aus- rechnen, was zwischen Daumen und Zeigefinger für ihn übrig bleibt. Man muss als Anbauer hochproduktiv ar- beiten, um wettbewerbsfähig zu sein. Im Moment erleben wir bei der Rübe ein Preistief, aber das darf und wird nicht ewig so weitergehen. Die Fabri- ken im Rheinland sind besser ausge- lastet als früher und können günstiger produzieren, das muss auch bei den Anbauern ankommen. Walser: Pfeifer & Langen setzt auf die Rübe, weil die Rübe eine einzigarti- ge Ertragsentwicklung zeigt und auch unter schwierigen Witterungsbedin- gungen stabile Erträge erreicht. Die Rü- be gehört in die Fruchtfolge, verwertet organische Dünger vor allem in Hin- blick auf die neue Düngeverordnung sehr gut. Die Landwirtschaft sollte auch beim Rübenanbau langfristig planen und die vielen Vorteile der Rübe für den Gesamtbetrieb mitberücksichtigen. Wir müssen uns auf volatilere, also schwankende Märkte einstellen. Die momentan niedrigen Marktpreise wer- den aber nicht immer auf diesem Ni- veau bleiben, sondern wie in anderen Märkten wieder ansteigen und dann auch zu erfreulichen Rübenpreisen führen. Gemeinsam mit den Landwir- ten werden wir uns mit Zuckerrübe und Rübenzucker erfolgreich am Markt behaupten! ■ Kosten reduzieren ist zurzeit die Devise bei der Zuckererzeugung. Foto: landpixel

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