Zuckerrüben Journal Nr. 01/2023
LZ 8 · 2023 Zuckerrübenjournal | 7 | Z U C K E R | T E C H N I K | A N B A U | B E T R I E B S W I R T S C H A F T M A R K T P O L I T I K | A K T U E L L E S | Hälfte wegen Dürre und eines preis- bedingten Anbauflächenrückgangs befindet sich Thailands Zuckererzeu- gung auf dem Weg der Erholung. Wir gehen derzeit bei der Ernte von min- destens 105 Mio. t Rohr aus gegen- über 92 Mio. t im Vorjahr und nur knapp 67 Mio. t im Jahr 2020/21 aus. Damit läge sie jedoch immer noch deutlich unter den 131 Mio. t des Jahres 2018/19, als 14,7 Mio. t Zucker hergestellt wurden. Unsere Prognose für 2022/23 geht aktuell von einer weiteren Produktionserholung auf 11,8 Mio. t Zucker aus gegenüber 10,1 Mio. im Vorjahr und 7,6 Mio. t vor zwei Jahren, womit Thailand dieses Jahr ein preisdämpfender Faktor am Markt sein dürfte. EU-Zuckererzeugung vor deutlichem Rückgang Im Gegensatz dazu wird in der Euro- päischen Union mit einem deutlichen Rückgang der Erzeugung gerechnet. Während die Rübenanbaufläche 2022 EU-weit nahezu unverändert blieb – mehr in Deutschland, Konstanz in Frankreich, Rückgang in Polen –, haben Hitze und Trockenheit den Rübenerträgen und auch dem Zucker- gehalt zugesetzt. Dies läuft im Ergebnis sowohl in Deutschland als auch in Frankreich auf eine geringere Rübenernte bei gleichzeitig relativ enttäuschenden Zuckergehalten hinaus. So könnte in Deutschland der Zuckerertrag je ha laut WVZ-Schätzung auf 12,2 t zurück- gehen – ganze 2,3 t unter dem sehr guten Vorjahreswert, aber auch noch 1,3 t unter dem Fünf-Jahresschnitt. Gekoppelt mit deutlich höheren Ver- kaufspreisen für den daraus hergestell- ten Zucker zeichnet sich aber sowohl für die deutschen Rübenanbauer als auch für die Zuckerproduzenten ein gutes Jahr ab. Deutlich mehr Zucker als im Vor- jahr wird Russland 2022/23 erzeugen, der weltgrößte Rübenzuckerprodu- zent. Eine Ausweitung der Rübenan- baufläche um 2,5 % auf knapp über 1 Mio. ha im Verbund mit einem Anstieg des Rübenertrags um 16 % auf 47,6 t/ha könnten zur Erzeugung von 6,3 Mio. t Zucker führen. Russland könnte damit bis zu 0,6 Mio. t Zucker exportieren, vorwiegend nach Kasach- stan und andere Ex-Sowjetrepubliken sowie Afghanistan, die Mongolei, Nordkorea oder Serbien. Ausblick Fügt man alle Puzzleteile zusammen, ergibt sich unseren derzeitigen Prog- nosen zufolge für 2022/23 (Oktober/ September) eine Weltzuckererzeugung von 192,0 Mio. t, das sind 7,2 Mio. t mehr als im Vorjahr. Überführt in eine Weltzuckerbilanz ergibt sich hierbei 2022/23 ein Überschuss von 2,9 Mio. t. Dies wäre der erste Überschuss nach drei Defizitjahren in Folge, die die Preise zuletzt auf Mehrjahreshöchst- stände getrieben haben. Die erste Hälfte des Zuckerwirt- schaftsjahres dürfte aber weiterhin dominiert bleiben von einer generell knappen Zuckerverfügbarkeit und damit festen Preisen. Zum einen ist der für 2022/23 prognostizierte Über- schuss sehr klein, zum anderen exis- tiert er bisher nur auf dem Papier. Überraschungen im Laufe der erst im Oktober in Indien und Anfang Dezem- ber in Thailand begonnenen Rohrern- ten können hier erfahrungsgemäß noch erhebliche Auswirkungen haben. Druck auf die Weltmarktpreise könnte in diesem Szenario insbesondere ent- stehen, wenn die im März beginnende neue Kampagne in Brasilien zu einer stärkeren Fokussierung auf Zucker führen sollte als derzeit angenommen. Selbst wenn es dazu kommen sollte, wird dies die deutschen Rübenanbauer jedoch in absehbarer Zeit nicht übermä- ßig treffen. Das Zuckerangebot in der EU wird bis zum Ende des laufenden Wirtschaftsjahres knapp bleiben und zur Deckung der Nachfrage innerhalb der Union werden mangels ausreichen- der Verfügbarkeit in den Ländern mit präferenziellem Zugang zum EU-Markt wahrscheinlich sogar Importe zum vol- len Zollsatz notwendig sein, die das Preisniveau stützen. Ändern könnte sich das freundliche Preisumfeld für Land- wirte und Zuckerproduzenten, wenn es als Reaktion auf die hohen Preise im Frühjahr 2023 zu einer deutlichen Aus- weitung der EU-weiten Rübenflächen kommen sollte, erst recht, falls dies gekoppelt mit einer deutlichen Erho- lung der Zuckererträge je Hektar ein- hergeht. Bleibt dies aus, und Letzteres erscheint nach dem Urteil des Europäi- schen Gerichtshofs zur Notzulassung von Neonicotinoiden wahrscheinlicher als zuvor, dürften die Preise ein weite- res Jahr sehr fest bleiben. Stefan Uhlenbrock, S&P Global Commodity Insights Ratzeburg wie in den Vorjahren Exportsubven- tionen hätte gewähren müssen. Im Verbund mit den hohen Exporten der Vorjahre haben sich die zuvor exzessi- ven indischen Lagerbestände in den vergangenen drei Jahren mehr als hal- biert und erreichten zum Ende der Sai- son 2021/22 den von der Regierung angestrebten Sollwert von drei Monatsverbräuchen. Bei einem moderat steigenden Inlandsverbrauch dürfte der exportier- bare Überschuss im neuen Wirtschafts- jahr unseren Schätzungen zufolge jedoch auf etwa 7 Mio. t sinken. Die reine Zuckererzeugung sehen wir nahezu 2 Mio. t niedriger als im Vor- jahr bei 34,2 Mio. t, nicht zuletzt auf- grund einer länger als gewöhnlich dau- ernden Monsunregenzeit, die zu einem Absinken des Zuckergehalts führt. Zudem macht Indien seit einigen Jahren ernst bei der Beimischung von Kraftstoffalkohol zu Benzin und dessen Erzeugung aus Rohrsaft und Melasse. Im Zuckerwirtschaftsjahr 2021/22 wurde bereits das Äquivalent von 3,4 Mio. t potenzieller Zuckererzeu- gung hierfür verwendet, während im gerade begonnenen Zuckerwirtschafts- jahr mit einem Anstieg auf bis zu 4,5 Mio. t gerechnet wird. Thailands Zuckererzeugung erholt sich weiter Nach einem beispiellosen Rückgang der Rohrproduktion um nahezu die Das Zuckerange- bot in der EU wird bis zum Ende des laufenden Wirt- schaftsjahrs knapp bleiben und zur Deckung der Nachfrage in der Union werden wahrscheinlich sogar Importe notwendig sein. Foto: Natascha Kreuzer
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