Zuckerrüben Journal Nr. 01/2023

LZ 8 · 2023 Zuckerrübenjournal | 19 | Z U C K E R | T E C H N I K A N B A U B E T R I E B S W I R T S C H A F T | M A R K T | P O L I T I K | A K T U E L L E S | Fazit: Die Rübe macht Nährstoffe frei Durch die langjährigen Versuche der Landwirtschaftskammer NRW und Beobachtungen aus der Praxis lässt sich sagen, dass die Zuckerrübe eine Kultur ist, bei der über die 20 % hinaus noch weitere Reduktionen bei der Stickstoffdüngung vorgenommen wer- den können. Durch die Möglichkeit, dass innerhalb des nitratbelasteten Gebiets Stickstoffmengen kultur- und flächenübergreifend verteilt werden dürfen, werden durch die Zuckerrübe Stickstoffmengen frei, die in intensive- ren Kulturen wie Weizen, Raps oder Kartoffeln verwendet werden können. Hier gilt es zu beachten, dass die ursprüngliche Düngebedarfsermittlung vor Abzug immer die Obergrenze ist. Die 20-prozentige Reduktion muss im Schnitt aller nitratbelasteten Flächen eingehalten werden. Um die Verteilung zu erleichtern, gibt es im Düngeportal der Landwirtschaftskammer NRW unter www. duengung-nrw.de ein Opti- mierungstool. Hier kann der Düngebe- darf der einzelnen Kulturen und Flä- chen innerhalb des nitratbelasteten Gebiets komfortabel verteilt werden. Anselm Ostkirchen, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Kreisstelle Aachen, Düren, Euskirchen standortbezogene Empfehlungen für die Praxis. In Grafik 3 sind die durch- schnittlichen Erträge für Zuckerrübe, Weizen und Kartoffeln von 2003 bis 2019 dargestellt. In allen dargestellten Varianten wurde im Anbaujahr keine Stickstoffdüngung vorgenommen. Allerdings profitierten die Kulturen im rechten Säulenpaket von der langjähri- gen organischen Düngung mit Kom- post und Champost. Diese spiegelt sich auch im höheren Humusgehalt wider. Auffällig ist, dass die Zuckerrübe auf diesem Standort ausschließlich durch den Bodenvorrat ein Ertragsniveau von 97 % erreichte. Als konkrete Empfehlung für den Zuckerrübenanbau in nitratbelasteten Gebieten kann aus diesem Versuch die Erkenntnis gezogen werden, dass die schlagindividuelle Nachlieferung aus Organik noch stärker als bisher berücksichtigt werden sollte. Ein guter Hinweis hierfür sind N min -Werte im Frühjahr und der Humusgehalt in der Standardbodenuntersuchung. So kann man zum Beispiel mit N min -Proben bis zum 6-Blattstadium der Zuckerrübe den tatsächlichen Bedarf besser ein- ordnen. In der Praxis gibt es Betriebe, die auf Flächen mit langjähriger Kom- post-/Champostdüngung lediglich mit einer Startgabe von etwa 30 kg N in Form von KAS Höchsterträge erzielen. Der Versuch zeigt aber auch, dass sol- che extremen Einsparungen sich nicht für Flächen mit geringem Humusge- halt eignen, ohne Ertragseinbußen hinnehmen zu müssen. Tabelle 1: Wirksamkeit von organischen Düngern Dünger Anrechnung DBE* (%) Optimale Ausnutzung (%) Rindergülle 60 70 – 85 Schweinegülle 70 75 – 90 Gärrest flüssig 60 70 – 85 Champost 10 20 – 40 (langjährig) Kompost 3 – 5 10 – 20 (langjährig) Rindermist 25 30 – 40 * DBE = Düngebedarfsermittlung Tabelle 2: Erfahrungswerte Stickstoffnachlieferung Vorfrucht Abzug DBE* (kg N/ha) Erfahrungswerte (kg N/ha) Kartoffel 0 20 – 50 Erbsen/Bohnen 10 20 – 60 Kohlgemüse 10 20 – 80 Zwischenfrucht Senf 0 20 – 40 Zwischenfrucht Ölrettich 20 20 – 50 Zwischenfrucht Leguminose 40 20 – 60 * DBE = Düngebedarfsermittlung In Zuckerrüben lassen sich organi- sche Dünger sehr gut einsetzen. Foto: agrar-press Grafik 3: Durchschnittliche relative Erträge mit und ohne organische Dünger von 2003 bis 2019 69 78 77 97 77 86 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 ohne langjährige organische Düngung mit langjähriger organischer Düngung Ertrag relativ Weizen Zuckerrübe Kartoffel

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