Zuckerrüben Journal Nr. 01/2023
LZ 8 · 2023 Zuckerrübenjournal | 11 | Z U C K E R | T E C H N I K A N B A U B E T R I E B S W I R T S C H A F T | M A R K T | P O L I T I K | A K T U E L L E S | etwa zehn bis zwölf Jahren bei der gängigen Resistenzzüchtung auf vier bis sechs Jahre reduzieren. Es gebe aber noch einige Herausforderungen bei dieser Methode, die weiter erforscht werden müssten. Außerdem sei das Verfahren im Moment nicht erlaubt für die herkömmliche Züch- tung. Weitere Ansatzpunkte für Züchtung seien die Viröse Vergilbung an Zucker- rüben und das Thema Trockenstress, das schon seit 15 Jahren behandelt werde und jetzt wieder Aktualität erlange. „Es entwickelt sich vieles in der Züchtung zum Positiven. Basis für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Sorten bleibt ein solides und effizi- entes Prüfsystem.“ Mehr Ertrag durch Stimulanzien? Sind Biostimulanzien ein Thema für den Zuckerrübenanbau? Dieser Frage ging Holger Fechner von der Landwirt- schaftskammer Nordrhein-Westfalen nach. Im Zuckerrübenanbau werde immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, die Effizienz des Anbaus wei- ter zu steigern. Deshalb stelle sich die Frage, ob Biostimulanzien hier helfen könnten. „Viele Produkte werden zur- zeit getestet, aber klare Beratungsaussa- gen dazu gibt es noch nicht“, betonte Fechner. Als Biostimulanzien bezeich- net man eine Vielzahl verschiedener Stoffe, die zum Beispiel aus Pflanzen oder Pflanzenextrakten, aus Kompost oder aus Nebenprodukten der Nah- rungsmittelindustrie, aus Mikroorganis- men, Pilzen, Aminosäuren oder vielen weiteren Komponenten bestehen könn- ten. Aktuell gebe es rund 200 Hersteller in der EU und man erwarte ein jährli- ches Wachstum von 10 bis 12 %. Führend in der Forschung zur Wirk- samkeit von Biostimulanzien sei die Universität Hohenheim. Hier wurden verschiedenste Stoffe in Weizen, Mais und Tomate sowohl im Unterglas- als auch im Freilandanbau getestet. „Das Ergebnis zeigt, dass in etwa 70 % der 1 100 Versuchsvarianten keine Ertrags- oder Wachstumsförderung festzustel- len sind“, so Fechner. Tatsächlich wür- den diese Produkte in der Regel mit einer höheren Ertrags- oder Stresssta- bilität gegenüber abiotischen Faktoren beworben, nicht unbedingt mit höhe- ren Erträgen. Fechner wies darauf hin, dass man- che Produkte Stickstoff oder Phosphor enthalten und deshalb bei der Doku- mentation für die Düngeverordnung anzugeben sind. Auch für den Einsatz in Zuckerrü- ben gebe es einige Biostimulanzien. Die Landwirtschaftskammer Nieder- sachsen hat dazu Versuche mit Phos- phonaten durchgeführt. Sie enthalten Bakterien, die den Nitratabbau im Boden anregen und dadurch eine posi- tive Wirkung auf die Wurzelbildung der Zuckerrübe haben sollen. Eine Wirkung war optisch sichtbar im Juni, die Zuckerrüben waren grüner, aber diese Effekte verloren sich im Laufe der Vegetation wieder. Auch die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen führe aktuell Ver- suche in Winterweizen und Winter- raps durch. Fechner betonte abschlie- ßend, dass Biostimulanzien möglicher- weise den Werkzeugkasten zur Steige- rung der Effizienz erweitern könnten, vorher sollten aber unbedingt alle bekannten landbaulichen Werkzeuge wie eine gezielte und präzise Düngung mit den Hauptnährstoffen durchge- führt werden. Landwirte sollten Pro- dukte in kleinem Umfang testen und die Wirkung genau beobachten. Conviso Smart in Europa Ein weiterer Schwerpunkt der Berater- tagung war das Thema Conviso Smart. Aktuell gibt es drei klassisch gezüch- tete Zuckerrübensorten, die resistent sind gegen das Herbizid Conviso One, siehe auch Artikel Seite 13. Nach Anga- ben von Andreas Lagemann von Bayer CropScience, dem Hersteller des Her- bizids, sind international rund 800 000 ha im Anbau. Alexander Krick von der Europäi- schen Vereinigung der Zuckerrü- benanbauer (CIBE) gab einen Über- blick über den Einsatz von Conviso in Europa. „Nach der Markteinführung von Conviso im Jahre 2018 starteten 2019 gleich zehn Länder mit der Ein- führung. In diesem Jahr kommen dann auch die beiden großen zuckerrüben- anbauenden Länder in Europa, Deutschland und Frankreich, dazu“, so Krick. Einige Länder in Europa haben einen relativ hohen Anteil an Conviso- Smart-Rüben im Anbau, wie zum Bei- spiel Slowenien und Tschechien mit 80 und 70 %, Großbritannien, Litauen und Rumänien mit 60 %, Schweiz, Ungarn und Finnland mit jeweils rund 50 % sowie Polen und Österreich mit je 40 %. Die Gründe für den Einsatz werden einerseits mit dem relativ einfachen Verfahren angegeben. Daneben könne man mit Conviso-Smart-Flächen für den Rübenanbau zurückgewinnen, auf denen bisher aufgrund von Wildrüben und hohem Unkrautdruck keine Rüben angebaut werden konnten. Dies werde besonders in der Schweiz so gesehen. Schweden und Italien liegen mit 20 % im Mittelfeld. Auf der ande- ren Seite gibt es Länder, die nur einen geringen Anteil Conviso-Smart-Rüben aufweisen. Besonders kritisch werde das System in den Niederlanden gese- hen. Hier müssen Landwirte den Nach- weis erbringen, dass sie das System unbedingt benötigen, berichtete Ale- xander Krick. Dementsprechend werde der Anteil bei unseren Nachbarn auf unter 5 % geschätzt. Auch Belgien, Frankreich und Deutschland werden mit Anteilen zwischen 5 und 10 % eher im unteren Bereich erwartet. Das System habe Zukunft, wenn es keine Resistenzentwicklungen gebe, die Erträge der resistenten Sorten ver- bessert würden und vielleicht auch Eine nachhaltige Energieversor- gung der Zucker- fabriken ist ein großes Thema, das durch den Ukrainekrieg nicht einfacher geworden ist. Foto: Pfeifer & Langen
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