Zuckerrüben Journal Nr. 01/2023

Der Frosteinbruch in der ersten Dezemberhälfte setzte allen zu: Anbauern, Transporteuren, Zuckerfabrik und natürlich den Rüben selbst. Foto: Dr. Peter Kasten W eit verbreitet war die Hoffnung, dass man nach den Extremsom- mern von 2018 bis 2020 auch 2022 wie- der ähnlich wie im Jahr zuvor mit mo- deraten Temperaturen und gleichmä- ßig verteilten Niederschlägen ein gu- tes Ertragsergebnis erzielen könnte. Das Frühjahr war zwar insgesamt tro- cken, die Rüben wuchsen aber den- noch kontinuierlich und präsentierten sich Anfang Juli sehr vielversprechend. Die zweimonatige Dürre im Juli und August beendete allerdings auf vielen Standorten die Hoffnung auf einen Spitzenertrag. Je nach Bodengüte und lokalem Niederschlag gingen die Zuckerrüben im rheinischen Anbauge- biet sukzessive in Welketracht über. Lediglich auf den tiefgründigsten Standorten hielten die Rüben bis zum Wiedereinsetzen der Niederschläge Enge August/Anfang September durch. Zum Glück kam der Regen 2022 aber eher als in vorherigen Trocken- jahren und nach einer Adaptionsphase konnten sich noch viele Bestände re- generieren. Nur auf zu stark trockenge- schädigten Flächen konnte kein we- sentlicher Ertragszuwachs mehr er- zielt werden. Herausforderung Kampagnebeginn Im Hinblick auf den Kampagnebeginn steckte man in einem Dilemma. Die im Herbst noch sehr unsichere Gasversor- gung der Zuckerfabriken hätte eigent- lich einen frühzeitigen Kampagnebe- ginn erfordert, um die Kampagne mög- lichst früh und vor Beginn der Haupt- heizperiode zu beenden. Das stand aber dem Ziel entgegen, einen mög- lichst hohen Rüben- und Zuckerertrag zu erzielen. Das vollständige Umstel- len der Energieversorgung in Appel- dorn und Euskirchen von Gas auf Öl beziehungsweise Kohle machte es ver- antwortbar, den Kampagnestart in Jülich um eine Woche auf den 19. Sep- tember, in Appeldorn um zwei Wochen auf den 27. September und im von der Trockenheit besonders betrof- fenen Gebiet Euskirchen sogar um drei Wochen auf den 4. Oktober zu verle- gen. Die Rüben dankten die verlän- gerte Wachstumszeit. Trotz der som- merlichen Trockenheit und des teils massiven Cercorspora-Befalls im Herbst konnte mit durchschnittlich 79,2 t/ha Rübenertrag und 17,0 % Zuckergehalt noch ein Zuckerertrag in Höhe von 13,4 t/ha erzielt werden. Damit liegt man im Vergleich zu den Vorjahren immerhin auf mittlerem Niveau (siehe Grafik). Die hinzuge- wachsenen Zuckermengen konnten in einen Markt mit steigenden Zucker- preisen verkauft werden und verscho- ben damit das gesamte Preisgefüge nach oben – gut für die Rübenbauern und gut für das Zuckerunternehmen. Trockenheitsbedingt zeigten sich wieder große Ertragsunterschiede innerhalb des rheinischen Anbauge- biets (siehe Tabelle). Nach den sehr homogenen Ernteergebnissen des Jah- res 2021 schwankten die Erträge im abgelaufenen Rübenjahr schlagspezi- fisch von knapp 40 t/ha bis deutlich über 100 t/ha. Die hohen Rübenpreise sind natürlich für ertragsstarke Stand- orte sehr erfreulich. Auf den von Tro- LZ 8 · 2023 Zuckerrübenjournal | 3 | Z U C K E R | T E C H N I K | A N B A U | B E T R I E B S W I R T S C H A F T | M A R K T | P O L I T I K A K T U E L L E S | Highlights und Herausforderungen 2022/23 war ein wechselhaftes Rübenjahr. Auf der einen Seite trübten der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, unsichere Agrar- und Rohstoffmärkte sowie die aber- maligenWetterkapriolen die Stimmungslage. Die erfreuliche Preisentwicklung bei Zucker und Rüben verbesserte aber auf der anderen Seite die Laune der Rübenanbauer.

RkJQdWJsaXNoZXIy ODA5MjY=