Zuckerrüben Journal Nr. 01/2023

16 | Zuckerrübenjournal LZ 8 · 2023 | A K T U E L L E S | P O L I T I K | M A R K T | B E T R I E B S W I R T S C H A F T A N B A U T E C H N I K | Z U C K E R | Auch minimale Spritzrückstände können in kon- ventionellen Sor- ten erhebliche Schäden bis zum Totalausfall ver- ursachen. Das Saatgut lässt sich von außen nicht von konven- tionellen Sorten unterscheiden. Hierzu muss man die äußerste Schicht abkratzen. Darunter befindet sich bei Conviso- Sorten eine vio- lette Hüllmasse. Fotos: Sebastian Lammerich (4), Thomas Ludwicki (2) Unkrautproblematik vorhanden ist, der den Einsatz von Conviso erfordert. Aktuell stehen die bewährten Wirk- stoffe der Vorjahre in der Zuckerrübe weiterhin zur Verfügung, sodass auf vielen Flächen noch keine Notwendig- keit besteht, auf das Conviso-System umzusteigen. Dies könnte sich zukünf- tig natürlich ändern, wenn der dro- hende Wirkstoffwegfall Realität wer- den sollte. Wie ist mit Schossern umzugehen? Das neue Herbizidsystem bietet die einmalige Möglichkeit, bisher für den Rübenanbau ungeeignete Flächen mit hohem Wildrübendruck wieder in die Rübenfruchtfolge zu integrieren. Alt- rüben, die in der Vergangenheit durch- gegangen sind, werden sicher bekämpft. Allerdings ist umso größere Sorgfalt bei der Schosserbekämpfung in Conviso-Sorten geboten. Sollten hier Schosser durchgehen, wird die Bekämpfung von Durchwuchsrüben auch in anderen Kulturen drastisch erschwert. Hier kann zum Beispiel in Winterweizen bei Austrieben aus Köp- fen mit Wuchsstoff gearbeitet wer- den – falls diese nicht zuvor wie beschrieben durch ackerbauliche Maß- nahmen ohnehin beseitigt wurden. Wie ist bei einem Umbruch zu verfahren? Das Herbizid Conviso One enthält wie schon angesprochen auch eine Boden- komponente. Diese ist relativ lange wirksam. Daher muss bei einer eventu- ell erforderlichen Nachsaat unbedingt smartes Saatgut verwendet werden. Neu gesäte konventionelle Rüben wer- den nach bereits erfolgter Conviso- Behandlung nicht wachsen! Außerdem sind unter Umständen Nachbaupro- bleme, zum Beispiel in der Kartoffel direkt nach Rüben, zu befürchten. Der Hersteller empfiehlt zwölf Monate Wartezeit ab Anwendung. Der klassi- sche Getreideanbau nach der Zucker- rübe ist hingegen unproblematisch. Wie weit sind die zur Verfügung stehenden smarten Sorten? Aktuell stand für die Bestellung zur Aussaat 2023 im NT-Segment nur die Sorte Smart Thekla KWS zur Verfü- gung. Des Weiteren gab es die Sorten Smart Manja KWS und Smart Mirea KWS ohne NT-Eignung. Die Sorten werden immer im Pack zusammen mit dem Herbizid vertrieben. Mit der Aus- lieferung erhalten Anbauer ein Anwenderhandbuch und die passende Herbizidmenge zum bestellten Saat- gut. Eine Unterdosierung soll damit vermieden werden. Im klassischen Prüfsystem sind die Conviso-Sorten ertraglich noch nicht auf Augenhöhe mit den Standardsorten. Ertraglich fehlen hier wenige Prozentpunkte zu relativ 100. Allerdings könnten die Ertragsnachteile in der Praxis geringer ausfallen, da im Conviso-Smart-System Phyto-Tox-Effekte nicht zu befürchten sind. Der einzig bestellbaren NT-Sorte Smart Thekla KWS fehlt darüber hi- naus eine gute Blattgesundheit, sodass auf Fungizidanwendungen zu achten ist und die Sorte nicht auf Starkbefalls- standorte mit Cercospora passt. In den kommenden Jahren ist damit zu rechnen, dass auch blattge- sündere nematodentolerante Sorten im Conviso-Bereich auf den Markt kommen und die noch vorhandenen Ertragsnachteile immer geringer wer- den. Zudem werden weitere Züchter mit entsprechenden Sorten folgen. Fazit: Vor- und Nachteile von Conviso Smart Mit der Einführung des Conviso- Smart-Systems in den Rübenanbau steht den Anbauern eine neue und grundsätzlich praktikable Möglichkeit der Unkrautbekämpfung in Zucker- rüben zur Verfügung. Die Anwendung des Herbizids in der Rübe selbst wird einfacher und Probleme lassen sich dort mit weniger Aufwand lösen. Aller- dings erfordert der Einsatz von ALS- Hemmern in der Zuckerrübe ein Umdenken in der gesamten Frucht- folge. Das gesamtbetriebliche Resis- tenzmanagement wird durch die Wahl des Conviso-Systems komplexer und anspruchsvoller. Heute noch vorhandene geringe Ertragsnachteile der Conviso-Sorten werden durch Zuchtfortschritt in den nächsten Jahren sicherlich kleiner. Diese leichten Mindererträge könnten schon bald keine Rolle mehr spielen, falls im klassischen Anbauverfahren weitere Mittel wie zum Beispiel Debut oder Betasana SC wegfallen sollten. Gerade im Jahr der Einführung gilt es, besonderes Augenmerk auf die Spritzenreinigung zu legen und peni- bel darauf zu achten, „welche Rüben“ man vor sich hat. Falls es hier zu Ver- wechslungen oder Unachtsamkeit kommt, drohen hohe wirtschaftliche Schäden. Gleiches gilt für Nachbar- schläge, die auf keinen Fall durch Abdrift Spritzmittel abbekommen dür- fen. Das Mittel darf ausschließlich auf der Zielfläche landen, da auch Weg- ränder geschädigt würden. Thomas Ludwicki, Sebastian Lammerich, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Kreisstelle Aachen, Düren, Euskirchen

RkJQdWJsaXNoZXIy ODA5MjY=