Das unausgepackte Geschenk
Wenn man selbstständig ist, besonders in unserer grünen Branche, rauschen die Monate oft vorbei wie ein vollbeladener Erntewagen auf abschüssiger Strecke. Zwischen den jeweiligen Spargel- und Erdbeerernten, dem Kartoffel- und Süßkartoffelroden und der gesamten Organisation davon, bleibt selten Zeit, innezuhalten. Doch manchmal überrascht einen das Leben mit Momenten, die uns wieder erden. So ging es mir bei unserem Polterabend. Über 400 Menschen sind gekommen – Familie, Freunde, Nachbarn, Kundinnen und Kunden, Wegbegleiter aus der Landwirtschaft. Ich habe an diesem Abend nicht nur gefeiert, sondern vor allem gespürt, wie viel Unterstützung mich umgibt. Ein Gefühl von tiefer Dankbarkeit hat mich durchflutet. Und gleichzeitig auch die Erkenntnis, wie selten ich dieses Gefühl wirklich bewusst realisiere, zulasse und auch ausspreche.
Dabei passt genau dieser Gedanke wunderbar in die Weihnachtszeit. In einer Phase, in der wir einander traditionell Nähe, Wärme und Wertschätzung schenken wollen, sind wir in unserer Branche nicht immer die Dankbarsten. Ganzjährig sind wir schnell am Meckern – über das Wetter, die Politik, die Preise, die Bürokratie. Und ja, vieles davon ist berechtigt. Und manchmal vergessen wir darüber, wie reich unsere Arbeit uns auch macht: an Begegnungen, an Vertrauen, an Momenten, die uns durchs Jahr tragen. An Leistungen, die wir – jeder einzelne von uns – tagtäglich auf dem eigenen Betrieb erbringt.
Der amerikanische Motivationsautor William Arthur Ward hat einmal gesagt: „Dankbarkeit zu verspüren, diese aber nicht mitzuteilen, ist wie ein Geschenk, das man verpackt und dann nicht verschenkt.“ Dieses Zitat hat mich seit unserem Polterabend nicht mehr losgelassen. Denn wie viele unausgesprochene Geschenke tragen wir eigentlich mit uns herum? Weihnachten ist genau der richtige Zeitpunkt, um diese Geschenke endlich zu verteilen. Die letzten Wochen des Jahres laden ganz besonders dazu ein, kurz von der Routine hochzuschauen und den Menschen Danke zu sagen, die an den anderen Tagen leicht zu kurz kommen: den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Familien, die uns den Rücken freihalten, den Kolleginnen und Kollegen, die einspringen, wenn es brennt – und auch den Kundinnen und Kunden, die unseren Produkten Vertrauen schenken. Ich nehme mir fest vor, in diesem Jahr nicht nur dankbar zu sein, sondern meine Dankbarkeit auch auszusprechen. Vielleicht schließen Sie sich an. Denn ein ausgesprochenes Danke ist oft das schönste Geschenk, das man machen kann.
Ihnen allen wünsche ich eine besinnliche Weihnachtszeit mit vielen verteilten, nicht nur verpackten Geschenken.
Christina Ingenrieth
