Zuckerrüben Journal Nr. 01/2023
LZ 8 · 2023 Zuckerrübenjournal | 5 Zuckerwirtschaft ist bereit, klimaneutral zu produzieren Die Zuckerindustrie steht in den Startlöchern, um ihre Energieversorgung CO 2 -neutral und unabhängig von Energieimporten zu gestalten. Als eine der ersten Branchen wurde dafür ein konkreter Zeitplan erarbeitet. Er zeigt, dass die Energieversorgung auf Biogas und Pressschnitzel umgestellt werden muss, um ausreichend schnell fos- sile Brennstoffe zu ersetzen. Pressschnitzel könnten der Ener- gieträger der Zukunft für die Zuckerfabriken werden, wenn die EU das erlauben würde. Foto: Peter Hensch P ressschnitzel bleiben bei der Zu- ckergewinnung als Reststoffe üb- rig. Mit nur 50 bis 70 % dieser Reststof- fe kann die Energieversorgung der Fa- briken sichergestellt werden – eine Win-win-Situation für das Klima und eine weiterhin sichere Lebensmittel- versorgung. Die Technik ist heute ver- fügbar und man könnte mit der Um- stellung beginnen. Was dafür gebraucht wird, ist eine Ergänzung der „Renewable Energy Directive III“ (RED III) der EU, die sich aktuell im Trilogverfahren befindet. Zuckerrübenschnitzel müssen als CO 2 - neutrale Energiequelle aufgenommen werden. Gelingt dies nicht, müsste die Zuckerwirtschaft für die Nutzung der Reststoffe teure CO 2 -Zertifikate erwer- ben und hohe Steuern zahlen. Die Existenz der Zuckerwirtschaft in Deutschland wäre gefährdet. Gleich- zeitig wären für Reststoffe aus der Zuckerrohrproduktion aus Brasilien, die Bagasse, mit 10 000 km Transport- weg keine CO 2 -Zertifikate nötig. Für diesen Vorschlag gibt es gute Argumente: ◾ Teller, Trog und Klima – Auch künf- tig werden Zuckerrüben in der Zuckerfabrik vor allem für die Her- stellung von Lebensmitteln genutzt. Vom Reststoff Zuckerrübenschnit- zel werden lediglich 50 bis 70 % für die klimaneutrale Energiegewin- nung benötigt. Die restliche Menge könnte weiterhin als Futtermittel eingesetzt werden. ◾ Ausreichend Tierfutter bleibt – Rübenschnitzel machen mit etwa 1 bis 2 % einen sehr geringen Teil auf dem Futtermittelmarkt aus. Es ist als kohlenhydratreiches Futtermit- tel kein Ersatz für Sojaimporte. Zudem ist die Produktion CO 2 - intensiv: Bevor Rübenschnitzel ver- füttert werden, müssen sie getrock- net und transportiert werden. Noch dazu wird der Bedarf an Futtermit- teln mit einer angestrebten Reduk- tion der Tierhaltung sinken. Schon heute werden Rübenschnitzel als Futtermittel bereits weit exportiert. ◾ Strombetrieb oder Wasserstoff nicht realistisch: Der Weg zur Kli- maneutralität zeigt, dass Energie- quellen wie Elektrifizierung oder Wasserstoff aufgrund der fehlenden Infrastruktur in ländlichen Räumen scheitern. Die Netze können die erforderliche Menge Energie nicht bereitstellen. Zudem würde die Zuckerwirtschaft beim Wasserstoff in Konkurrenz mit Branchen wie Stahl und Chemie stehen, die für das Erreichen der Klimaneutralität auf Wasserstoff angewiesen sind. ◾ Unterstützung der klimapolitischen Ziele: Die Energieerzeugung aus Rübenschnitzeln unterstützt die kli- mapolitischen Ziele der EU und Deutschlands. Die Energie wird ausschließlich für die Rübenverar- beitung verwendet. Für die Nut- zung von Biogas aus Rübenschnit- zeln werden keine zusätzlichen Anbauflächen erforderlich sein, denn die Reste bleiben bei der Zuckergewinnung einfach übrig. Damit diese große Chance für den schnelleren Klimaschutz in einer gesamten Branche nicht verstreicht, wirbt die Zuckerwirtschaft derzeit um Unterstützung bei der Politik. Dabei geht es vor allem darum, dass Zucker- rübenschnitzel als klimaneutrale Ener- gieträger in der RED III berücksichtigt werden. Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) | Z U C K E R | T E C H N I K | A N B A U | B E T R I E B S W I R T S C H A F T | M A R K T | P O L I T I K | A K T U E L L E S |
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy ODA5MjY=