23.07.2025

Ausbilden lohnt sich

Foto: Katrin Bremer-John

Nächste Woche ist es schon wieder so weit: Das neue Ausbildungsjahr beginnt. Damit die Ausbildungszahlen in der Landwirtschaft weiterhin stabil bleiben, braucht es engagierte Ausbilder, die auch offen für Nachwuchskräfte ohne landwirtschaftlichen Hintergrund sind. Ebenso wichtig sind verlässliche politische Rahmenbedingungen, die dem Berufsnachwuchs eine Zukunft in der Landwirtschaft ermöglichen.

Der Sommer ist nicht nur wegen der Ernte eine spannende Zeit, sondern auch ein wichtiger Wendepunkt für den Nachwuchs in der Landwirtschaft: Neue Azubis starten in ihr erstes Ausbildungsjahr, andere wechseln zum nächsten Ausbildungsbetrieb und die Fachschüler feiern ihren Abschluss. Auch für die Ausbilder bedeutet das einen Umbruch, denn der mittlerweile gut eingearbeitete Auszubildende verlässt den Betrieb und dafür kommt jemand Neues. Man muss sich in der Regel erst mal aufeinander einstellen und gerade zu Anfang gibt es mehr Erklärungsbedarf.

Mittlerweile gibt es immer mehr Auszubildende, die nicht von einem landwirtschaftlichen Betrieb stammen. Das bringt sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich. Zum Teil bringen sie weniger Vorkenntnisse mit und müssen sich erst an den Arbeitsrhythmus sowie die körperliche Arbeit gewöhnen. Wobei die meisten vermutlich nicht ganz blauäugig in die Ausbildung zur Landwirtin oder zum Landwirt starten, sondern zuvor auch schon Praktika absolviert haben, die sie in ihrer Berufswahl bestärkt haben. Genau das ist auch ein Punkt, der für Azubis ohne elterlichen Betrieb spricht: Sie haben sich ganz bewusst für den Beruf entschieden und machen die Ausbildung nicht nur aus Pflichtbewusstsein ihren Eltern gegenüber. Außerdem sind sie nicht voreingenommen und können mit ihrem Blick von außen frischen Wind in den Betrieb bringen.

Ausbilder müssen aber auch bereit sein, sich darauf einzulassen und sich Zeit für die Ausbildung zu nehmen. Das gilt allerdings immer, unabhängig von der Herkunft der Azubis. Denn die jungen Leute sind nicht einfach nur günstige Arbeitskräfte, sondern die Fachkräfte der Zukunft. Wer morgen gute Fachkräfte haben möchte, muss heute Zeit und Mühe in eine fundierte Ausbildung investieren. Wenn Ausbilder engagiert sind, spricht sich das zudem herum, weshalb gute Ausbildungsbetriebe in der Regel keine Probleme haben, Auszubildende zu finden, sondern zum Teil schon Jahre im Voraus „ausgebucht“ sind. Grundsätzlich ist es laut der Landwirtschaftskammer NRW aber so, dass auch in diesem Jahr wieder einige Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, da die Nachfrage deutlich geringer ist als die Anzahl angebotener Stellen. Genaue Zahlen, wie viele Azubis diesen Sommer in die Ausbildung zur Landwirtin oder zum Landwirt starten, gibt es noch nicht. Die Kammer geht allerdings davon aus, dass das in etwa wieder so viele sind wie im vergangenen Jahr – da wurden in NRW 594 Neuverträge mit angehenden Landwirtinnen und Landwirten abgeschlossen.

Hoffentlich bleiben die Ausbildungszahlen auch in den nächsten Jahren so stabil, denn auf den Höfen wird gut ausgebildeter Nachwuchs gebraucht. Viele Betriebsleiter nähern sich dem Rentenalter und bei einigen ist die Hofnachfolge noch nicht geklärt. Dabei sollten die scheidenden Betriebsleiter auch eine außerfamiliäre Übergabe in Betracht ziehen, wenn aus der eigenen Familie niemand übernehmen möchte. Schließlich gibt es mittlerweile immer mehr Landwirtinnen und Landwirte mit großer Leidenschaft für ihren Beruf, die keinen Betrieb erben werden. Die große Herausforderung ist dann allerdings, eine Einigung zu finden, mit der alle Parteien einverstanden sind.

Damit sich junge Landwirtinnen und Landwirte überhaupt an die Betriebsübernahme wagen, ist es wichtig, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Wie die in Zukunft aussehen, wird bekanntlich zu einem großen Teil in Brüssel in Form der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) entschieden. In der letzten Woche wurde bekannt, dass sich in der nächsten GAP-Förderperiode vermutlich einiges ändern wird. Im künftigen Mehrjährigen Finanzrahmen sind weniger Gelder für die Landwirtschaft vorgesehen als bisher. Das soll laut EU-Agrarkommissar Christophe Hansen jedoch nicht zulasten der Junglandwirte ausfallen, ganz im Gegenteil: Er will die künftige GAP stärker auf Jung- und Kleinlandwirte ausrichten. Die dafür notwendigen Mittel will der Kommissar durch Degression und Kappung der Direktzahlungen freisetzen.

Doch auch Junglandwirte werden älter und müssen auskömmlich wirtschaften können, wenn sie nicht mehr gesondert gefördert werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine gute Ausbildung, die der Grundstein für die erfolgreiche Leitung eines Betriebs ist. Das allein reicht jedoch leider nach heutigem Stand nicht. Es braucht also passende politische Rahmenbedingungen – und zwar über die Junglandwirteförderung hinaus.