Heimisches Fleisch ist gefragt
Schweinefleisch ist und bleibt die mit Abstand wichtigste Fleischart in Deutschland. Aber den Landwirten fehlt es an Anreizen, auch zukünftig Schweine zu halten. Damit die Schweineproduktion nicht ins Ausland abwandert, sind Schlachtunternehmen, Handel, der Verbraucher und die Politik gefordert.
Eigentlich ging die Kurve jahrelang bergab, aber in Sachen Fleischverbrauch ist eine Trendwende erkennbar. Die Deutschen essen wieder mehr Fleisch. Erstaunlich, zumal die Ernährungsexperten verstärkt den Verzehr pflanzlicher Produkte predigen. Fakt ist: Der Fleischverzehr ist 2025 bereits zum dritten Mal infolge um 1,4 kg auf 54,9 kg Fleisch pro Person gestiegen. Klarer Gewinner war Geflügelfleisch mit einem Pro-Kopf-Verzehr von 14,7 kg. Aber auch bei Schweine- und Rindfleisch legte der Verbrauch im vergangenen Jahr weiter zu. Gut die Hälfte des bundesdeutschen Gesamtverzehrs entfiel mit einem Pro-Kopf-Verzehr von 28,3 kg wieder auf Schweinefleisch. Damit bleibt es die mit Abstand wichtigste Fleischart in Deutschland und ist deutlich besser als sein Ruf.
Und besonders erfreulich ist, dass junge Leute wieder häufiger zu Fleisch greifen. Laut Ernährungsreport der forsa für das Jahr 2024 steht vor allem in den Bevölkerungsgruppen der 14- bis 29- und der 30- bis 44-Jährigen regelmäßig Fleisch auf dem Speiseplan. 26 % der 14- bis 29-Jährigen konsumieren Fleisch oder Wurst täglich, während es bei der gleichen Befragung im Jahr 2023 nur 17 % in dieser Altersgruppe waren. Doch woher kommt das? Da ist unter anderem die Sehnsucht nach Tradition. Ob es das traditionelle Festtagsessen mit der Familie oder ein Grillabend mit Freunden ist, Fleisch gehört für die meisten Menschen dazu. Es bedeutet soziales Miteinander und schafft Erinnerungen, die viele nicht missen möchten. Außerdem gibt es ein verstärktes Bewusstsein der jungen Menschen für Herkunft und Qualität. Verschiedenste Siegel, die Auskunft über die Haltungsform sowie die Qualität von tierischen Produkten geben, schaffen mehr Bewusstsein für die Qualität und Herkunft von Lebensmitteln und ermöglichen dem Verbraucher, Produkte direkt zu vergleichen. Mehr als drei Viertel der jungen Menschen interessieren sich laut der forsa-Studie für nachhaltige Lebensweisen sowie artgerechte Tierhaltung und greifen wieder häufiger zu Fleisch und Wurst, wenn Tierwohlkriterien eingehalten werden. Außerdem sind proteinreiche Mahlzeiten und Fleischgerichte als essenzieller Bestandteil einer gesunden Ernährung bei der Jugend „hip“, um es in ihrer Sprache zu sagen.
Die Nachricht von einem höheren Fleischverbrauch hört sich gut an, aber dieser muss auch bedient werden, und zwar mit heimischer Ware. Die deutsche Schweineproduktion gibt das momentan nicht her. Und das dürfte auch dauern, denn den Landwirten fehlt es schlichtweg an Anreizen, auch künftig Schweine zu halten. Denn es rechnet sich nicht. Insbesondere der jüngste Preisabsturz trifft die Betriebe hart. Die Notierung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) ist für Schlachtschweine um weitere 10 ct auf 1,50 €/kg Schlachtgewicht gefallen.
Für die Schweinehalter ist der Preissturz nicht nachvollziehbar. Er kommt zur denkbar ungünstigsten Zeit, er kommt mitten in der Grillsaison und zum Start der Fußballweltmeisterschaft mit hoher Nachfrage und einem saisonal rückläufigen Angebot. Da wären eigentlich Impulse für eine stabilere Preisentwicklung zu erwarten gewesen. Aber dem ist nicht so. Die Schlachtunternehmen begründen die Preissenkung mit schwachen Fleischgeschäften, gut gefüllten Lagern sowie einem reichlich versorgten europäischen Markt. Sie bedienen sich verstärkt bei ausländischer Ware.
Aber wie geht das mit dem Wunsch zusammen, dass man vermehrt heimisches Fleisch essen möchte? Gesellschaft und Politik beteuern das immer wieder, nur sie handeln nicht danach. Im Gegenteil: Die Schweineproduktion droht ins Ausland abzuwandern. Vonseiten der Schlachtunternehmen, des Handels und des Verbrauchers ist ein klares Bekenntnis zu heimischem Schweinefleisch erforderlich, ja zu heimischem Fleisch allgemein. Tierische Produkte sollten möglichst aus Deutschland stammen. Denn das stärkt die Versorgungssicherheit und macht unabhängiger von Importen. Gerade in der derzeit fragilen Weltlage ist das wichtig. Nach wie vor gefordert ist natürlich die Politik. Sie hat es in der Hand, vernünftige Rahmenbedingungen für die Schweinehalter zu schaffen und sie nicht weiter mit unnötiger Bürokratie und Auflagen zu gängeln. Stallbauten müssen weiter möglich sein. Vielleicht gelingt es ja dann doch, dass viele junge Schweinehalter nicht das Handtuch werfen und weitermachen und nicht nur junge Leute weiterhin heimisches Fleisch genießen können.
