Zuckerrüben Journal Nr. 01/2023

10 | Zuckerrübenjournal LZ 8 · 2023 | A K T U E L L E S | P O L I T I K | M A R K T | B E T R I E B S W I R T S C H A F T A N B A U T E C H N I K | Z U C K E R | W enn der Kommissionsvorschlag der EU zur nachhaltigen Ver- wendung von Pflanzenschutzmitteln so umgesetzt würde, wie er aktuell ist, werden in Nordrhein-Westfalen 2030 rund 90 % der Flächen ohne Pflanzen- schutzmittel auskommen müssen“, so Bernhard Conzen, Vorsitzender des Rheinischen Rübenbauerverbandes. „Selbst, wenn Landschaftsschutzgebie- te noch herausgenommen werden, bleiben immer noch 50 % der Fläche übrig, die nicht mehr behandelt wer- den dürfen“, beschrieb Conzen ein düsteres Szenario. Hinzu kämen eine umfangreiche Aufzeichnungspflicht und Kontrollen. Natürlich seien Ziele, wie die Förderung der Biodiversität und eine weitere Reduktion des Pflan- zenschutzmitteleinsatzes, durchaus begrüßenswert. Nicht berücksichtigt würden allerdings bereits erbrachte Leistungen, denn der Pflanzenschutz- mitteleinsatz sei bereits deutlich redu- ziert worden, so Conzen. Vorschlag muss weg Der Zuckerrübenanbau sei besonders betroffen. „Wir rechnen beim Wegfall von Pflanzenschutzmitteln mit einer erheblichen Reduzierung des Rüben- ertrags im zweistelligen Prozentbe- reich. Das Risiko vollständiger Ernte- ausfälle steigt deutlich. Am Ende ist mit einem weiteren Rückgang der EU- Zuckerrübenanbaufläche und der Schließung weiterer Zuckerfabriken zu rechnen. Europa verliert so seine Ernährungssouveränität.“ Der Deut- sche Bauernverband und die deutsche Zuckerwirtschaft fordern deshalb, den Vorschlag komplett zurückzuziehen. „Wir hoffen, dass das Papier im Euro- päischen Parlament blockiert wird und damit neu verhandelt werden muss“, so Conzen. Derzeit diskutiere man mit vielen Akteuren in Europa und Deutschland, aber auch mit anderen Verbänden auf nationaler und EU- Ebene. Es sei unverzichtbar, an diesem wichtigen Thema dranzubleiben und das Schlimmste zu verhindern. Der EU-Agrarkommissar Janusz Woj- ciechowski stehe auf der Seite der Landwirtschaft. Nachhaltige Zuckererzeugung Eine nachhaltige Zuckererzeugung und CO 2 -neutraler Zucker sind bei Pfeifer & Langen ein großes Thema, wie Uwe Schöneberg, Geschäftsführer Pfeifer & Langen, erklärte. „Erfreuli- cherweise wollen unsere europäischen Kunden Zucker aus Rüben haben. Hier findet ein Umdenken statt. Damit kön- nen wir den Landwirten langfristige Perspektiven bieten.“ „Die Zuckerwirtschaft ist nachhaltig und betreibt eine komplette Kreislauf- wirtschaft“, betonte Dr. Hermann Schmitz von Pfeifer & Langen. Alle Teile der Rübe würden verwertet. Und der Zucker werde zu 50 % unverpackt vermarktet, die übrigen Produkte seien zu 99 % in Papier gepackt, das sei eben- falls nachhaltig. Die Herausforderung bei der Zuckererzeugung sei der hohe Energiebedarf. Bis spätestens 2040 soll die Produktion bei Pfeifer & Langen klimaneutral werden. Bereits seit 1990 seien die CO 2 -Emissionen an den deut- schen Standorten um 60 % reduziert worden. „Unser oberstes Ziel ist es, weiter Energie einzusparen. Zusätzlich setzen wir auf alternative Energieträger, wie Pellets und Schnitzel aus Rüben oder auch Holz, die für die energetische Ver- sorgung der Fabriken verwendet wer- den sollen.“ Leider seien diese Bemü- hungen durch den Ukrainekrieg unter- brochen worden, denn im letzten Jahr habe man zur Energiesicherung der Zuckerfabriken auch auf Schweröl als Energieträger zurückgreifen müssen. Trotzdem werde man an der Strategie 2030 „regional, nachhaltig, gemeinsam“ festhalten. Dazu gehöre auch, gemein- sam mit der Praxis an Lösungen zu arbeiten, um nicht nur die Fabriken, sondern auch den Zuckerrübenanbau noch nachhaltiger zu gestalten, so Dr. Schmitz. Abschließend erklärte er, dass eine CO 2 -neutrale Zuckerproduktion möglich sei. Die Digitalisierung bringe Effizienz vom Feld bis zum Kunden und die Rübe sei nachhaltig und werde langfristig gebraucht. Zukunft der Züchtung Welche Anforderungen werden an die Züchtung in Zukunft gestellt? Dieser Frage ging Dr. Erwin Ladewig vom Institut für Zuckerrübenforschung in Göttingen nach. „Die Züchtung muss Lösungen für aktuelle Herausforde- rungen liefern, dies können zum Bei- spiel der Wegfall von Pflanzenschutz- mitteln sein oder auch neue Schad- insekten. Weitere Aspekte sind Wir- kungsverluste durch Resistenzen und der Klimawandel.“ Leider werde die Umsetzung dieser Ziele nicht so schnell gehen, wie sich die Praxis das erhoffe. Oberstes Ziel sei immer die Ertragssteigerung gewesen, die bei 1,5 % pro Jahr Bereinigtem Zuckerertrag liege. Jedoch stoße man irgendwann an biologische Grenzen. Würden ganz neue Züchtungsziele in eine Sorte integriert, sei die Prämisse zunächst immer, das vorhandene Ertragsniveau zu halten, bevor es um Ertragssteigerungen ginge, weil die Anforderungen an neue Sorten immer komplexer würden. Bewährt habe sich in der Vergangenheit das integrierte Sortenprüfsystem bei der Zuckerrübe. Hier arbeiten viele Organisationen zusammen, um repräsentative bundes- weite Ergebnisse zu erzielen. Als Beispiele für eine gelungene Resistenzzüchtung nannte Dr. Lade- wig die Cercosporatoleranz. „Blattge- sunde Sorten sind im Kommen und haben den Vorteil, dass die Umwelt durch weniger Fungizidbehandlungen geschont wird.“ Aktuell forsche man am Institut für Zuckerrübenforschung an der Genomeditierung der Zuckerrübe. Diese Methode, auch als CRISPR/Cas bekannt, könne die Entwicklung neuer Eigenschaften bei Zuckerrüben von Beim Pflanzenschutz kann sich viel ändern Die Zukunft des Pflanzenschutzmitteleinsatzes, eine nachhaltige Zuckererzeugung, Conviso Smart und die Rübenzüchtung, Biostimulanzien, aber auch die mechanische Unkrautbekämpfung und nematodentolerante Sorten waren Themen bei der Bera- tertagung der Arbeitsgemeinschaft Zuckerrübenanbau Ende Januar in Düren.

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