14.10.2026

Was bleibt am Ende?

Kathrin Fries

Das war es also nun: Die Landesgartenschau (Laga) hat ihre Tore in Neuss geschlossen und die Beteiligten kümmern sich nach insgesamt 180 Tagen jetzt ums Aufräumen und Rückbauen. Wobei das nicht ganz stimmt, denn einiges ist gekommen, um zu bleiben. Ob sich finanzielle, materielle und personelle Investitionen lohnen, ist nicht nur in diesem Fall eine Frage, die weit über die eigentliche Veranstaltung hinausreicht.

Wie oft gibt es gerade im Ehrenamt die Situationen, in denen man sich mit Feuereifer und Herzblut darangemacht hat, etwas voranzubringen, und sich dann fragt: War es das wert? Wir Menschen neigen dazu zu beurteilen, was wir sehen. Darum ist es schwer abzuschätzen, wie viele Laga-Besucher in den vergangenen Wochen tatsächlich etwas Nachhaltiges vom Besuch auf der Fläche des Forums Landwirtschaft (siehe ab S. 51) mitgenommen haben. Also neben beispielsweise den Saatgutgeschenken. Klar ist: Wer da war, hatte auch dank der zahlreichen engagierten Helfer im Haupt- und Ehrenamt eine gute Zeit. Wer wollte, bekam an 56 Thementagen viel Wissen dargeboten. Wer sich die Zeit nahm, konnte wertvolle Gespräche führen. Gemeinsam haben die Akteure die Landwirtschaft und das Landleben erlebbar gemacht. Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) kommt in seiner Danksagung zu dem Fazit: Das schafft keiner allein!

Auch die Laga selbst musste sich schon vor dem ersten Spatenstich damit befassen, welchen Impact sie haben will und wird. Denn vor einer Bewerbung als Ausrichter muss erstmal geklärt werden: Wollen wir das? Denn ob Laga oder andere Großevents – eine erfolgreiche Teilnahme mit nachhaltigen positiven Auswirkungen gelingt nur, wenn sie viele aus der Bevölkerung mittragen.

So wurde auch eine mögliche Bewerbung der Region KölnRheinRuhr für Olympische und Paralympische Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 in den immerhin 15 an der Bewerbung beteiligten Kommunen gründlich geprüft. Unermüdlich und mit viel Hingabe hatten die Fürsprecher die Werbetrommel gerührt. Der Zuschlag ging bekanntermaßen dann doch an München. Vielleicht sagt mancher hier im Rheinland dazu auch „Gott sei Dank!“. Denn neben den vielen erhofften und an anderen Orten auch schon erlebten positiven Auswirkungen, birgt ein solches Großevent auch Risiken. So sind neben den beispielsweise städtebaulichen und touristischen Pros auch Kontras zu berücksichtigen: aus öffentlichen Kassen zu bezahlende Kosten, der Unterhalt errichteter, aber anschließend nicht genutzter Anlagen, verstärkte Verkehrs- und Umweltbelastungen schon im Vorfeld, ein erhöhter Sicherheitsaufwand, … Das ist nicht nur bei Olympia bedenkenswert.

Dass aber auch schon Bemühungen ihre Spuren hinterlassen, zeigt dieses Beispiel auch. Der Sport in NRW habe durch die Bewerbung schon jetzt viel gewonnen. Ein neues Förderprogramm der Landesregierung für Sportstätten, eine verbesserte Bezahlung von Trainern im Nachwuchsleistungssport, eine Offensive zur Qualifizierung von Übungsleitern im Breitensport und vieles mehr, heißt es vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen.

Das können sicher auch die früheren Teilnehmer des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ bestätigen. Gesucht werden im inzwischen 29. Bundeswettbewerb wieder Dorfgemeinschaften, die gemeinsam anpacken und ihren Ort mit Ideenreichtum und En­gage­ment lebenswert und zukunftsfähig gestalten (siehe S. 50). Diese preiswürdigen Attribute haben die Dörfer – egal, wie weit sie im Wettbewerb kommen. Der Ideenwettbewerb „Mit Tatkraft“ soll diejenigen unterstützen, die bei sich im Rheinischen Revier das Miteinander vor Ort stärken oder die Region nachhaltiger machen. Die eingereichten Projektideen dürfen hier zwar noch nicht begonnen worden sein, sollen aber da­rauf ausgerichtet sein, positive Wirkung zu entfalten.

Das ist, was sich auch die Laga-Macher erhoffen. Jetzt in Neuss, wo die neu entstandenen und nun frei zugänglichen Sportanlagen, zusätzliche Fahrradwege, eine verbesserte Verkehrsführung und eine für alle nutzbare Grünanlage mitten in der Stadt auch nach der Laga die Entscheidung bekräftigen, Ausrichter zu werden. Der Staffelstab wurde an Kleve über­geben, wo die Bevölkerung sich sicher schon freut – wohl nicht auf die Baumaßnahmen, aber auf die Veranstaltungs­monate 2029 und dann auch auf das, was bleibt.


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