Altersvorsorge – Altersvorfreude
Vergangene Woche fand das bereits angekündigte Unternehmerinnen-Fachgespräch (UFG) der Andreas Hermes Akademie statt. Das Leitthema lautete: „Altersvorsorge – Altersvorfreude“. Ich bin bis heute von dem offenen und ehrlichen Austausch begeistert. So unterschiedlich die einzelnen Betriebe und Höfe der teilnehmenden Unternehmerinnen sind, so unterschiedlich ist auch die Lebenssituation jeder Einzelnen. Uns alle betrifft allerdings das nachstehende Zitat der Finanzberaterin Justine IIvakovic. Ihr Fokus liegt bewusst auf Frauenfinanzen: „Ein Mann ist keine Altersvorsorge. Kinder sind keine Altersvorsorge. Jede ist für sich selbst verantwortlich. Dazu gehört es, Verantwortung zu übernehmen.“ Wir tragen tagtäglich Verantwortung für Mensch, Boden und Betrieb. Diese so wichtige Verantwortung sollten wir auch in finanziellen Fragen übernehmen. Uns eben nicht auf andere verlassen, sondern anfangen, offen und ehrlich über das Thema Geld zu sprechen. Denn darüber zu schweigen, vergrößert nur die zukünftige Abhängigkeit.
In meiner Bankausbildung stolperte ich schon einmal über diesen erschreckenden Begriff und vergangene Woche begegnete er mir wieder: Altersarmut. Darunter ist die finanzielle Knappheit im Rentenalter zu verstehen, bei der das Einkommen nicht ausreicht, um die Grundbedürfnisse zu decken. 2024 galten in Deutschland 21,6 % der Seniorinnen ab 65 Jahren als armutsgefährdet (Quelle: Statistisches Bundesamt). Dieses Szenario ist zwar nicht schön, aber leider auch nicht unrealistisch, trifft es doch jede fünfte Seniorin. Dabei können unterschiedlichste Gründe Frauen in diese Situation bringen: Laut Statistischem Bundesamt wurden beispielsweise im Jahr 2023 knapp 35 % der Ehen geschieden. Auch wenn ich kurz vor meiner eigenen Hochzeit stehe, hilft es auch mir nicht, die Augen vor dieser Realität zu verschließen.
Wenn das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen ist und Altersarmut real wird, ist es nämlich zu spät. Also was kann ich, was können wir Frauen jetzt tun? Wir können jederzeit, unabhängig von Alter und Lebenslage, damit anfangen, uns mit dem Thema Finanzen zu beschäftigen. Das bedeutet, selbst aktiv zu werden. Wir sollten – nein, müssen – hinterfragen, wie die eigene Altersvorsorge aktuell aussieht, wie ich sie finanziell positiv beeinflussen kann und wie diese beispielsweise bei einer möglichen Scheidung aussehen wird. Es ist an der Zeit, dass wir über Geld sprechen. Und mit „wir“ sind alle gemeint, auch die Männer. Denken Sie einvernehmlich und im Guten an morgen. Denn wir alle wissen, dass sich mit Ruhe und Weitblick am besten Dinge klären lassen. Für Altersvorsorge ist es nie zu spät. Sie ist die logische Fortsetzung dessen, was uns als Unternehmerinnen ausmacht: Verantwortung übernehmen – für heute und für morgen. Für uns.
Christina Ingenrieth
