Zuckerrüben Journal Nr. 01/2023
6 | Zuckerrübenjournal LZ 8 · 2023 | A K T U E L L E S | P O L I T I K M A R K T B E T R I E B S W I R T S C H A F T | A N B A U | T E C H N I K | Z U C K E R | Zuckerpreise auf Rekordjagd Die Zuckerpreise waren im Laufe des Jahres 2022 und auch im Januar 2023 auf Rekordjagd. So erreichte die Terminmarktnotierung für Rohzucker in New York am 30. Januar mit 21,30 US-Cent je amerikanisches Pfund den höchstenWert seit Februar 2017. Weißzucker hatte bereits Mitte September mit 633 US-$/t ein Zehn- Jahreshoch erreicht und die Preisnotierungen in Deutschland und der Europäischen Union erreichten zuvor nie erklommene Höhen. D ie Kommission gab den Durch- schnittspreis des im November 2022 ausgelieferten Zuckers mit 622 €/t ab Werk an. Darin sind Kon- trakte und Verträge enthalten, die bis zu einem Jahr zuvor abgeschlossen wurden. Damit liegt der Preis 208 € hö- her als im gleichen Vorjahresmonat und ist der höchste Wert seit Einfüh- rung der Preisberichterstattung. Die Preise lagen dabei in einer weiten Spanne zwischen 588 und 815 €/t je nach Region in der EU. Die Spotpreise für Zucker für den sofortigen Bedarf notierten S & P Global zufolge zeit- gleich deutlich höher bei 1 050 €/t auf ausgelieferter Basis. Die Ursachen für das derzeit feste Preisumfeld sind vielfältig. Zum einen zu nennen sind hier natürlich die in der Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine erheblich gestiegenen Gas- und sonstigen Energiekosten, die für die sehr energieintensive Zuckerer- zeugung eine direkte Erhöhung der Produktionskosten zur Folge haben. Neben den energiepreisbedingten, steigenden Kosten für die Verarbei- tung und den Transport der Rüben wurden aber auch deutlich höhere Rübenpreise notwendig, da die stei- genden Energiepreise für die Land- wirte auch zu deutlich steigenden Pro- duktionskosten führen, zum Beispiel über die höheren Betriebskosten für landwirtschaftliche Geräte, höhere Preise für Dünge- und Pflanzenschutz- mittel, höhere Kosten für Bewässerung oder Löhne. Das abermals ungünstige Sommer- wetter und die daraus resultierende kleine Rübenernte und Zuckerproduk- tion in der Europäischen Union im aktuellen Wirtschaftsjahr 2022/23 tra- gen ebenfalls zur Hochpreissituation bei. Für die Terminmarktnotierungen in London und New York ist nicht zuletzt die angespannte Versorgungs- lage auf dem Weltmarkt anzuführen. So gab es im Herbst 2021/22 mit 3,0 Mio. t das dritte Defizitjahr in Folge. Wie üblich zu dieser Jahreszeit spielen auch die Erwartungen bezüg- lich des Endes der im März begonne- nen Zuckerrohrkampagne in Brasilien sowie die Aussichten für die bereits angelaufenen Kampagnen auf der Nordhalbkugel eine erhebliche Rolle für die Preisentwicklung. Neben der europäischen Rübenzuckerproduktion sind hierbei vor allem die Prognosen für die beiden asiatischen Zuckerrohr- produzenten Indien und Thailand von Relevanz. Zuckerproduktion Brasiliens steigt Nachdem die brasilianische Zucker- rohrernte im Jahr 2021 aufgrund von Dürre- und Frostschäden um 82 Mio. t auf nur noch 523 Mio. t gesunken war, zeichnete sich aufgrund höherer Nie- derschläge bereits frühzeitig ab, dass die Rohrerträge in der im März/April begonnenen Ernte 2022 besser ausfal- len würden. Genauso ist es gekommen, wobei sich unsere Ernteprognose seit Beginn der Kampagne nicht wesent- lich geändert hat. Im Ergebnis stieg der durchschnittliche Rohrertrag in den ersten neun Monaten der laufen- den Ernte um 8,2 % auf 73,4 t je ha, nach einem Einbruch von 77,9 auf 67,8 t/ha im Vorjahr. Für das Gesamt- jahr 2022/23 rechnen wir daher aktuell mit einer Erholung der Rohrverarbei- tung um 27 auf 550 Mio. t. Bis Mitte Januar hatten die Mühlen mit 45,9 % einen leicht höheren Anteil des Rohrs als im Vorjahr für die Zucker- produktion statt für Bioethanol verwen- det und bis zu diesem Zeitpunkt bei einem etwas gesunkenen Zuckergehalt des Rohrs 33,5 Mio. t Zucker produ- ziert – rund 1,4 Mio. t mehr als zum gleichen Vorjahreszeitpunkt. Bis auf drei der 258 aktiven Mühlen in Brasili- ens Hauptanbauregion Zentrum/ Süden hatten alle Rohrmühlen bis Mitte Januar die Ernte beendet und insgesamt dürften dieses Jahr in Brasi- liens Hauptanbauregion rund 33,8 Mio. t Zucker erzeugt werden, das sind 1,7 Mio. t mehr als im Vorjahr. Gute Niederschläge in diesem Jahr lassen aktuell für 2023/24 eine weitere Erholung des Rohrertrags erwarten und einen Anstieg der Rohrverarbei- tung auf etwa 585 Mio. t. Bei einem aufgrund der guten Preise weiterhin hohen Zuckeranteil von 46 % könnte dies in der nächsten Kampagne zu einer Zuckererzeugung von 36,4 Mio. t führen – nochmals 2,6 Mio. t mehr als dieses Jahr, aber weiterhin weit unter der Rekorderzeugung des Jahres 2020/21 von 38,5 Mio. t. Indien exportiert 12 Mio. t Zucker Indien ist in den vergangenen Jahren zu einem strukturellen Überschuss- erzeuger geworden und wird in der im Herbst begonnenen Kampagne 2022/23 zum sechsten Mal in Folge mehr Zucker produzieren, als im Inland verbraucht wird. Aufgrund der gestiegenen Welt- marktpreise waren die indischen Müh- len jedoch im Zuckerwirtschaftsjahr 2021/22 in der Lage, eine Rekord- menge von 12 Mio. t Zucker zu expor- tieren, ohne dass die Regierung dafür
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