Zuckerrüben Journal Nr. 01/2023

12 | Zuckerrübenjournal LZ 8 · 2023 | A K T U E L L E S | P O L I T I K | M A R K T | B E T R I E B S W I R T S C H A F T A N B A U T E C H N I K | Z U C K E R | Mehrfachtoleranzen oder -resistenzen möglich seien, so Krick. Unkrautbekämpfung der Zukunft? Wo steht der Pflanzenschutz mit kame- ragesteuerten Hacken? Clemens Eßer vom Landwirtschaftlichen Informa- tionsdienst Zuckerrübe (LIZ) gab einen Überblick. Bei der mechanischen Unkrautbekämpfung in Rüben könnten Herbizide eingespart werden, wobei die Einsparungen von der Hacke mit Bandbehandlung über die Band- oder Spotbehandlung bis zum autonomen Hackroboter immer größer würden. Ausgereift sei das Verfahren Hacke mit Bandbehandlung. Bis zu 70 % weni- ger Herbizide seien damit möglich und zwei Arbeitsgänge könnten mit einer Überfahrt erledigt werden. Das sei dann auch die Herausforderung, denn für das Hacken brauche man eher tro- ckene Bedingungen, für das Spritzen eher feuchte, betonte Clemens Eßer. Außerdem müsse bei der Saat exakt gearbeitet werden und die Schlagkraft sei nicht so hoch wie bei der Flächen- spritzung – was übrigens für alle mechanischen Verfahren zutreffe. In ebenem Gelände könne die Bandspritzung auch mit der klassi- schen Pflanzenschutzspritze mit spezi- ellen Düsen ausgebracht werden, wie zum Beispiel bei dem Verfahren von Amazone. Hier sei es wichtig, dass das Band nicht zu schmal, sondern breiter als 25 cm sei. So seien Herbizideinspa- rungen von 50 % möglich. Die nächste Stufe ist eine Spotbehandlung mit Kamerasteuerung, bei der Flächen von 40 x 60 cm gezielt behandelt werden können. Dieses Verfahren sei noch nicht in Serie, verspreche aber eine hohe Schlagkraft. Wesentlich kleinere Flächenausschnitte werden bei der bodengeführten Spotbehandlung behandelt. Eßer stellte das Verfahren von Ecorobotix vor, bei dem kamerage- steuert kleine Flächen von 6 x 6 cm behandelt werden, wenn die Kamera dort Unkräuter erkennt. Die Düsen sind im Abstand von 4 cm angebracht, das Verfahren soll 4 ha/h bei einer Fahrgeschwindigkeit von 7 km/h bei einer Arbeitsbreite von 6 m schaffen. Es arbeitet tageslichtunabhängig, da die Spritzeinheit in einem geschlosse- nen Gehäuse angebracht ist. „Das Gerät kostet etwa 100 000 € und ist bereits auf dem Markt“, so Eßer. Grundsätzlich müsse man sich die Frage stellen, wie groß die Spots, also die behandelte Fläche sein müsse. Je nach Düsengröße könnten Flächen von 6 x 6 cm bis 40 x 60 cm behandelt werden. Intensive Entwicklungsarbeit Zum Schluss stellte Clemens Eßer die Versuche von Pfeifer & Langen mit dem autonomen Hackroboter Farming GT vor, die er auf Flächen in seinem eigenen Betrieb betreut hat. Der Robo- ter erkennt über Kameras die Unkräu- ter und hackt nicht nur zwischen den Reihen, sondern auch mit schwenkba- ren Armen in der Reihe zwischen den Rüben. Durch die intensive Zusam- menarbeit mit der Herstellerfirma konnten innerhalb von zwei Jahren enorme Fortschritte an der Maschine und ihrer Arbeitsqualität erreicht wer- den, so Eßer. „Wir wollen eine praxis- nahe Entwicklung für die Zuckerrübe und ohne eine intensive Betreuung der Maschinenentwicklung kommen wir hier nicht weiter. Wir haben die Exper- tise in Sachen Rüben, deshalb machen wir auch weiter“, betonte Clemens Eßer. Vieles funktioniere bei dem Hackroboter schon sehr gut, wie die Navigation, die Lenkung und Traktion oder auch das Vorgewendemanage- ment. Allerdings seien die Fräswerk- zeuge noch recht verschleißanfällig und man müsse noch an der Auswahl der Werkzeuge je nach Unkrautart und -größe arbeiten. Dies stünde deshalb auf dem Plan für dieses Jahr. „Außer- dem sollen die Rüben bei spätem Hacken durch Abstreifer geschützt werden und die Firma will an schnel- leren Wendemanövern arbeiten.“ Vorsicht Nematodengefahr „Nematoden, wie Heterodera schachtii, begleiten den Rübenanbau seit 150 Jah- ren, die nematodentoleranten Sorten sind seit 2005 im Anbau“, so Dr. Mat- thias Daub vom Julius Kühn-Institut. Inzwischen zeige sich jedoch, dass diese Sorten nicht mehr unbedingt den Nematodenbesatz senken, sondern zum Teil sogar zur Vermehrung von Nema- toden führen. Liegt die Vermehrungs- rate einer Sorte zwischen 1 und 2, senkt sie den Nematodenbesatz, viele NT-Sor- ten hätten inzwischen Werte von 3 bis 4 und damit stiegen die Nematodenwerte im Boden. „Die Ursachen hierfür sind noch nicht bekannt, sie könnten in der Biologie der Nematoden liegen oder auch im Klima. Fakt ist aber auch, dass die Schäden durch Nematoden durch die Toleranz der NT-Sorten optisch nicht so sichtbar sind. 1,5 bis 3 t/ha Bereinigter Zuckerertrag können aber verloren gehen“, so Dr. Daub. Wichtig sei deshalb ein integriertes Nematodenmanagement, Landwirte dürften sich nicht nur auf die NT-Sorten verlassen. Ein Abstand in der Frucht- folge von mindestens zwei Jahren auch mit anderen Wirtspflanzen wie Kohl sei unbedingt einzuhalten. Außerdem müsse die Unkrautkontrolle mit der Ausfallrapsbekämpfung unbedingt ein- gehalten und nematodenreduzierende Zwischenfrüchte genutzt werden. Natascha Kreuzer Der Ecorobotix Feldroboter erkennt per Kamera Unkräuter und kann Flächen von 6 x 6 cm gezielt behandeln. Foto: Werkfoto Dr. Erwin Ladewig … … war zum letzten Mal als Referent bei der Beratertagung in Düren Ende Januar zu Gast. Ende März geht der verdiente Wissenschaftler in Ruhestand. Seit 1992 forschte er am Institut für Zuckerrüben- forschung in Göttingen. ■

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