24.06.2026

Wo sind die Antworten?

Dr. Elisabeth Legge

Die Getreideernte ist gestartet und die Ertragsaussichten sind gut. Allerdings lassen die Getreidepreise zu wünschen übrig. Und nach wie vor warten die Landwirte auf wichtige Entscheidungen der Bundesregierung.

Es ist wieder so weit. Die Mähdrescher sind wieder auf den Feldern zu sehen. Im Rheinland fiel am Freitag vergangener Woche in der Zülpicher Börde der Startschuss für die diesjährige Getreideernte. Und wenn die Hitzewelle weiter anhält, dürfte bis Ende der Woche flächendeckend auf den rheinischen Feldern die Ernte begonnen haben. Insgesamt geht man im Rheinland von einer guten Getreideernte aus. Die Gerste steht nach ersten Einschätzungen gut da. Auch Weizen und Raps lassen hohe Erntemengen erwarten. Für NRW rechnet der Marktexperte der Landwirtschaftskammer NRW mit einer durchschnittlichen bis guten Ernte (siehe Interview auf S. 18). Deutschlandweit prognostiziert der Deutsche Raiffeisenverband eine Getreidemenge von 44,1 Mio. t, die leicht über dem langjährigen Durchschnitt liegt. Auch weltweit wird eine durchschnittliche bis gute Getreideernte erwartet.

Die Ernteaussichten sind erfreulich, aber nicht nur die rheinischen Ackerbauern schauen der bevorstehenden Getreideernte mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn die Erzeugerpreise für ihr Getreide lassen zu wünschen übrig. Zwischenzeitlich gab es einen guten Gerstenpreis, aber der war nicht von langer Dauer. Die große Ausnahme ist der Raps. Hier erleben die Preise einen regelrechten Höhenflug. Der Irankrieg hat sie nach oben getrieben. Die Schocks auf dem Ölmarkt haben sich allerdings nicht positiv auf die Getreidepreise ausgewirkt. Speziell beim Weizen dürften die Preise immer noch auf einem niedrigen Niveau bleiben.

Mit den Verkaufserlösen der jetzigen Ernte muss allerdings die kommende Ernte vorfinanziert werden. Dabei sind die Landwirte nach wie vor mit hohen Betriebsmittelkosten, vor allem für Dünger und Diesel, konfrontiert. Die Öffnung der seit Monaten blockierten Straße von Hormus könnte aber den Landwirten geringere Kosten für Betriebsmittel bescheren. Insbesondere niedrigere Dieselkosten könnten den Betrieben helfen, denn gerade jetzt in der Ernte und in der zweiten Jahreshälfte ist der Spritverbrauch auf den Betrieben hoch.

Ob die sinkenden Rohstoffkosten der Betriebsmittel wirklich bei den Landwirten ankommen, bleibt abzuwarten. Und abzuwarten bleibt auch, wie sich die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran entwickeln. Ist es nur eine Atempause oder ist es mehr? Das ständige Hin und Her der Verhandlungen, wie wir es seit vergangener Woche erleben, verunsichert nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt. Dadurch bleiben echte Wachstumsanreize aus, die für Impulse auf dem Getreidemarkt sorgen.

Gerade jetzt in solchen unsicheren Zeiten braucht es ein entschlossenes Handeln der heimischen Politik. Schließlich ist die neue Bundesregierung seit einem Jahr im Amt. Aber die Signale aus Berlin sind bislang dünn. Der angekündigte Reformkurs bleibt aus und vor der anstehenden politisch lähmenden Sommerpause ist eigentlich nicht mehr viel zu erwarten. Aber zumindest Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer kann noch den großen Wurf bringen.

Ob Düngeverordnung, Verbesserung der Pflanzenschutzmittelzulassung, Naturschutzpolitik, die künftige Gemeinsame Agrar­politik (GAP) oder eine Risikoausgleichsrücklage – das sind nur einige Themen, die Rainers Ressort betreffen und wo er Einfluss nehmen sollte. Lieber Herr Minister, liebe Bundesregierung, hier erwarten die landwirtschaftlichen Familienbetriebe Antworten. Der Deutsche Bauerntag in dieser Woche in Freiburg bietet dazu eine ideale Plattform und kommt genau zum richtigen Zeitpunkt für politische Diskussionen. Das Tagungsmotto lautet „Landwirtschaft stärken, Versorgung sichern“. Aber was tut die Politik dafür?

Vielleicht gibt es ja die erhofften Antworten da­rauf von Bundesminister Rainer in Südbaden. Immerhin geht es um die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. Man kann gespannt sein, ob es auf die anstehenden Fragen kurzfristig zufriedenstellende politische Antworten geben wird. Der Minister ist in jedem Fall gefordert.


 

 

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