Zuckerrüben Journal 04/2018

LZ 50 · 2018 Zuckerrübenjournal | 7 | Z U C K E R | T E C H N I K | A N B A U | B E T R I E B S W I R T S C H A F T M A R K T P O L I T I K | A K T U E L L E S | Der Außenschutz und Schutz vor Exporten aus Ländern mit wett- bewerbsverzerrenden Maßnahmen funktioniert nur bedingt, die Politik scheint machtlos und kapituliert vor den „Zuckerrohrbaronen“ dieser Welt. Lösungsansätze Genug gejammert. Gibt es einen Lö- sungsansatz des Problems für die eu- ropäische Zuckerproduktion? Inner- halb des europäischen Marktes spielt die Stückkostenbetrachtung eine we- sentliche Rolle. Das bedeutet aber auch, dass die EU oder die Einzelstaa- ten keine wettbewerbsverzerrenden Maßnahmen vornehmen dürfen, so- dass die Zuckerproduktion und -verar- beitung auf die Gunststandorte wan- dert. Eine derartige Positionierung würde die Verkaufsposition auch ge- genüber den Süßwarenherstellern verbessern, wenn man zumindest in- nerhalb Europas mit gleichen Waffen kämpft. Festzustellen ist aber auch, dass gleichzeitig mit der schwieriger wer- denden Situation der europäischen bestände sogar auf 1,4 Mio. t sinken, was einem Stock to use Ratio von 7,8 %, also so ziemlich dem niedrigsten Wert in den letzten 20 Jahren, entspricht. Der EU-Markt ist somit nicht überver- sorgt und besitzt nur geringe Vorräte. Der Preisdruck entsteht also in erster Linie aus dem intensiven Verdrän- gungswettbewerb innerhalb der EU und nicht aus einer Überproduktion. Gleichzeitig bewirken die EU-internen Wettbewerbsverzerrungen eine große Verunsicherung auf dem europäischen Markt. Die Einkäufer der Süßwaren- hersteller haben ein leichtes Spiel und revanchieren sich für die Preismecha- nismen der Zuckermarktordnung der letzten Jahrzehnte. Aufgrund der ge- schilderten Situation würde auch eine Reduzierung der europäischen Zucker- erzeugung wenig nützen, um bessere Preise zu erzielen. Was ist also zu tun, um den Zuckerrübenpreisen wieder zu einem attraktiven Niveau zu verhelfen? Betrachten wir dazu zunächst einmal die „Geschäftspraktiken“ der Global Player. Die Hauptexporteure Wie bei allen Rohstoffen bestimmt das Gleichgewicht der auf demWeltmarkt angebotenen und nachgefragten Waren das Preisniveau. Ausschlaggebend sind dabei die Nettoexporte der Überschuss- länder. Es gibt beim Zucker nur wenige Nettoexporteure, aber die Bedeutung der wenigen ist entsprechend groß. In erster Linie hervorzuheben ist da- bei Brasilien, das mit zum Teil immer noch ungenügenden Sozial- und Um- weltstandards Zuckerrohr und Rohrzu- cker erzeugt. Im letzten Wirtschaftsjahr 2018/19 haben sich die Nettoexporte aufgrund der schwachen Zuckerpreise jedoch deutlich auf unter 20 Mio. t/Jahr reduziert. Der brasilianische Staat sub- ventioniert mit jährlichen Milliarden- summen direkt und indirekt die Zucker- produktion und damit auch den Druck auf die Zuckerkurse. Gleichzeitig fördert der schwache Real die Exporte des Lan- des, schwächt die Kaufkraft der einhei- mischen Bevölkerung und setzt die Roh- stoffpreise der Importländer unter Druck. Je nach Situation auf dem Rohöl- markt wird temporär ursprünglich für den Ethanolmarkt vorgesehenes über- schüssiges Zuckerrohr in den Zucker- markt geleitet. Allein aus den genann- ten Gründen ist die EU gut beraten, sich durch wirksame Maßnahmen vor brasi- lianischen Exporten zu schützen. Bei al- len politischen Schutzmaßnahmen ist jedoch nicht auszuschließen, dass über die brasilianische Quote hinaus weite- rer brasilianischer Zucker über Umwe- ge, zum Beispiel über Länder mit präfe- renziellem Zugang zur EU, dennoch in die EU gelangt. Alles das scheint die Süßwarenhersteller in der EU jedoch nicht zu stören. Es wird alles gekauft, was süß macht, Hauptsache billig. Auch der zweitgrößte Nettoexpor- teur, Thailand, zieht, was den Zucker- export angeht, keine Samthandschuhe an. Der Staat garantiert hohe Mindest- preise für die einheimische Produk- tion, vergibt verbilligte Kredite und staatliche Fördermittel für Anbauer und Verarbeitungsindustrie und als „Sahnehäubchen“ werden die Zucker- exporte auch noch quersubventioniert. Genauso funktioniert es bei den an- deren Nettoexporteuren wie Indien, Mexiko und Guatemala. Direkte und indirekte Subventionen an die Zucker- rohranbauer, Transport- und Export- subventionen, hohe staatlich garantier- te Mindestpreise und billiges Geld für Anbauer und Exporteure runden die Wettbewerbsverzerrungen ab. EU-28 Zuckererzeugung und Verbrauch 0 5 10 15 20 25 30 35 40 0 5 10 15 20 25 30 Endbestände in Mio. t bzw. Stock to use in % Erzeugung und Verbrauch in Mio. t Endbestand EU-Gesamtproduktion EU-Gesamtverbrauch Stock to use Ratio bzw. Anteil Endbestand am Verbrauch (EU) Linear (Stock to use Ratio bzw. Anteil Endbestand am Verbrauch (EU)) WJ 2018/19 Erzeugung 19,5 Mio. t Verbrauch 18,8 Mio. t Stock to use Ratio: Aktuell 7,8 % Durchschnitt der letzten 5 Jahre 12,1 % 1997/1998 1998/1999 1999/2000 2000/2001 2001/2002 2002/2003 2003/2004 2004/2005 2005/2006 2006/2007 2007/2008 2008/2009 2009/2010 2010/2011 2011/2012 2012/2013 2013/2014 2014/2015 2015/2016 2016/2017 2017/2018 2018/2019 Brasilien wird aktuell deutlich weniger Zucker auf den Weltmarkt exportieren, dafür aber wird Indien seine große mit staatlichen Mitteln „gedopte“ Ernte im eigenen Land nicht los. Dennoch ist der „Weltmarktzuckerpreis“ in den letzten Wochen angestiegen, insbesondere für spätere Termine ab kommenden Herbst. Verbunden mit der kleinen Zuckerernte in der EU wirkt sich diese Entwicklung positiv auf die EU- Weißzuckerpreise aus. Auch die Süßwarenhersteller haben bemerkt, dass in Europa der Zucker knapper wird und versuchen sich daher mit längerfristigen Kontrakten einzudecken, da sie steigende Preise erwarten. Quelle: USDA, Stand Nov. 2018

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