Zuckerrüben Journal 04/2018

4 | Zuckerrübenjournal LZ 50 · 2018 A K T U E L L E S P O L I T I K | M A R K T | B E T R I E B S W I R T S C H A F T | A N B A U | T E C H N I K | Z U C K E R | Rübenanbau über Brüsseler Gelder in einer Höhe von rund 5 bis 8 €/t Rüben. Diese Zahlungen sind massiv wettbe- werbsverzerrend, wie eine Studie der Universität Wageningen im Frühjahr dieses Jahres belegt hat. Sie halten Re- gionen im Rübenanbau, die prinzipiell nicht wettbewerbsfähig sind. Die Zu- ckererzeugung aus diesen Regionen führt im Endeffekt zur Überschuss- situation auf dem EU-Markt und damit zum aktuellen Preisdilemma. Aus unserer Sicht gibt es nur zwei Möglichkeiten, dieses gravierende Pro- blem zu lösen: Entweder erhalten auch die deutschen Rübenanbauer gekoppel- te Beihilfen oder die Rübenbeihilfen in den anderen EU-Ländern müssen abge- schafft werden. Die jetzige Situation ist für die Regionen ohne diese Beihilfen kaum tragbar und auf Dauer existenz- gefährdend. Hier muss die deutsche Agrarpolitik Flagge zeigen, ihrer Ver- antwortung gerecht werden und die In- teressen der deutschen Rübenanbauer endlich wirksam in Brüssel vertreten. Viele Baustellen Die gekoppelten Zahlungen sind nicht die einzige aktuelle agrarpolitische Großbaustelle. Ende April hat die EU die Freilandanwendung der drei für den Rübenanbau wichtigsten Neoniko- tinoide verboten. Damit kann die bis- herige umweltfreundliche Bekämp- fung von Schadinsekten, allen voran virusübertragenden Blattläusen, auf dem Wege der Saatgutbeizung nicht mehr durchgeführt werden. Die Fach- welt ist sich einig, dass mit dem der- zeitigen Spektrum an zugelassenen In- sektiziden keine gleichwertige Läuse- bekämpfung durchgeführt werden kann. Gleichzeitig müssen selbst die Ministerien einräumen, dass die Ver- botsentscheidung nicht auf nachgewie- senen Fakten zur Anreicherung im Bo- den und einer damit verbundenen Bie- nengefährdung basierte, sondern al- lein auf dem Vorsorgegrundsatz. Wir werden uns nie gegen Entscheidungen wehren, wenn Folgeschäden an der Umwelt belegbar sind. Wir wehren uns aber gegen Entscheidungen, die eher aus der öffentlichen Stimmungs- lage heraus resultieren. Man gewinnt zusehends den Eindruck, dass die Inte- ressen und Notwendigkeiten der hei- mischen Landwirtschaft selbst für Poli- tiker aus dem Bundeslandwirtschafts- ministerium (BMEL) nur noch eine nachgeordnete Rolle spielen. Das ist inakzeptabel und verantwortungslos. Im Hinblick auf die Genehmigung auch in Deutschland gestellter Anträge auf Notfallzulassung insektizider neo- nikotinoidhaltiger Rübenbeizen lehnt das BMEL weiterhin jedes Zugeständ- nis ab – ganz im Gegensatz zu einem wachsenden Teil der restlichen EU- Staaten mit Rübenanbau. In mittler- weile zehn Staaten wurden solche Not- fallzulassungen erteilt, Tendenz stei- gend. Damit benachteiligt das BMEL wissentlich die deutschen Rübenan- bauer und den deutschen Zuckersek- tor. Wir haben Zweifel, dass man sich der möglichen Tragweite dieses Ver- haltens bewusst ist. Jetzt schon gibt es Bestrebungen, die Verbotsdiskussion für Pflanzenschutzmittel auf für den Rübenanbau zentrale Herbizide und Fungizide auszudehnen. Auch das Thema Ernährung hat uns 2018 mehr als gedacht beschäftigt. Glücklicherweise hat die Nahrungs- mittelversorgung für unser Land ein Niveau erreicht, bei dem wir uns keine Gedanken mehr über „das tägliche Brot“ machen müssen. Noch nie war die Qualität der Lebensmittel so gut wie heute und das Angebot so groß. Diese Komfortsituation führt jedoch dazu, dass die grundsätzlich richtige Diskussion über ausgewogene Ernäh- rung teils extreme Auswüchse bekom- men hat und einzelne Lebensmittel re- spektive Grundnahrungsmittel, wie beispielsweise Zucker, regelrecht ver- teufelt werden. Hier gilt es mehr denn je, mit Sachlichkeit, Seriosität und un- widerlegbaren Fakten diese Diskussio- nen zu begleiten, ihnen aber keines- falls auszuweichen. Die Wirtschaftli- che Vereinigung Zucker, das Dach der Schwieriger Start: Kurz nach der Saat wurden zahl- reiche Rüben- flächen von Nie- derschlägen ge- troffen, mit der Folge von Ver- schlämmungen und problemati- scher Herbizid- applikation. deutschen Zuckerwirtschaft, arbeitet intensiv am Thema Zucker und Ernäh- rung. Es wird uns die nächsten Jahre mit Sicherheit begleiten. Erträge von 25 bis 100 t/ha Das Wetter 2018 schließlich war für die landwirtschaftliche Praxis insgesamt und damit auch für die Rübenanbauer die vielleicht größte Herausforderung. Nach einem nasskalten März erfolgte die Rübensaat ab der zweiten Aprilwo- che noch knapp im Zeitplan. Schon der Zeitraum April bis Juni war im Mittel um 4 bis 6 °C zu warm. Die Nieder- schläge fielen zwar in ausreichender Menge, aber konzentriert auf wenige intensive Niederschlagsereignisse, die lokal zu Problemen beim Auflauf der Rüben und den Herbizidapplikationen führten. Die Hitzewelle des Jahres 2018 fand ihren Höhepunkt in den Mo- naten Juli und August, hielt aber grundsätzlich bis weit in den Oktober hin an. Im Unterschied zum Frühjahr gab es ab Juli kaum noch Niederschlä- ge. Verbreitet warfen die Rüben große Teile ihres Blattwerks ab. Die Ertrags- bildung, bis Anfang Juli auf noch gu- tem Niveau, stagnierte weitgehend. Trockenheit und Hitze setzten den Rü- benbeständen überall zu, wobei die Standortunterschiede in Abhängigkeit von einzelnen lokalen Niederschlags- ereignissen, der Bodengüte und der einzelbetrieblichen Möglichkeit zur Beregnung extrem waren. Im südlichen Rheinland wurden ge- rade trockenheitsgeschädigte Rüben zusätzlich durch Befall der Rübenmot- te teils erheblich befallen. In Gesprä- chen mit P&L gelang es, den Kampag- nebeginn auf Anfang Oktober zu ver- schieben, um den Rübenbeständen ins- gesamt noch die Möglichkeit zu geben, etwas Zuwachs zu generieren. Die Heterogene Rüben: Selbst in- nerhalb eines Schlages variierte bei wechselhaften Böden die Rüben- größe sehr stark.

RkJQdWJsaXNoZXIy ODA5MjY=