Altes Handwerk mit Bestand
Aktuell gibt es 676 Buchbindereien in Deutschland. Eine von ihnen führt Buchbindemeisterin und Restauratorin Christiane Rux. In ihrer Werkstatt bindet sie nach alter Handwerkstradition Chroniken, Fachzeitschriften, Broschüren und Bücher ein. Ebenso bereitet sie historische Publikationen wieder auf. Daneben fertigt sie Mappen, Kassetten und Schuber.
Ein bisschen versteckt in zweiter Reihe zur Straße hin liegen die Räumlichkeiten von Christiane Rux. Beim Betreten kommt der Besucherin als Erstes Werkstatthund Caleb schwanzwedelnd entgegen. Während sein Frauchen gleich jede Menge Fragen beantworten wird, macht es sich der Labrador vor dem warmen Ofen gemütlich und hält ein Nickerchen.
Auf dem großen Arbeitstisch stapeln sich derweil für die Buchbindemeisterin verschiedene Aufträge. Auch hat sie dort Arbeitsproben aus ihrem vielfältigen Schaffen bereitgelegt. Momentan ist sie dabei, ein historisches Buch, das fast auseinanderfiel, wieder zum Leben zu erwecken, damit sein Besitzer bald wieder nach Herzenslust darin blättern kann. Der Kunde brachte ihr eine Prachtausgabe mit dem Titel „Bismarck-Denkmal für das deutsche Volk“, erschienen im Jahr 1895. Das Buch hat einen Einband mit reicher Ornamentik. Jedoch nagt besonders am Buchrücken, der die beiden Buchdeckel verbindet und die Seiten, den Buchblock, zusammenhält, der Zahn der Zeit. Deshalb hat sie das gute Stück bereits vorsichtig in seine Einzelteile zerlegt, um es mit Sorgfalt aufzuarbeiten. Da das mit Trocknungsunterbrechungen einige Zeit in Anspruch nehmen wird, kann sie an diesem Tag nicht alle Arbeitsschritte chronologisch demonstrieren.
Mehr in LZ 48-2025 ab S. 70.
Silke Bromm-Krieger
