Welcher Ehename soll es werden?
Für meinen Verlobten Philipp und mich endete das vergangene Jahr nicht nur mit Raclette und Feuerwerk, sondern auch mit einem sehr offiziellen Termin: unserer standesamtlichen Hochzeit. Bevor man jedoch wirklich „Ja“ zueinander sagen kann, sagt man erstaunlich oft „Moment mal“. Denn neben Gästeliste, Terminkalender und Formularen gibt es diese eine, nicht ganz unwichtige Frage: Welcher Ehename soll es werden? Ich dachte ehrlich gesagt, das sei eine reine Formsache. Spoiler: Ist es nicht.
„Ich kann meinen Nachnamen nicht abgeben, mich kennen zu viele unter genau diesem“, so Philipp. Ach so, natürlich. Das macht Sinn. Dass ich als (im wahrsten Sinne des Wortes) ausgezeichnete Jungunternehmerin, Hofnachfolgerin unseres landwirtschaftlich-gastronomischen Betriebs, Gründerin der Jungen LandFrauen und Kolumnistin ebenfalls unter meinem Mädchennamen bekannt bin, kommt dir nicht in den Sinn? Der Dialog war in Wirklichkeit etwas kürzer, der Gedanke dahinter aber derselbe. Und plötzlich saß ich da – 33 Jahre alt, Bankkauffrau, BWL-Absolventin, Quereinsteigerin in Landwirtschaft und Gastronomie, seit 2023 Betriebsinhaberin – und sollte mir überlegen, welchen Teil meiner Identität ich abgeben möchte. Oder besser gesagt: welchen Namen.
Einen Namen, der nicht nur auf Rechnungen und Verträgen, sondern auch für Verantwortung steht. Dabei geht es hier gar nicht darum, dass ich seinen Namen nicht tragen will. Wobei ich mich an dieser Stelle schon frage, was ER eigentlich so schlimm an Ingenrieth findet. Sein Argument ist schnell zur Hand: Er möchte seinen Namen behalten, weil man ihn darunter kennt. Ein nachvollziehbarer Gedanke. Dumm nur, dass exakt dieselben Gründe auch für mich gelten. Nur scheint das nicht ganz so schwer zu wiegen. Und dennoch – man(n) lässt sich nicht drauf ein. Willkommen im Jahr 2025, wo Gleichberechtigung selbstverständlich ist. Zumindest theoretisch. Praktisch hört sie manchmal genau dort auf, wo es im Personalausweis konkret wird. Nach einigen Gesprächen, einer Portion Augenrollen und viel innerem Abwägen wurde es am Ende der ursprünglich verhasste Doppelname. Man(n) nennt mich jetzt: Ingenrieth-Klauth. Und wissen Sie was? Es fühlt sich rückblickend erstaunlich gut an. Ganz nach dem Motto: Was dir ein neues Jahr bringt, hängt davon ab, was du in dieses mitbringst. Ich bringe neben meinem Mädchennamen nun auch seinen Namen mit. Nicht, weil ich musste, sondern weil ich wollte. Weil es sich heute nach einer sehr guten Kombination meiner selbst anfühlt – aus Herkunft und Zukunft, aus Hof und Ehe, aus Ich und Wir. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser Namensfrage: Man muss nicht weniger werden, um gemeinsam mehr zu sein.
Christina Ingenrieth-Klauth
