Zuckerrüben Journal Nr. 01/2023

4 | Zuckerrübenjournal LZ 8 · 2023 A K T U E L L E S P O L I T I K | M A R K T | B E T R I E B S W I R T S C H A F T | A N B A U | T E C H N I K | Z U C K E R | biet. Relativ plötzlich begann eine Wetterphase mit Dauerfrost und nächtlichen Tiefsttemperaturen von unter – 10 °C. Dank einer guten Mieten- schutzlogistik war zu Frostbeginn der allergrößte Teil der noch im Feld befindlichen Rüben gerodet und mit Vlies abgedeckt. Einige Hundert Hek- tar jedoch steckten noch im Boden, was angesichts der lange Zeit guten Rodebedingungen und der Tatsache, dass Rüben spätestens ab der dritten Novemberdekade nicht mehr an Wachstum zulegen, bedauerlich war. Ernte, Verladung und Verarbeitung dieser Rüben wurden nach dem Ende der Frostperiode, dazu einsetzenden Niederschlägen und einem plötzlichen Temperaturanstieg innerhalb von 48 Stunden auf zweistellige Plusgrade zu einer großen Herausforderung. Da die Zuckerfabrik Jülich die Rübenannahme bereits am 24. Dezem- ber beendet hatte, betraf dieses Pro- blem noch die Standorte Appeldorn und Euskirchen. Der starke Frost beeinflusste aber auch die Qualität abgedeckter Rüben, denn vor zweistel- ligen Minustemperaturen schützt auch Rübenvlies nicht mehr vollumfänglich. Auch diese Rüben begannen durch die hohen Temperaturen ab Weihnachten allmählich umzusetzen. Für die Verar- beitbarkeit zählte praktisch jede Stunde. Es gelang schließlich, noch alle Rüben in die Zuckerfabriken und in die Verarbeitung zu bekommen. Einzelne Flächen, die erst nach Weihnachten gerodet wurden, hatten mit teils hohen Verlusten und Abzügen infolge der Frostschäden zu kämpfen. Für alle ter- mingerecht gerodeten und abgedeck- ten Rüben werden die durch Frost ent- standenen Ertragsschäden aus dem Fonds gegen Frostschäden voll ausge- glichen. Anbauausdehnung für 2023 prüfenswert Infolge der hohen Zucker- und Rüben- preise kann das Zuckerwirtschaftsjahr 2022/23 insgesamt mit einem wirt- schaftlich erfreulichen Ergebnis abge- schlossen werden. Auch für das kom- mende Anbaujahr gibt es gute Gründe, eine Ausdehnung der Rübenanbauflä- che zu erwägen: 1. Marktlage Für das Anbaujahr 2023 beziehungs- weise das Zuckerwirtschaftsjahr 2023/24 sind nach Aussagen vieler Marktanalysten und laut Pfeifer & Lan- gen ebenfalls Rübenpreise auf hohem Niveau zu erwarten, siehe auch Artikel Seite 6. Der Rübenanbau wird damit auch im anstehenden Jahr wirtschaft- lich attraktiv sein. 2. Unkrautbekämpfung Viele Anbauer – nicht nur im Rüben- sektor – sorgen sich um ausreichend gute Unkrautbekämpfungsmöglich- keiten. Für das Anbaujahr 2023 steht im Rübenanbau nicht nur das bekannte Herbizidspektrum der ver- gangenen Jahre zur Verfügung, son- dern darüber hinaus mit dem Con- viso-Smart-System eine wichtige Erweiterung. 3. Stickstoffdüngung Für Betriebe, die in Roten Gebieten wirtschaften, kann die Zuckerrübe mit einem Stickstoffdüngebedarf, der in der Regel unter dem eigentlichen Stickstoffbedarf liegt, eine wichtige Komponente im Anbauspektrum und im betrieblichen Stickstoffmanage- ment sein. 4. Fruchtwechsel auf Ackerland Diese Vorgabe der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) wurde für das Anbaujahr 2023 wegen des Ukraine- kriegs und der allgemeinen Marktlage zwar ausgesetzt, bleibt aber Bestand- teil der neuen GAP. Der Rübenanbau kann gerade für winterungsbetonte Fruchtfolgen eine pflanzenbaulich und phytosanitär sinnvolle Anbauerweite- rung darstellen. Noch bis zum 31. März können Ver- tragsmengen für 2023 kontrahiert wer- den. Die jeweiligen Anteile von Flex- preis- und Sicherheitsmodell bestim- men die Betriebe selbst. Dr. Peter Kasten, Rheinischer Rübenbauer-Verband e.V. ckenheit betroffenen Schlägen halfen sie, Erlösausfälle infolge von Minder- erträgen abzupuffern. Probleme durch Schädlinge, Krankheiten und Frost Insgesamt war das Rübenjahr pflan- zenbaulich anspruchsvoll. Infolge der Trockenheit hatten die Anbauer im Sommer auch mit Spätverunkrautung und Rübenmottenbefall zu kämpfen. Regional trat überdies Rotfäule auf. Mit dem Regen kam im Herbst teils massiver Cercosporabefall in die Bestände. Die Viröse Rübenvergilbung zeigte sich auf zahlreichen Flächen. Insgesamt blieb das Schadensmaß aber überschaubar dank eines effekti- ven Blattlausmonitorings, eines ausrei- chend großen insektiziden Wirk- stoffspektrums und gut terminierter Insektizidapplikationen. Als wäre dies nicht schon genug an Herausforderungen, setzten schließlich auch noch zweimal Fröste der rheini- schen Anbauerschaft zu. Zu Beginn der dritten Novemberdekade traf ein Nachtfrost von örtlich bis zu – 9 °C vor allem den nördlichen Teil des Appel- dorner Anbaugebiets. Bereits gerodete, aber noch nicht mit Vlies abgedeckte Rüben aus der betroffenen Region galt es, zeitnah zur Verarbeitung in die Zuckerfabrik zu bekommen. Die Frostperiode in der zweiten Dezemberwoche hatte Auswirkungen auf das gesamte rheinische Anbauge- Rüben- und Zuckererträge im Rheinland 2022/23 Rübenertrag in t/ha Zuckergehalt in % Zuckerertrag in t/ha Appeldorn 78,7 16,7 13,1 Jülich 85,1 16,9 14,4 Euskirchen 70,9 17,4 12,3 Rheinland gesamt 79,2 17,0 13,4 Rübenerträge und Zuckergehalte im rheinischen Anbaugebiet 2008 bis 2022 65,6 71,8 69,3 77,3 74,5 74,7 88,8 77,6 72,3 87,6 61,6 75,5 75,0 86,6 79,2 15,0 15,5 16,0 16,5 17,0 17,5 18,0 18,5 19,0 19,5 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2018/19 2019/20 2020/21 2021/22 2022/23 Zuckergehalt in % Rübenertrag in t/ha Rübenertrag in t/ha Zuckergehalt

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